Böheimkirchnerin Kickinger führt Österreichs Team zur WM

Erstellt am 17. August 2022 | 02:57
Lesezeit: 4 Min
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Selina Kickinger turnte auch am „Angstgerät“ Balken fehlerfrei.
Foto: Simone Ferraro
Das Kunstturn-Ass aus Böheimkirchen zeigt in München an allen Geräten makellose Übungen. Mit Platz elf gab es das bislang beste EM-Team-Ergebnis der heimischen Turnerinnen-Geschichte und die Qualifikation für die WM.
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Was für ein Auftakt zu den European Championships Munich 2022! Rund 55.000 Sportfans waren am Freitag zur Eröffnungsfeier in den Olympiapark gekommen – und es hätten sogar noch mehr dabei sein wollen. Die Sportfreunde Stiller haben angestimmt, Marteria hat die Show mit einer Arschbombe beendet. Nach dem musikalischen Teil ging es im beleuchteten Olympiapark noch bis in die Sommernacht hinein weiter.

Und ein absolutes Highlight waren dann gleich die Bewerbe zur Kunstturn-EM!

Nicht nur die Gastgeberinnen schrieben Geschichte...

Standing Ovations auf den Rängen, Freudentränen in der Arena: Am Samstagnachmittag war die Olympiahalle erfüllt von Emotionen. Die Fans tanzten zu YMCA, während die Turnerinnen im Teamfinale Höchstleistungen ablieferten.

Auch die Österreicherinnen mit der Böheimkirchnerin Selina Kickinger an der Spitze. Italien sicherte sich aber die Goldmedaille vor Großbritannien und Deutschland. Die Gastgeberinnen haben mit Bronze Geschichte geschrieben, denn noch nie zuvor hatte es eine EM-Medaille für Deutschland im Mannschafts-Wettbewerb gegeben.

Österreichs Kunstturnerinnen präsentierten sich ebenfalls stark verbessert. Kickinger, die zusammen mit Carina Kröll (S), Jasmin Mader (T) und den Mörz-Schwestern Alissa und Charlize (B) am Start war, gelang ein nahezu fehlerfreier Mannschafts-Wettkampf ohne Sturz oder großen Fehler in der Gesamtwertung. Und dies auf deutlich erhöhtem Schwierigkeits- und Präsentations-Niveau. Das bedeutete den elften Rang und ebenfalls das bislang beste EM-Team-Ergebnis der heimischen Turnerinnen-Geschichte.

Elfter Rang bedeutet Qualifikation für die WM

Die Top 13 unter den insgesamt 37 vertretenen Länder qualifizierten sich als Teams für die Weltmeisterschaft und den offiziellen Start der Olympia-Qualifikation ab Ende Oktober in Liverpool – somit auch Österreich, dieses klare EM-Hauptziel der ÖFT-Equipe wurde erreicht.

Nationaltrainer Daymon Jones der das Team gemeinsam mit dem Niederländer Patrick Kiens im 2021 neu eröffneten ÖFT-Bundesstützpunkt in Linz trainiert zeigte sich nicht nur stolz auf das Abschneiden. „Wichtiger ist mir noch, wie sich alle auf dem Weg zu diesem heutigen Moment für das gesamte Programm und den gesamten Prozess eingesetzt haben“, meinte der US-Amerikaner.

Die österreichischen Turnerinnen waren in den ersten der vier über den ganzen Tag verteilten Wettkampf-Durchgängen in der Münchner Olympia-Halle gelost worden. Man beendete den Bewerb am dritten Zwischenrang hinter Deutschland und den Niederlanden, dann hieß es lange warten. Nach dem zweiten Durchgang rangierte man auf Platz sechs, ebenso noch nach dem dritten.

In der Abend-Rotation zogen dann noch fünf der klar stärker eingestuften Teams vorbei. Doch die Freude über das bisherige Rekord-Ergebnis war im ÖFT-Lager dennoch groß. Dafür wird jetzt der Urlaub aufgeschoben – es geht ja im Herbst zur WM.

Jones gab bereits einen Ausblick: „Wir haben in den letzten Monaten mit dem Fokus auf den Team-Zusammenhalt statt persönlichen Erfolg trainiert. Dank der professionellen Vorbereitung konnten wir Europa heute mit viel Selbstvertrauen zeigen, wie künstlerisch und stabil sich das ‚neue‘ österreichische Turnen präsentieren kann. Für die nächste Stufe – Finals und Medaillen – fehlt uns noch die Übungs-Schwierigkeit. Aber da dieser Schritt Zeit braucht, wird er für die nächste Periode im Mittelpunkt stehen. Österreichs Turnerinnen werden sich in Zukunft kontinuierlich weiter nach oben arbeiten, Publikum und Wertungsrichterinnen immer mehr zu begeistern wissen.“

Bislang hatten Österreichs Turnerinnen den 13. Rang aus Bern 2016 als bestes EM-Ergebnis stehen, gefolgt von zweimal Platz 14 in den Jahren 2014 und 2008. Ansonsten pendelte man zwischen Positionen rund um Platz 20, zuletzt 2018 war es mit dem 23. Platz eher ein Tiefpunkt gewesen.