LLZT St. Pölten zeigte bei Staatsmeisterschaften auf. Zwei Top-10-Ergebnisse für die jungen LLZT-Athleten bei den Staatsmeisterschaften in Egg im Bregenzerwald.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 18. November 2020 (00:33)
Mit dem Sportbus der Stadt St. Pölten ging es für die LLZT-Schützlinge von Laurentiu Nistor und Szimonetta Lehota. Bruno Baccolini sowie Marie und Martin Wolf waren am Start, Panauer (2. v. l.) verletzte sich kurz vorher.
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Inmitten des November-Lockdowns gingen die 74. österreichischen Meisterschaften im Kunstturnen tatsächlich in Szene. Natürlich unter strengen Covid-19-Auflagen konnten sich bei der behördlich genehmigten Spitzensportveranstaltung in Egg im Bregenzerwald (Vorarlberg) auch die Athleten vom St. Pölten Leistungszentrum erfolgreich präsentieren.

„In diesem so besonderen Jahr bedurfte es aber einer außerordentlichen Kraftanstrengung, um sich auf dieses nationale Spitzenevent vorzubereiten, denn in NÖ hatte heuer niemand, mit Ausnahme vielleicht der Elite-Nationalkadermitglieder, konkurrenzfähige Trainingsbedingungen und durchgängigen Hallenzugang“, erklärt Martina Weinberger, die Koordinatorin des Landesleistungszentrums (LLZT) St. Pölten. Dennoch gelang es insgesamt fünf Athleten des LLZT, den Fokus zu behalten und sich auf diesen Höhepunkt vorzubereiten. So gab es gleich mehrere Premieren. Die beiden jüngsten Teilnehmer im Starterfeld kamen aus der St. Pöltner Athletengruppe. Sie stellten sich zum ersten Mal der nationalen Konkurrenz in der internationalen Juniorenklasse (U 19).

Dabei empfahl sich erneut der 12-jährige Jeremy Balazs (Union Traiskirchen) als vielversprechendes Nachwuchstalent. Der junge Katzelsdorfer (Bez. Wr. Neustadt), der täglich zum Training ins LLZT St. Pölten pendelt, erreichte die Top 10 und überraschte mit dem Einzug ins Finale, in welchem er den sensationellen wie unglücklichen vierten Platz mit 12,40 Punkten in der Juniorenklasse belegte. Nur 0,05 Punkte trennten ihn von Bronze!

„In diesem so besonderen Jahr bedurfte es aber einer außerordentlichen Kraftanstrengung, um sich auf dieses nationale Spitzenevent vorzubereiten, denn in NÖ hatte heuer niemand, mit Ausnahme vielleicht der Elite-Nationalkadermitglieder, konkurrenzfähige Trainingsbedingungen und durchgängigen Hallenzugang“

Auch der 11-jährige St. Pöltner Union-Athlet Lukas Vorstandlechner turnte seine Küren stabil, wenn sich auch ein paar Ausführungsfehler einschlichen. „Als Rookie darf sein zwölfter Gesamtrang jedoch durchaus auch der Nervosität zugeschrieben werden, denn in diesem Alter misst man sich üblicherweise nicht mit bis zu 18-Jährigen“, sagt Weinberger.

Das NÖ Juniorenteam komplettierten die beiden aktuell ältesten Turner der Union St. Pölten, Bruno Baccolini (16) und Martin Wolf (14). Die beiden befinden sich nach dem BORGL/SLZ-Eintritt aktuell mit LLZT-Cheftrainer Guido Zelaya in einer längerfristig angelegten Übergangsphase zu einer Serie von neuen Kürelementen, sodass sie letztlich beschlossen, aufs Ganze zu gehen und teils noch nicht wettkampfreife, frisch erlernte Elemente in ihre Küren zu integrieren. „So war erwartbar, dass einzelne Geräte nicht durchgingen, leider auch jene, an denen beide ihre Stärken hätten ausspielen sollen“, erzählt Weinberger. Sie beendeten ihren Wettkampf mit Rang 14 (Wolf) und 16 (Baccolini). Ein Finaleinzug wäre insbesondere bei Wolf am Boden und am Sprung denkbar gewesen, allerdings verhinderten Stürze (u. a. Doppelsalto am Boden), vergessene Kürteile (Abzug 4,0 Punkte) und noch nicht vollständig austrainierte neue Elemente (Ausführungsfehler) ein besseres Gesamtergebnis.

„Das Ergebnis ist insbesondere für die beiden Älteren nur ein Zwischenstand und nicht aussagekräftig“, ergänzt LLZT-Chefcoach Guido Zelaya. „Wir haben de facto nicht mit diesem Wettkampf mehr gerechnet und zielen seit September in der Übungsvorbereitung bereits voll auf die kommende Saison ab“ Trotzdem sieht er in diesem Wettkampf einen wertvollen und überaus wichtigen Motivationsschub für das gesamte Team, das gemeinsam mit dem einzigen Senior aus Gänserndorf Rang 5 belegte.

SLZ/BORGL-Athletin Marie Wolf (16) von der Union St. Pölten präsentierte sich erstmals in ihrer Karriere in der Staatsmeisterklasse Elite. Und die frisch gebackene Turnerin der international höchsten Klasse stellte sich einer gefühlt übermächtigen Konkurrenz. „Dass sie keine durchgängig offene Trainingshalle vorfand, traf Marie besonders hart“, erzählt Weinberger.

Marie schrammt beim Sprung am Finale vorbei

Die Nerven lagen blank und dementsprechend niedrig war Maries eigene Erwartung. Dennoch konnte die Tullnerbacherin speziell am Sprung mit einem Tsukahara und Yurtchenko über sich hinauswachsen und ein weiteres Top-10-Ergebnis erzielen. Der erste Sprung reüssierte sogar punktegleich — sowohl vom Schwierigkeitswert als auch in puncto Ausführung — mit jenem von Olympiateilnehmerin Hämmerle.

„Leider folgte beim zweiten Sprung ein Sturz, sodass der final-relevante Durchschnittswert der beiden Sprünge hinter wesentlich einfacheren Sprüngen der Konkurrenz landete“, erzählt Weinberger. Zusätzlich wurde die internationale Regel, nur zwei desselben Landesverbands ins Finale zu entsenden, diesmal nicht angewandt. Das Motto „Hätti (einfacher und sicher geturnt), wari (im Finale)“, lässt LLZT-Trainerin Sissy Lehota aber ohnehin nicht zu. „Natürlich wäre es schön gewesen, so zu einer Medaille zu kommen, aber Marie ist noch jung und sie will ja auch ihre Punktwerte erhöhen, da sind höherwertige Elemente Voraussetzung und wir haben gepokert, und wussten auch, dass der zweite Sprung noch nicht stabil gelingt.“

Beim nächsten Mal verstärken hoffentlich zumindest zwei weitere Turnerinnen den Stall des LLZT. ÖFT-Kaderathletin Selina Kickinger (19) von der Union Böheimkirchen, die von Agnes Hodi betreut wird, war mit Matura-Vorbereitungen beschäftigt und hatte heuer auch mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, weshalb sie sich bereits auf die nächste Saison konzentriert (die NÖN berichtete), und BORGL/SLZ-Einsteigerin Panauer (15), die bei den Juniorinnen startberechtigt gewesen wäre, hatte sich kurz vor der Abreise am Knöchel verletzt.