Erstellt am 10. Juli 2018, 01:36

von Claus Stumpfer

U-18 EM: Lena Presslers historisches Bronze. Lena Pressler von der Union St. Pölten läuft mit österreichischem Rekord in Györ aufs Podest. Auch Klubkollege Daiyehan Nichols-Bardi sprintet vorn mit.

Der Fokus liegt zwar immer auf der nächsten Hürde, doch nun darf Pressler weiterdenken: Es warten ein Staffelstart bei der U-20-WM sowie die Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires.  |  NOEN, ÖLV, Coen Schilderman

Letzte Woche kämpften bei den U-18-Europameisterschaften im ungarischen Györ 1200 Athleten aus 50 Ländern um Medaillen, Titel und Rekorde. Im 32-köpfigen Rekordaufgebot des österreichischen Leichtathletikverbands befanden sich mit Lena Pressler und Daiyehan Nichols-Bardi auch zwei Athletinnen der Union St. Pölten. Und Pressler sorgte dabei mit der ersten St. Pöltner Medaille bei einer U-18-Europameisterschaft für einen historischen Erfolg!

Unbeirrbar auf dem Weg zur neuen Fabelzeit

Die St. Veiterin durfte aufgrund ihrer Vorleistung von 60,32 Sekunden über 400 Meter Hürden als Neunte der Setzliste mit dem Einzug in das große Finale spekulieren. Und mit dem Wissen um ihre Stärke ging Pressler zuversichtlich in ihren Vorlauf, holte sich in 60,72 Sekunden vor der Deutschen Gisele Wender den Laufsieg.

„Bei der achten Hürde bin ich etwas hängen geblieben, aber sonst war es ein sehr guter Lauf. Am Ende wusste ich, dass es fürs Semifinale reicht und musste nicht mehr alles geben. Für morgen habe ich sicher noch Reserven“, hatte Pressler bereits kurz nach dem Vorlauf das Semifinale am nächsten Tag im Fokus.

Dort musste die 17-Jährige in einem stark besetzten Lauf unter die ersten Drei kommen, um ihr großes Ziel „Finalqualifikation“ zu erreichen. Die SLZ-Schülerin lieferte ein fast perfektes Rennen ab und schnappte sich auf der Zielgerade mit 60,20 Sekunden sogar den Laufsieg und den damit verbundenen Aufstieg ins Finale der besten Acht. Außerdem bedeutete diese Zeit eine Verbesserung ihres eigenen U-18-Rekordes und die Qualifikation für die Olympischen Jugendspiele im Oktober in Buenos Aires. „Als eine von nur sieben Europäerinnen über 400-Meter-Hürden Österreich in Buenos Aires vertreten zu dürfen, gibt nochmals Extramotivation fürs Finale“, meinte Pressler.

Krönung im FInale

Im Finale folgte dann die Krönung mit einem fantastischen Lauf, in dem Pressler bis zur Ziellinie sogar um die Goldmedaille mitkämpfen konnte. Am Ende wurde es eine historische Bronzemedaille über 400 Meter Hürden, hinter der Deutschen Gisele Wender und der Italienerin Emma Silvestri.

Mit unglaublichen 59,11 Sekunden verbesserte Pressler ihren Ö-Rekord noch einmal um mehr als eine Sekunde und blieb als erste Österreicherin unter 60 Sekunden. „Ich habe im Rennen nicht mitbekommen wo ich genau liege, und meine Füße waren schon so schwer. Auf den letzten 100 Metern habe ich nochmals alles rausgeholt und Gott sei Dank die Medaille gewonnen“, freute sich die glückliche Bronzemedaillen-Gewinnerin direkt nach dem Rennen in der Mixed-Zone über ihren großen Erfolg.

Pressler wird auch von 10. bis 15. Juli im finnischen Tampere an den 17. Junioren-Weltmeisterschaften (U 20) teilnehmen. Sie wird voraussichtlich in der 4x100-m-Staffel der Frauen laufen. ÖLV-Staffeltrainer Philipp Unfried hält einen Finaleinzug für möglich: „Bei Staffeln kann immer viel passieren, und unsere Mädchen haben sich über die Saison toll entwickelt“, traut der St. Pöltner den Mädels trotz ihrer Jugend einen neuen österreichischen Junioren-Rekord zu.

Nichols-Bardi schrammt am Finale vorbei

Den Beginn bei der EM aus St. Pöltner Sicht hatte am Donnerstag Sprinter Daiyehan Nichols-Bardi gemacht. In seinem Vorlauf am Vormittag über 100 Meter lag der österreichische U-18-Rekordhalter im sechsten Vorlauf immer mit seinen Konkurrenten aus Polen und Ungarn auf Tuchfühlung und belegte in guten 10,98 Sekunden den dritten Rang. Damit konnte sich Nichols-Bardi direkt für das Semifinale am Donnerstagabend qualifizieren.

„Den Start habe ich gut erwischt, und dann habe ich versucht, locker zu bleiben und nicht zu verkrampfen“, gab der 17-Jährige nach dem Rennen zu, doch nervös gewesen zu sein. Im Semifinale gab es dann die kuriose Situation, dass nach einem Fehlstart fast das gesamte Feld, so auch Nichols-Bardi, den Rückschuss des Starters nicht gehört hatte und die gesamten 100 Meter durchsprintete. So kam es nur 15 Minuten später zu einer Wiederholung des Laufs, bei dem der St. Pöltner in beachtlichen 11,05 Sekunden den fünften Rang belegte, damit den Einzug ins 100-Meter-Finale aber knapp verpasste. „Nach dem Fehlstart und der kurzen Pause war es dann leider für alle schwierig, erneut Spannung aufzubauen. Ich bin dennoch mit meinen ersten EM-Auftritten sehr zufrieden“, bilanzierte Nichols-Bardi erfreut über den tollen 14. Endrang.