Union St. Pölten: Knalleffekt zum Saisonabschluss . St. Pöltner Union-Frauenstaffel bricht österreichischen Uraltrekord über 4x100 Meter bei den Staatsmeisterschaften.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 19. August 2020 (02:00)
Neue 4x100-Meter Rekordstaffel der Union St. Pölten. Schlussläuferin Lena Pressler, Ivi Dadic, Leni Lindner und Beate Schrott (v. l.).
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Zum Abschluss der Leichtathletik-Meisterschaften in der Südstadt sorgten ausgerechnet St. Pöltens Sprinterinnen im Staffelbewerb noch für ein für viele nicht für möglich gehaltenes Rekord-Highlight! Die Union-Frauen in der Traumbesetzung Ivona Dadic, Leni Lindner, Beate Schrott und Lena Pressler verbesserte in 45,67 Sekunden den 41 Jahre alten österreichischen Vereinsrekord über 4x100 Meter der Frauen, den seit 1979 die TS Bregenz gehalten hatte (45,88). „Eine echt tolle Leistung“, freute sich auch Obmann Gottfried Lammerhuber mit seinen Mädels. Er war einer der wenigen gewesen, die an den Rekord schon im Vorfeld geglaubt hatten. „Wer weiß, wann wir alle unsere Topathletinnen wieder mal in einer Staffel zusammenbekommen, heute muss der Rekord fallen“, betätigte er sich als richtiger Prophet.

Weniger überraschend war, dass Dadic zum Star der Titelkämpfe avancierte. Mit vier Medaillen war sie erfolgreichste Teilnehmerin, denn neben der Staffel, in der Lena Pressler, die zuvor schon die 400 Meter Hürden gewonnen hatte, tolle Schlussläuferin war, hatte sie auch noch den Weitsprung mit 6,09 Meter gewonnen. Zudem gab es für sie Silber über 200 Meter (23,90 Sekunden) und im Kugelstoßen (14,28 Meter). „Dabei war der Start in die Titelkämpfe mit dem zweiten Platz über 200 Meter für sie noch eine Enttäuschung. „Beim Start sind ihre Startblöcke verrutscht, weshalb sie mit dem falschen Fuß weglaufen musste“, lobte Trainer Philipp Unfried aber zumindest ihr Finish. „Dank diesem wurde es dann doch noch Silber!“

Dadic selbst war generell mit dem Wettkampftag trotz der tollen Medaillenausbeute nicht ganz zufrieden. „Ich habe im Weitsprung zwar den Anlauf heute ganz gut hinbekommen, bin aber dann vom Brett nicht richtig weggekommen und daher hat auch die Höhe und die Weite etwas gefehlt. Im 200-m-Lauf waren die ersten 50 Meter nicht gut, erst aus der Kurve habe ich dann noch mal Gas geben können. Mit der Zeit bin ich so ganz zufrieden, obwohl ich mich generell dieses Wochenende nicht optimal gefühlt habe.“

Sechs Titel für die St. Pöltner Union-Athleten

Erstmals in der Geschichte des ÖLV fanden Staatsmeisterschaften der Allgemeinen Klasse im Bundessportzentrum Südstadt statt. Und diese historischen Titelkämpfe wurden für die St. Pöltner Athletinnen und Athleten zu äußerst erfolgreichen. Am Ende standen sogar sechs Staatsmeistertitel zu buche. „Eine der besten Ausbeuten der Geschichte“, weiß Lammerhuber.

Neben Dadic und Pressler holte sich auch Union-Urgestein Beate Schrott Doppelgold. Die Maria Anzbacherin konnte ihre tolle Form bereits im Vorlauf über 100-m-Hürden mit der Saisonbestleistung von 13,06 Sekunden unter Beweis stellen. Im Finale kam es zu einer Störung der Startvorrichtung und Schrott lief erst zwei bis drei Meter nach ihren Konkurrentinnen aus dem Startblock. Nach einer furiosen Aufholjagd reichte es zwar noch zum Titelgewinn, die erwartete Zeit unter 13 Sekunden war jedoch unmöglich zu erreichen.

„Ich habe in der Fertig-Position ein Klicken gehört, und wir reagieren halt aufs erste Geräusch, dass wir hören. Die Verena (Preiner, Anm. d. Red.) hat dann darauf reagiert, obwohl noch kein Schuss da war, da habe ich mich dann nicht mehr ausgekannt. Ich bin erst aus den Blöcken, als die anderen schon ein paar Meter weg waren“, ärgerte sich Schrott nach dem Gold-Rennen.

Die Schlussläuferin der Sprintstaffel, Lena Pressler, durfte sich mit ihrem Favoritensieg über 400-m-Hürden ebenfalls über ihre zweite Goldmedaille an diesem Wochenende und die Titelverteidigung freuen. In der Zeit von 59,71 Sekunden blieb die für Union St. Pölten laufende St. Veiterin erstmals heuer unter der Minutenmarke. „Ich habe meinen Schritt heute sehr gut halten können, nur bei der neunten Hürde etwas gezappelt. Ansonsten ist der Lauf so aufgegangen wie geplant, ich freue mich sehr“, meinte die 19-Jährige nach dem Rennen zufrieden.

Hodi reichen zwei Sprünge zu Gold

Für die letzten zwei Goldmedaillen bei diesen Staatsmeisterschaften aus St. Pöltner Sicht sorgten Stabhochspringerin Agnes Hodi und 800-Meter-Läuferin Carina Schrempf. Hodi ging als Jahresbeste und klare Favoritin in den Wettkampf und benötigte nur zwei erfolgreiche Sprünge, um mit 3,80 Metern ihren vierten Staatsmeistertitel zu holen. Schrempf hatte nach erfolgreichem Saisonbeginn in den letzten sechs Wochen kaum trainiert, da eine Achillessehnenverletzung wieder akut geworden war. „Ich konnte aber all meine Routine in die Waagschale werfen und mir mit einem starken Schlussspurt die Konkurrenz vom Leibe halten“, meinte sie zufrieden.

Für eine Silbermedaille sorgte Sprinterin Magdalena Lindner über 100 Meter. Die aktuell schnellste St. Pöltnerin verbesserte schon im Vorlauf ihren Hausrekord auf 11,62 Sekunden und musste sich im Finale als Zweite nur knapp der überragenden österreichischen Sprinterin der letzten Jahre, Alexandra Toth, geschlagen geben. Über 200 Meter sprintete Lindner auf den undankbaren vierten Rang.

Einen Spitzenplatz gab es auch für U-20-Athlet Daiyehan Nichols-Bardi. Der Schützling von Trainer Daniel Stehlik sprintete in einem hochklassigen Männerfinale über 100 Meter in neuer Bestleistung von 10,62 Sekunden ebenfalls auf den vierten Rang.

Ebenso auf dem tollen vierten Rang landete Michaela Burda mit starken 5,59 Metern im Weitsprung. Im Hammerwurf landeten Fatima Jeratil bei den Frauen und U-18-Athlet Kilian Moser bei den Herren jeweils auf dem fünften Platz. Vorjahresmeisterin und Duathlon-Spezialistin Sandrina Illes musste sich über 5000 Meter heuer aber mit dem fünften Rang begnügen.