Tränen beim letzten Heimrennen. St. Pöltnerin zeigt bei ihrer Abschiedstour nochmals ihre Klasse. Staraufgebot im Sportzentrum NÖ zieht alle in Bann.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 09. Juni 2021 (01:37)
Claus Stumpfer

Im Sportzentrum NÖ in St. Pölten standen am Fronleichnamstag internationale Superstars am Start des traditionellen Liese-Prokop-Memorials und lieferten tolle Leistungen ab. Doch eine stahl allen die Show: Lokalmatadorin Beate Schrott nahm Abschied von ihrem Heimpublikum!

Und auch wenn Covid-19 nur sehr eingeschränkt Fans vor Ort zuließ, geriet Schrotts Abschied einerseits höchst emotional, andererseits aber auch mit einer sportlich hervorragenden Performance der 33-jährigen Grande Dame der heimischen Leichtathletik, die heuer noch einmal das Olympialimit (12,84 Sekunden) anstrebt. Ihre Zeiten bei den beiden Läufen im 100-m-Hürdensprint in St. Pölten lassen hoffen, dass Schrott es tatsächlich schaffen könnte.

Tapper macht das Tempo

Schon im Vorlauf konnte die jamaikanische Top-Favoritin Megan Tapper mit 12,99 Sekunden (bei 1,1 m/s Rückenwind) die 13-Sekunden-Schallmauer unterbieten. Im selben Lauf stellte Beate Schrott (Union St. Pölten) in 13,14 Sekunden neue Saisonbestleistung auf. Im Finale steigerte sich Tapper, die im WM-Finale von Doha stand, noch auf 12,87 (0,6).

Im Sog der Athletin von St. Pöltens Startrainer Philipp Unfried, mit dem auch Schrott einst ihren größten Triumph mit dem Finaleinzug bei den Olympischen Spielen 2012 in London feiern konnte, zeigte sich die Lokalmatadorin noch einmal verbessert und drückte ihre Saisonbestleistung auf sehr starke 13,05. „Am Lauf im Finale gibt es nichts auszusetzen, den habe ich gut erwischt“, meinte Schrott.

Ivi Dadic steigt in Saison ein

Auch das Mehrkampf-Ass der Union St. Pölten ließ sich ihr Heimturnier nicht entgehen. Sie stieg mit dem Kugelstoßen in die Olympia-Saison ein. Die gebürtige Linzerin war mit ihrem Wettkampf noch nicht ganz zufrieden, da sie mit 13,34 Metern an ihre Bestleistung, die sie im Vorjahr in St. Pölten aufgestellt hatte, klar nicht herankam. „Es war ein Einstieg in die Wettkampfsaison, mehr nicht“, hofft sie aber, in den folgenden Wettkämpfen ihre Form zu steigern.

Beste Österreicherin wurde beim Kugelstoßen Christina Scheffauer (IAC), die als Vierte 13,79 Meter erzielte. Knapp dahinter auf Rang Fünf landete Siebenkämpferin Sarah Lagger (TGW Zehnkampf Union, 13,75). Der Sieg ging an die überragende Jessica da Silva Inchude aus Guinnea-Bissau. Ein Zentimeter fehlte auf die von ihr angestrebten 17 Meter.

Weißhaidinger zieht Show ab

Neben Schrott war es aus österreichischer Sicht vor allem Diskus-Topstar Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ LA), der eine absolute Weltklasseleistung bot und sich eindringlich in die Liste der Olympiafavoriten eingetragen hat. Weißhaidinger hatte zwar nur zwei gültige Versuche, allerdings waren seine 67,34 Meter gleich beim ersten Versuch, sogar für ihn selbst ein kleiner Schock. Der letzte Versuch wurde mit 69,43 gemessen, war aber hauchdünn übertreten.

Sprinterinnen ganz stark

Bei den Frauen über die 100 Meter war die Favoritin eine Klasse für sich. Die Weißrussin Krystsina Tsimanouskaya siegte bei nahezu perfekten 1,5 m/s Rückenwind in 11,22 Sekunden. Dahinter lieferten sich die beiden derzeit schnellsten Österreicherinnen, Ina Huemer (SU IGLA longlife) und Magdalena Lindner (Union St. pölten) ein packendes Duell. Die interne Konkurrenz im „Unfried-Stall“ treibt beide zu Höchstleistungen.

Am Donnerstag hatte wieder einmal Huemer die Nase vorn, als Zweite verbesserte sie ihre bisherige Bestleistung von 11,66 gleich um 25 Hundertstel auf nunmehr 11,41, was auch neuen OÖLV-Rekord bedeutet. Nur knapp dahinter landete ihre Kremser Trainingskollegin Lindner, die sich von 11,52 auf 11,45 steigerte.

Lindner konnte mit ihrer Zeit gut Leben, auch wenn den U-23-Rekord noch immer nicht geknackt hat. „Jetzt fehlt aber nur mehr eine Hundertstel“, will sie das bald nachholen. Von den St. Pöltnerinnen war im Vorlauf Isabella Edlinger so schnell wie noch nie. Ihre 12,16 hätten sogar fürs große Finale gereicht. Doch ein Fehltritt zwei Meter vor dem Ziel führten zu Schmerzen im Oberschenkel, die danach im Krankenhaus abgeklärt werden mussten. „Wahrscheinlich eine Zerrung“, vermutet Trainerin Viola Kleiser.

Fehlstart kostet Sieg

 Im 100-m-Sprint der Männer war der Ex-Weltmeister über 200 Meter, Ramil Guliyev, zwar in beiden Läufen klar überlegen, allerdings durfte er den Finallauf nur außer Konkurrenz bestreiten, da er zuerst einen Frühstart hingelegt hatte und disqualifiziert werden musste. Schon im Vorlauf war Guliyev 10,25 (0,5 m/s Rückenwind) gelaufen, im Finale waren es dann 10,23.

„Die 100 Meter laufe ich, um Tempohärte für die 200 Meter zu bekommen“, erklärte er. Den Tagessieg erbte Zdenek Stromsik, der sich mit 10,32 (0,1) vor Markus Fuchs (ULC Mödling, 10,48) durchsetzen konnte.

Lokalmatador Daiyehan Nichols-Bardi lief die 100 Meter im Vorlauf in 10,91 Sekunden und steigerte sich im kleinen Finale auf die Saisonbestleistung von 10,74 (bislang 10,81). „Das war heute gar nicht schlecht, aber aufs U-23-EM-Limit fehlen noch immer 25 Hundertstel!“

„Rastaman“ verpasst Rekord

Der Sieg im Hochsprung ging an Favorit und Publikumsliebling Jamal Wilson, der sich am Ende an der Meeting-Rekord-Höhe von 2,28 Meter versuchte, nachdem er zweimal knapp an 2,25 gescheitert war. Letztlich musste er sich aber mit übersprungenen 2,21 Metern begnügen.

Bis dahin hatte der Topstar, der eine Bestmarke von 2,35 stehen hat, alle Höhen mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit gemeistert. Mit den Bedingungen war Wilson zufrieden. „Der Wind war kein Problem, aber mir geht das Publikum bei den Events sehr ab“, klatschte er daher selbst auch bei den Sprüngen der Konkurrenten nach Kräften.

Pressler läuft U-23-EM-Limit

 Das Prokop-Memorial hatte mit dem 400-m-Hürdenlauf begonnen, der von Lammerhuber für Lokalmatadorin Lena Pressler zugeschnitten wurde. Und die Tochter von Union-St.-Pölten-Hauptsponsor Oliver Presser (Transfer Personalmanagement) dankte es mit einer Glanzzeit. Auf der Zielgeraden kam die St. Veiterin sogar nochmals an Topfavoritin und Siegerin Mariya Mykolenko (Ukraine, 57,92 Sekunden) heran und stellte mit 58,64 eine neue persönliche Bestleistung auf. Damit blieb sie klar unter dem geforderten Limit für die U-23-EM (60,75).

„Endlich habe ich alle zehn Hürden perfekt erwischt, den Rhythmus durchhalten können“, meinte sie. Zuletzt sei sie fast schon verzweifelt, weil es auf den letzten beiden Hürden nie klappen wollte. „Ich hatte immer wieder Probleme, und es war jetzt schon wirklich Zeit für eine neue persönliche Bestzeit, weil die letzten eineinhalb Jahre ging einfach nichts weiter!“