Benjamin Karl: „Ziele gehen nicht aus“. Nach dem Heimklassiker in Bad Gastein haben wir mit Benni Karl die erste Saisonhälfte im Weltcup analysiert. Der Gesamtsieg bleibt Hauptziel, aber WM-Titel wäre schön.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 27. Januar 2021 (01:42)
Der Wilhelmsburger Benni Karl musste beim Heimweltcup-Rennen in Bad Gastein mit Rang 13 vorliebnehmen. Trotzdem bleibt er für die zweite Saisonhälfte zuversichtlich.
ÖSV

NÖN: Worauf führen Sie aber zurück, dass die Oldies im ÖSV-Team weiter das Sagen haben? An Ihnen, Promegger und bei den Damen Riegler führt nach wie vor für die Youngsters kein Weg vorbei!
Benni Karl:
Es müssten sich mehr Leute für den Snowboardsport einsetzen, dann wäre die Dichte an Talenten größer! Russland zum Beispiel macht das sehr gut und hat nun einen 19-jährigen Doppel-Weltmeister, eine 17-jährige Seriensiegerin, wie es derzeit aussieht, und einen 21-jährigen Weltcupsieger! Daran sieht man, dass schon was machbar ist, wenn die Jugendarbeit stimmt. Gäbe es mehr Erik Wölls und Bernd Wiesers stünden wir anders da! Aber das Problem haben ja nicht nur wir Boarder, sondern in schleichender Form sieht man das auch im alpinen Skisport!

Ihnen wurde in Bad Gastein von Teamkollege Andi Promegger um einen Punkt das Gelbe Trikot entrissen. Fällt die Zwischenbilanz dieser Saison trotzdem positiv aus?
Der Saisonstart war genial, alles hat zusammengepasst! Perfektes Training, gute Stimmung und ein Benji in Höchstform! Danach: Schuhbruch, dreimal beim Zahnarzt und eine Wurzelbehandlung, die schief gelaufen ist. Zusätzlich hab ich mir durch das viele Schneeschaufeln in Lienz — bis zu sechs Stunden am Tag — den Rücken beleidigt und überbelastet, was zu muskulären Schmerzen führte. Dazu kam noch ein Training bei schwierigen Schneeverhältnissen, das mir nicht geholfen hat, wieder die richtige Einstellung am neuen Schuh zu finden. Und es gab ein einziges Slalomtraining, das bei sehr schlechten Verhältnissen stattgefunden hat. Alles in allem habe ich daher schon vor Scoul und Gastein gewusst, dass dies Rennen werden, bei denen ich wahrscheinlich nicht ganz vorne mitmischen kann. Im Laufe der zwei Weltcupbewerbe hat sich aber meine Einstellung, mein Selbstvertrauen und meine Form wieder gut gesteigert und ich bin nun zuversichtlich, dass die kommenden Rennen sehr gut verlaufen werden.

Ziel ist ganz klar der Gesamtweltcup!

Welche Ziele priorisieren Sie jetzt im zweiten Saisonabschnitt?
Ziel ist ganz klar der Gesamtweltcup! Falls es eine WM geben wird, werde ich mich aber auch auf diese speziell vorbereiten. Ein weiterer WM-Titel würde mir sehr viel bedeuten. Ziele gehen mir nicht aus!

Wenn Sie Ihre Stärken und Schwächen im Slalom und Riesentorlauf vielleicht ein bisschen für die Leser erklären könnten …
Ohne überheblich zu seine, aber im Riesentorlauf gibt es keine Schwächen! Vielleicht wenn der Kurs sehr, sehr rund gesteckt ist, dann fallen meine Chancen etwas, sonst kann kommen, was wolle! Und im Slalom geht es mir fast gleich, wenn ich genug gute Schneetage zusammenbekomme. Leider wird der Slalom seit Jahren auch im Training stark vernachlässigt, da sich alles auf die Olympische Disziplin konzentriert und auch mehr Riesentorläufe im Weltcup gefahren werden. Ich fahre aber gerne Slalom und mit gutem Training traue ich mir auch einen Slalomsieg zu!

Ohne überheblich zu seine, aber im Riesentorlauf gibt es keine Schwächen!

Sie haben in ihrem Domizil in Lienz praktisch zeitgleich mit dem ersten Corona-Lockdown ein Fitness-Studio eröffnet. Es gibt sicher kaum einen ungünstigeren Zeitpunkt. Haben Sie im Weltcupstress Zeit fürs Business?
Mein Gym ist nur ein Hobby, mein wirkliches Business ist die Online-Trainingsplattform www.athletic-heroes.com/online-workouts. Da kann sich jeder anmelden und bekommt ein ständig erweitertes Angebot an Workouts. Ich bin der persönliche Trainer für alle, mache am Bildschirm mit, motiviere und feuere an. Dazu gibt’s Tipps und Ratschläge, um die Teilnehmer individuell stärker und besser zu machen. Es sind aber keine Live-Workouts wegen den Weltcupstarts möglich, sondern alles wird vorab aufgenommen und auf der Plattform bereit gestellt. Darüber hinaus gibt es Wissen von Experten in Talks wie Dr. Schroth oder Sportwissenschafter Stefan Schwaiger, die ihr enormes Wissen über den Körper, die Ernährung, das Training und alles was noch wichtig ist, verraten. Lauter Dinge, die für die Teilnehmer mit Sicherheit neu sind, weil das Tipps aus dem Profigeschäft sind!