„Aroo“: St. Pölten im Spartan-Fieber. 7.500 Läufer sorgen für Ausnahmezustand in Völtendorf. Italiener Bianchi besiegt die Spartan-Legende Franzke.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 14. Mai 2019 (01:33)
Claus Stumpfer
Spartan Race Samstag

Früher hießen solche Bewerbe Hindernislauf und gerieten zunehmend aus der Mode. Der US-Amerikaner Joe De Sena hat dann im Zuge des Fun- und Trendsport-Booms 2010 in Williston (Vermont) mit 500 Teilnehmern das erste Spartan-Race veranstaltet und damit einen neuen Hit kreiert.

Die über eine Million Starter im Jahr weltweit schreien jetzt „Aroo, Aroo, Aroo“, dem angeblichen Schlachtruf der kriegerischen Spartaner, wenn sie sich bei den professionell aufgezogenen 170 internationalen Spartan-Bewerben in 25 Ländern über die künstlichen Hindernisse quälen. Und sie haben Spaß dabei. Zu erleben war dies am Wochenende erstmals auch in St. Pölten.

„Die Traisen führte Hochwasser. Es wäre zu riskant gewesen, sie zu durchqueren. Diesen Plan mussten wir aufgeben.“ Organisator Helge Lorenz

Österreichs spektakulärster Hindernislauf ging am Freitag und Samstag am Truppenübungsplatz Völtendorf über die Bühne. Über 15.000 Beine liefen, sprangen, schwammen und feierten ein riesen Spektakel bei bestem Wetter. Einzig die Traisen konnte nicht wie geplant durchquert werden, sie führte doch zu viel Wasser. „Es wäre zu riskant gewesen, wir mussten den Plan aufgeben“, erklärte Organisator Helge Lorenz. Somit fehlte dem Event sein spektakulärstes Naturhindernisse. Auch die Laufstrecke wurde dadurch deutlich einfacher.

Bereits am Freitag starteten die 12-Stunden-Ausdauerläufer, die sich ab 20 Uhr durch die Wälder und das weitläufige Gelände schlugen, angeführt von einem Guide. Auch sie mussten Eskaladierwände überqueren, an Tauen hochklettern und unter Stacheldraht hindurch kriechen. Aber als Zusatzaufgaben mussten sie sich auch Ziffernkombinationen und anderes merken, was abgeprüft wurde. Am Ende galt es dann einen Schatz im Wassergraben zu bergen.

Die tausenden Zuseher entlang der Strecke kamen erstmals beim Night-Sprint am Freitagabend (21 Uhr) auf ihre Kosten. Unter dem Eindruck einer spektakulären Lichtshow bei den letzten Hindernisse vor dem Ziel, zeigten die Amateure großes Kämpferherz und sensationellen Sport.

Am Samstag eröffnete dann um neun Uhr früh die Elite den Hauptbewerb bei dem 32 Hindernisse auf die Spartaner warteten. Insgesamt wurden mehr als 6.000 Läufer in Wellen mit 15 Minuten Abstand bis am späten Nachmittag auf die „Gatschpiste“ gelassen.

Bei den Profis kam es zum erwarteten „Duell der Giganten“. Bis zum Speerwurf lagen der Italiener Eugenio Bianchi und die Deutsche Spartan-Legende Charles Franzke eng beisammen. Dabei hatte der Italiener schon vor dem Start bemängelt, dass für seinen Geschmack die Laufpassagen etwas zu flach seien. „Ich mag es, wenn es steilere Anstiege gibt“, musste er sich daher auf seine Stärke bei den Obstacles (Hindernissen) verlassen.

„Duell der Giganten“

Tatsächlich kam Franzke als knapp Führender aus dem Wald, doch mit einem fantastischen Zwischensprint ab dem Bender-Hindernis setzte sich Bianchi an die Spitze. Und beim Speerwurf spitzte sich der Bewerb dann richtig zu. Zuerst warf Bianchi daneben, dann auch Franzke. Doch der drittplatzierte Slowake Peter Cerniga traf, und mischte plötzlich im Kampf um den Siegmit.

Doch Bianchi schaffte noch rechtzeitig seine 30 Burpees (Liegestütze) als Strafaufgabe und hatte dann auch bis zur Finishline genügend Kraftreserven, um den Sieg in 1:03:20 Stunden über das Feuer-Hindernis nach Hause zu bringen. Cerniga fing mit der Zeit von 1:04:02 aber den Deutschen Mitfavoriten Franzke (1:04:47) noch ab. Bester Österreicher wurde Michael Sauer auf Rang fünf.

Bei den Damen setzte sich die junge Ungarin Enikő Csernák frühzeitig an die Spitze und gab diese nicht mehr aus der Hand. Selbst 30 Straf-Burpees beim Speerwurf konnten ihren Sieg nicht verhindern. „Ich liebe dieses Rennen! Spartan St. Pölten ist mein neues Lieblingsrennen — ich komme im nächsten Jahr bestimmt wieder“, gab es von ihr eine Liebeserklärung an die neue Strecke.

Um Rang zwei kämpften Ulrikke Evensen (Dänemark) und Martina Fabianova (Tschechien). Beide gingen gemeinsam über die letzten beiden Hindernisse und die Entscheidung erfolgte im Sprint mit dem besseren Ende für die Dänin. Beste Österreicherin wurde Petra Gruber am vierten Platz. Die Siegerehrung nahmen Oberst Michael Lippert vom NÖ Kommando sowie Stadtrat Walter Hobiger und Michi Kainz für die Stadt St. Pölten vor.

Bereits am Freitag starteten über 600 Kinder beim Spartan Kids Race. Der größte Kinderlaufbewerb Niederösterreichs begeisterte die jungen Teilnehmer, die kaum zu bremsen waren.

„Der Wettergott und St. Pölten hat es gut mit uns gemeint“

Eine erfolgreiche Bilanz zog auch Veranstalter Helge Lorenz: „Der Wettergott und St. Pölten hat es gut mit uns gemeint“, plant er bereits für das Spartan Race St. Pölten am 9. und 10. Mai 2020. Die Anmeldung öffnet bereits am Dienstag, den 14. Mai 2019. besonders bedankt er sich bei der Stadt St. Pölten und der Bestzeit-Agentur von Christoph Schwarz. „Die Unterstützung hier ist gewaltig, da gibt es keinen vergleichbaren Ort in Österreich“, bedankt er sich.