Kogler „schindet“ seinen Ford Escort. Mit Uraltechnik hat Gottfried Kogler aus Pyhra die Konkurrenz im Regen Kroatiens stehen gelassen. Sein „Hundeknochen“-Escort, Baujahr 1973, im Kampf mit Topautos von heute.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 07. Oktober 2020 (01:07)
Gottfried Kogler ließ die FIA-Technikkontrollore staunen. Mit Trommelbremsen „pumpt“ er sich ins Ziel der „INA-Dekta“ in Kroatien.
MIG Austria

Nachdem in Österreich Corona-bedingt keine Rallyes stattfinden, müssen die Motorsportler in die angrenzenden Länder ausweichen, um ihre Sponsorverpflichtungen halbwegs erfüllen zu können. So machte auch die Motorsport-Interessen-Gemeinschaft (MIG) Austria aus Pyhra aus der Not eine Tugend.

Bereits beim ersten Start vor rund zwei Monaten trat das gesamte Rennteam in Tschechien an und die beiden Koglers — Vater Gottfried und Sohn Michael — konnten mit den Ford Escorts RS 2000 bereits dort bei einem Regenrennen zeigen, welches Potenzial sowohl in den Oldtimern, als auch in ihren Fahrtalenten steckt. Es gab die Plätze 12 beziehungsweise 13 bei über hundert Startern.

Bei schönster Rallye der Welt mit dabei

Einen weiteren Start in Tschechien vor zwei Wochen musste man aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Nun aber gab es letztes Wochenende die INA-Dekta-Rallye in Kroatien, die das Team bereits im Vorjahr zur schönsten Europas erklärte. „Lange Sonderprüfungen zwischen 20 und 25 Kilometern in extrem kurvenreichen Strecken in den Bergen rund um Zagreb, zeichnen die Rallye aus“, schwärmt Teamchef Gottfried Kogler. Doch die Reisewarnung für Kroatien erleichterte das Antreten nicht, weshalb auch nur er mit Andre Kachel, dem Stammbeifahrer seines Sohnes, die Strapazen auf sich nahm. „Mit Coronatests und nötigen Abstandsregeln, feuerfeste Masken müssen wir Rallyefahrer ohnehin schon seit Jahrzehnten tragen“, scherzt er.

Die Rallye zählte unter anderem zur internationalen Central Rallye Trophy, aber aufgrund der Umstände waren nur 53 Autos am Start, und davon ein Historisches, nämlich das von Kogler — ein Ford Escort RS 2000, Baujahr 1973, in der Szene auch als „Hundeknochen“ bekannt.

Also wurde das Fahrzeug bei den modernen Fahrzeugen der 2000-ccm-Klasse gewertet. Und bereits am Freitagabend zeigte der Pilot aus Pyhra, was im Fahrzeug mit einem begnadeten Fahrer so alles steckt. „Es regnete in Strömen, was für einen ‚Hecktriebler‘ nicht unbedingt ein Vorteil ist“, erzählt Kogler. Doch auf der ersten SP, einem Stadtrundkurs vor zahlreichem Publikum, glänzte das Team Kogler/Kachel bereits mit der 19. Gesamtzeit. Danach ging es noch bis kurz vor Mitternacht in die Berge, wo Kogler weiter vorne mitmischen konnte. Auf den Sonderprüfungen sechs und neun gab es sogar jeweils den zwölften Gesamtrang.

Trommelbremsen sorgen für Aufregung

Dies hielten auch die FIA-Techniker nicht für möglich und kontrollierten am Auto die vorgeschriebene Bremsanlage (Trommelbremse aus dem Jahr 1973). Aber natürlich war alles korrekt und Kogler meinte nur lapidar: „Wer bremst, verliert!“ Nachsatz: „Aber bei den 25 Kilometer langen Sonderprüfungen mit 60 Prozent Bergabanteil musste ich schon ordentlich pumpen und mit der Handbremse unterstützen“, hatte er dabei aber seinen Spaß. „Nur dass ich keine Servolenkung haben darf, schmerzt mich jetzt in den Händen!“

Im Ziel nach 153 SP-Kilometern war er „geschafft, aber überglücklich“ den 17. Gesamtrang mit dem „170-PS-Giganten bei 900-kg-Gewicht“ erreicht zu haben. In der Gruppe wurde man sogar Dritter bei den Modernen. Geamtsieger wurde der Tscheche Bishaha mit einem Hyundai R 5 .