Sportvereine wollen endlich Planbarkeit. Region St. Pölten: Während Profisportler spielen dürfen, ist der Amateursport weitgehend auf Eis gelegt. Die Funktionäre verlieren ihre Geduld.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 24. Februar 2021 (03:03)
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An der Breitensportbasis brodelt’s. Immer lauter werden die Rufe nach Öffnungsschritten. Der Aufschrei der im Sport führenden Funktionäre gegenüber überzogener Maßnahmen hat bislang aber wenig gebracht.

Erik Wöll, Obmann von Trendsport Weichberger, dem größten Snowboardverein Österreichs, beklagt, dass durch den Ausfall der Schulmeisterschaften keine neuen Talente gesichtet werden konnten. Doch zumindest hatten UTW-Mitglieder, die in den Schulen Lilienfeld, Schladming, Stams sowie SMS St. Pölten und Böheimkirchen betreut werden, Glück. Sie konnten ihren Sport ausüben.

Spitzensportstatus haben auch St. Pöltens Footballer. Im April soll die Meisterschaft starten, 60 Mann stehen im Training. Invaders-Obmann Michi Steiner sieht die Mitgliederzahlen daher auch in der Krise positiv. Sorgenkind ist für ihn nur der Nachwuchs. Daher ist nach Ostern ein Try-out geplant, um wieder Jugendliche für Football zu begeistern. Bis dahin wird das Rumpfteam mit Online-Challenges vom Nachwuchsverantwortlichen Wolfgang Luftensteiner bei Laune gehalten. Dessen Wunsch wäre es, die Kids wieder zu Sport zu bewegen — „nach Testungen, die in den Schulen ohnehin durchgeführt werden.“

In dieselbe Kerbe schlägt Harald Hofko, Sektionsleiter der St. Pölten Volleyballer. „Wenn in der Schule der ‚Nasenbohrertest‘ ausreicht, muss er auch im Sport einsetzbar sein!“

Die Bundesliga-Herren der Panthers spielen bereits und bei den U-20-Damen geht’s am Wochenende los. Seit der Vorwoche Woche trainieren die U-16-Mädels und U-18-Burschen für österreichweite Meisterschaften mit Spitzensportkonzept. Hofko weiß aber, dass die Jüngsten benachteiligt sind. „Sie dürfen sich in der Schule nicht bewegen und bei uns auch nicht!“

Positiv: Livestream-Hits und Tennisboom

Da Spiele vor Publikum nicht möglich sind, wurde auf Live-stream-Berichterstattung umgestellt. Beim letzten Panthers-Heimspiel gab es 600 Zugriffe!

„Auf einen positiven Effekt wie letztes Jahr“, hofft Ramin Madaini, Tennisleiter im Sportzentrum NÖ. Da setzte ein Tennisboom ein, weil es der erste Sport war, der im Freien ausgeübt werden durfte. „Tennis wird auch heuer bald wieder gespielt“, ist Madaini überzeugt. „Im vergangenen Jahr konnten wir vor allem Fußballer als Mitglieder neu gewinnen!“

Michael Beilschmied, Sektionsleiter Gewichtheben beim SC Harland Holz Wallner, sieht die älteren Athleten seines Vereins daheim trainieren — „so gut es geht“ — und einige von den Jungen auch, aber die Technik leide sehr, da Trainer nur online coachen dürfen. Außerdem gab es im Vorjahr keinen Heimwettkampf, weshalb bei den Einnahmen ein Loch klaffe. Heuer soll am 10. April der erste Heimwettkampf in Szene gehen. „Doch noch ist Training verboten!“

Die fehlende Perspektive wird bei der Union-Leichtathletik thematisiert. „Die Spitze ist gut versorgt, aber die Breite bleibt auf der Strecke“, sagt Obmann Gottfried Lammerhuber, der seinen Klub benachteiligt sieht. „In anderen Bundesländern wird ohne Einschränkungen trainiert, tummeln sich Nachwuchsgruppen in Hallen“, erzählt er. „Die Ignoranz des Ministeriums, das ohne Plan Sportler zu Spitzensportlern erklärt, lässt das Ungleichgewicht immer größer werden!“

Auch die Bevorzugung von Sportarten, ärgert Lammerhuber. „Warum dürfen am St. Pöltner Eislaufplatz 90 Personen fahren und auf der 10.000-m²- LA-Anlage ist Kleingruppentraining untersagt?“, fragt er.

„Warum dürfen am St. Pöltner Eislaufplatz 90 Personen fahren und auf der 10.000-m²- LA-Anlage ist Kleingruppentraining untersagt?“,

„Die Lücke im Nachwuchs werden wir alle noch viele Jahre spüren“, ist Union-Trainer Daniel Stehlik überzeugt, denn Schulen würden ihre Rolle als Zubringer und Kooperationspartner nicht erfüllen können. „Beim Spazierengehen — und das ist aktuell Sportunterricht — ist Talentesichtung unmöglich!“

Dabei sieht Lammerhuber speziell in der Leichtathletik Präventivmaßnahmen gut umsetzbar, um Training für alle zu ermöglichen. „Wir sind gewillt zu testen, ein Trainingsanmeldesystem steht bereit, selbst eine Videoaufzeichnung der Trainingseinheiten wäre denkbar.“

Und Erik Wöll ergänzt: „Sport sollte ein Teil der Lösung in der Gesundheitskrise sein, aber er wird nur blockiert!“