Schrott bleibt das Olympiaticket verwehrt. Hürdensprinterin wird vom undurchsichtigen Qualimodus benachteiligt. Drei Plätze fehlen in der Weltrangliste am Weg nach Tokio.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 07. Juli 2021 (01:27)
Beate Schrott war beim Liese-Prokop-Memorial einen Schritt hinter Megan Tapper. Der jamaikanische Unfried-Schützling ist in Tokio dabei.
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Wegen der Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr hat auch Beate Schrott ihre Karriere noch um ein Jahr verlängert. Aber alle ihre Bemühungen, sich heuer für Tokio zu qualifizieren, sind an einem doch einigermaßen undurchsichtigen Qualifikationsmodus gescheitert. Für Schrott endet die letzte Saison ihrer großen Karriere nun leider nicht mit der dritten Teilnahme an Olympischen Spielen nach London 2012 (Finaleinzug) und Rio 2016.

An ihren Leistungen in den letzten Wochen über ihre Spezialdisziplin, die 100-m-Hürden bei den Staatsmeisterschaften, sowie den Balkan-Meisterschaften in Serbien und auch dem Topmeeting in Luzern, gab es aber kaum etwas auszusetzen. Dennoch reichte es am Ende für die Athletin der Union St. Pölten knapp nicht. Die Enttäuschung bei ihr ist entsprechend groß.

Neuer Qualimodus ist nicht ganz transparent

Zum ersten Mal kam für Tokio das neue Qualifikationssystem von World Athletics (WA) zur Anwendung. Da statt 2.268 Plätzen (Rio 2016) für die Leichtathletik in Tokio nur mehr 1.900 Plätze zur Verfügung stehen, reduzieren sich die Starterfelder in den einzelnen Disziplinen ebenso. Die Limits zur direkten Qualifikation wurden daher extrem verschärft, je Bewerb wurde zusätzlich eine maximale Anzahl von Athleten festgelegt, auf die über ein neu geschaffenes World-Ranking aufgefüllt wurde.

Schrott landete mit ihren starken 13,04 Sekunden in der bereinigten Weltrangliste auf dem 45. Rang, nur 40 Athletinnen weltweit sind aber in Tokio startberechtigt. Würde der Weltverband noch die Limits von 2012 anwenden, dann hätten sechs weitere heimische Sportler die Reise nach Japan antreten dürfen, aus St. Pölten neben Schrott auch noch Magdalena Lindner über die 100 Meter!

Dass die Qualifikation nicht mehr an einer Limitzeit festgemacht werden kann, sondern an ziemlich beliebig vergebenen Punkten für eine Weltrangliste, hat jedenfalls einen schalen Beigeschmack. So konnte zwar 400-m-Läuferin Susanne Walli die geforderte Norm von 51,35 Sekunden nicht unterbieten, schaffte es aber als 45. unter die Top-48 in ihrer Disziplin. Die beiden Siege bei den Staats- und den Balkan-Meisterschaften letztes Wochenende waren ausreichend für die Oberösterreicherin, jeweils 100 Bonus-Punkte gaben den Ausschlag. Schrott war dies leider nicht vergönnt, und sie teilt das Schicksal mit Andreas Vojta, der den 5000-m-Lauf ebenfalls nur daheim vor dem Fernseher verfolgen darf.

Eine große Enttäuschung trotz toller Saison für die erfolgreichste Leichtathletin Österreichs des letzten Jahrzehntes. Aber eines ist für Schrott in Stein gemeißelt: Die 33-jährige Medizinerin wird heuer endgültig ihre Karriere beenden! Auch die WM in den USA kommende Saison, für die ihr Lebensgefährte Christoan Taylor nochmals ein Comeback nach seinem Achillessehnenriss wagen will, können sie nicht umstimmen. „Ein paar ausgewählte Rennen noch, dann ist Schluss!“

Dadic im siebenköpfigen ÖLV-Olympiaaufgebot

Nach dem am Mittwoch abgeschlossenen Qualifikations-Prozess von World Athletics hat der ÖLV dem ÖOC jetzt sieben Athleten zur Nominierung für die Olympischen Spiele in Tokio vorschlagen. Die Leichtathletik-Bewerbe finden von 30. Juli bis 8. August statt. Von der Union St. Pölten hat nur Dadic die Qualihürde geschafft. Für sie werden es bereits die dritten Spiele nach London und Rio sein. Leider steht hinter ihrer Form immer noch ein großes Fragezeichen, einerseits aufgrund des Verlaufs ihrer Saison bis dato und weil sie immer wieder leicht verletzt ist. Phillip Unfried hat sich aber auch am Rande der Landesmeisterschaften am Wochenende in St. Pölten wieder optimistisch gezeigt, da die letzten Trainingseinheiten gut verlaufen seien. „Außerdem gibt’s ja noch einige Wochen Zeit“, bleibt er Phlegmatiker. Dass „der Juni definitiv nicht rund gelaufen“ ist, gibt zwar auch Unfried zu, zeigt aber Vertrauen in seine Athletin: „Bislang habe ich es mit Ivi immer noch hingekriegt, dass sie ihre Topleistung des Jahres zum wichtigsten Wettkampf abruft!“