ESV St. Pölten: Meisterobmann Schwarz tritt zurück. Nach 43 Jahren gibt die 78-jährige Funktionärslegende Werner Schwarz beim ESV St. Pölten Zepter ab.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 23. Dezember 2020 (02:07)

Die Erfolge des ESV St. Pölten der letzten Jahrzehnte sind mit einem Namen untrennbar verbunden: Werner Schwarz! St. Pöltens Schwimmverein ohne Schwarz ist eigentlich nicht vorstellbar, doch am 22. Jänner wird der 78-Jährige nach 43 Jahren Funktionärstätigkeit ins zweite Glied zurücktreten. „Ich werde mich dann nur noch um die Homepage kümmern, die wirkliche Arbeit werden dann aber endlich jüngere übernehmen“, freut er sich auf seine „Schwimmpension“.

Und Schwarz hat gut Lachen, nicht nur, wenn er auf seinen Werdegang zurückblickt, sondern auch, was die Zukunft „seines“ ESV angeht. Und tatsächlich ist der ESV spätestens seit dem Dezember 2009 sein „Baby“. Da hat er die Sektion Schwimmen des ESV St. Pölten übernommen und als Zweigverein eigenständig gemacht.

„Die Nachfolgeregelung ist jetzt geklärt, da geht ein junger Vorstand mit vielen neuen Ideen ins Rennen“, kann Schwarz auch auf sein letztes Kapitel im Verein stolz sein. Denn die Amtsübergabe nach einer derartigen Galionsfigur wie ihm fällt Vereinen oft schwer. Den Namen des neuen Obmann wollte Schwarz noch nicht verraten, aber sicher ist, dass die Aufgabe nicht in der Familie bleibt, denn Sohn Christoph bleibt sportlicher Leiter.

Von Sohn Christoph fürs Schwimmen begeistert

Dass Werner Schwarz als gebürtiger Kremser überhaupt beim ESV St. Pölten angedockt hat, war seinem Sohn geschuldet. Der hat sein Sporttalent Ende der 70er Jahre als Jugendlicher im Schwimmen erkannt. Sein Vater war als Heeresangestellter zwar auch staatlicher Trainer für Allgemeine Körperausbildung, aber nicht spezifisch fürs Schwimmen zuständig. „Zunächst habe ich mich daher nur als Konditionstrainer eingebracht, aber der damalige Trainer Willi Schreiber hat mich dann gebeten, ihn doch etwas mehr zu unterstützen.“ Kurzentschlossen hat Schwarz die Trainerausbildung im Schwimmen in Innsbruck begonnen und 1983 auch „mit ausgezeichnetem Erfolg“ abgeschlossen.

Wie sehr Schwarz das Schwimmen in Österreich in den kommenden Jahren mit „seinem“ Verein dominieren würde, war da aber ganz sicher nicht abzusehen. Doch die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten.

Bereits 1984 qualifizierte sich der St. Pöltner Thomas Böhm sensationell für die Olympischen Spiele in Los Angeles, Christoph Schwarz gewann die Rückenwertung im „Volksbanken Wintercup“, Sabine Kammerer wurde in die Nationalmannschaft einberufen.

Bei den Staatsmeisterschaften in Kapfenberg gewann die 4x100-m-Lagenstaffel in der Besetzung Christoph Schwarz (Rücken), Thomas Böhm (Brust), Erich Ortner (Delfin) und Bernhard Rupp (Kraul) mit neuem österreichischen Rekord erstmals den Staatsmeistertitel. „Mit Ausnahme von 1986 und 1995 blieb die Lagenstaffel neun Jahre lang in Österreich ungeschlagen und verbesserte den Rekord von 4:04 auf 3:54 Minuten“, erfüllt diese Leistung Schwarz mit Stolz.

Ein weiteres unvergessenes Highlight für Schwarz folgte 1985: Sabine Kammerer schwamm als erste Niederösterreicherin unter einer Minute (59,19 Sekunden) und wurde österreichische Hallenmeisterin. All die Erfolge (61 Landesmeistertitel für den ESV in seiner Ära) blieben nicht verborgen. Nachdem der ESV St. Pölten 1988 erstmals den österreichischen Mannschaftsmeistertitel geholt hatte, wurde Schwarz vom NÖ Landesverband zum Landestrainer bestellt. Ein Jahr später qualifizierte sich neben Thomas Böhm auch Schwarz‚ Sohn Christoph für die Europameisterschaften in Bonn.

Ehemaliger Konditrainer wird Nationalteamcoach

1990 pulverisierten bei den Staatsmeisterschaften in Kapfenberg Christoph Schwarz, Thomas Böhm, Rainer Kastner und der jetzige ASKÖ NÖ Obmann Reinhard Reither den österreichischen Rekord über 4x100-m-Lagen auf 3:56,33 und siegten auch in der 4x200-m-Kraul-Staffel. Insgesamt gab es vier Staatsmeistertitel und ein Jahr später wurde Schwarz vom OSV als Trainer der Nationalmannschaft nach Fort Lauderdale in Florida zu einem dreiwöchigen Trainingskurs geschickt. Vom ESV St. Pölten waren Thomas Böhm, Schwarz Christoph und Werner Zitzmann dabei.

Als Nationaltrainer fungierte Werner Schwarz dann auch bei der EM in Athen mit Zitzmann als Österreichs Starschwimmer. Während Schwarz Österreichs Schwimmteam coachen, führte er mit Christine Schreiner und Hannes Kalteis auch zwei St. Pöltner an die nationale Spitze. 1997 gab es fünf Goldmedaillen bei den österreichischen Jugendmeisterschaften (Schreiner 3, Kalteis 2). Weiters wurde Kalteis Staatsmeister und österreichischer Hallenmeister über 1500-m-Freistil.

Seit 2004 ist Werner Schwarz auch Kassier des NÖ Landesverbands. „Die Tätigkeit macht mir Spaß und ich möchte sie auch noch gerne bis zum Ende meiner Amtszeit 2023 erfüllen“, bleibt Schwarz dem Schwimmsport weiterhin treu.