Benjamin Karl: „Siegen ist nie fad!“. Trainingscamp in Schweden gibt noch mal einen Schub vor dem Weltcup-Start. Benjamin Karl ist heiß auf Erfolg.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 26. November 2019 (01:03)
Der Wilhelmsburger Benni Karl zieht derzeit beim Trainingslager in Schweden seine Spuren in den Schnee.
privat

Das Wilhelmsburger Snowboard-Urgestein Benni Karl hat kurz vor dem Saisonstart noch ein zweiwöchiges Trainingslager in Schweden eingeschoben. Für den 34-Jährigen im 25. Jahr seiner Karriere — „als 9-Jähriger habe ich ernsthaft begonnen, mich auf den Snowboardsport zu konzentrieren“ — eine Premiere. „Ich war schon überall auf der Welt, wo es Schnee gibt, aber erstmals hat es mich nun auch nach Schweden verschlagen“, muss er selbst lachen, dass ausgerechnet diese Hochburg des Wintersports bislang ein weißer Fleck auf seiner Landkarte war. Von den Trainingsmöglichkeiten zeigt er sich begeistert.

„Ich hole mir hier den letzten Feinschliff, ehe es von 7. bis 8. Dezember in Bannoye (Russland) mit dem Start in den Weltcup gleich richtig losgeht“, lobt er das Land im Norden. „Schweden ist genau so, wie man es sich vorstellt: Super gemütlich, die Dörfer in der Gegend verstreut und die Sonnenauf- und -untergänge atemberaubend!“

Karls einziger Kritikpunkt: „Die Tage sind derzeit halt wirklich extrem kurz, um 15 Uhr ist es stockdunkel!“ Das Training läuft aber perfekt für den in Lienz lebenden Familienvater. „Ich kann mich sogar über Trainingsbestzeiten freuen, obwohl Trainingsläufe in meiner ganzen Karriere nie meine Stärke waren!“

Und Karl sieht den ganzen ÖSV-Kader gut in Form, auch die Jungen drängen nach. „Am meisten Druck macht derzeit Arvid Auner, ein 22-jähriger Grazer, der erst seit dem Vorjahr zum Weltcupkader zählt“, zeigt sich „Teamopa“ Karl beeindruckt.

Gesamtweltcup bleibt das große Saisonziel

Da Karl im starken österreichischen Team vorn mitmischt, ist es wohl auch nicht vermessen, wenn der Oldie heuer sogar wieder einmal mit dem Weltcupgesamtsieg liebäugelt. „Aber es ist eine Zwischensaison, ohne andere Highlights wie WM oder Olympische Spiele, sodass sich alle Asse voll auf den Weltcup konzentrieren.“, weiß Karl, dass doch wieder alle das gleiche Ziel haben.

„Der Weltcup-Gesamtsieg wär schon wieder was und gewinnen wird eigentlich nie langweilig“, möchte Karl die seit 2011 währende Durststrecke beenden. „Es wird schon langsam Zeit“, findet der dreifache Gesamtweltcupsieger (2007/08, 09/10, 10/11), der am 5. Jänner 2004 im Weltcup debütiert und als 16-facher Weltcupsieger auch drei Disziplinen-Gesamterfolge gefeiert hat (PGS-Weltcup: 2016/17, 17/18 und PSL-Weltcup: 2014/15). Karl wurde außerdem 2009 im Parallelslalom in Sungwoo (Südkorea) und 2011 sowohl im Parallelriesenslalom als auch im Parallelslalom in La Molina (Spanien) Weltmeister. Bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver gewann er Silber und 2014 in Sotschi Bronze im Parallelslalom.

Sein Hauptaugenmerk legt Karl in der kommenden Saison natürlich auf die Heimrennen. „Auf Lackenhof freue ich mich sehr, die Rennen dort werden rocken“, fühlt er sich „fit und endlich auch richtig g‘sund, ohne Verletzung in der Vorbereitung!“

Die gute Form tröstet Karl auch darüber hinweg, nicht bei seiner Familie sein zu können. „Ich vermisse meine drei Hasen sehr (Ehefrau Nina sowie die Töchter Benina und Pia, Anm. d. Red.)! Eine Sache, die im Alter nicht besser zu werden scheint. Erstmals plagt mich das Gefühl von Heimweh!“