Benjamin Karls Durststrecke zu Ende. Nach 25 Monaten ohne Sieg klettert der Wilhelmsburger bei einem Weltcuprennen wieder aufs oberste Treppchen. In Kanada feierte er den ersten ex-aequo-Sieg der Geschichte.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 03. März 2020 (01:00)
Benji Karl war im Schneetreiben erfolgreich.
Kelemen

Im slowenischen Rogla hat der Wilhelmsburger Benjamin Karl im Jänner 2018 seinen bislang letzten Weltcupsieg gefeiert. Damals brachte ihm dieser Erfolg noch die Olympiaqualifiaktion ein, denn erst einen Monat zuvor hatte er sich damals einen Bruch des Sprungbeins und zwei Bänderrisse im rechten Sprunggelenk zugezogen und Karl stand dadurch unter Siegzwang. Heuer war der Druck für den 34-Jährigen überschaubar. „Im Grunde ging es nur mehr um Rang zwei im Gesamtweltcup der Riesentorlaufbewerbe“, hatte sich Karl im Jahr ohne Großereignis aber fest vorgenommen, diesen Platz hinter dem Südtiroler Roland Fischnaller zu erobern.

„Die Saison ist nicht ganz nach Wunsch gelaufen“

Topplatzierungen bei den beiden Weltcup-Parallel-Riesentorläufen in Blue Mountain (Kanada) waren daher doch Pflicht. „Die Saison ist nicht ganz nach Wunsch gelaufen“, gibt Karl zu. Sein insgesamt nun 17. Weltcup-Sieg kam da am Samstag daher gerade recht. Da tat es der Freude auch keinen Abbruch, dass Karl den Sieg mit dem Italiener Mirko Felicetti teilen musste. Beide überquerten im großen Finale zeitgleich die Ziellinie.

Karl hatte sich zuvor bei dichtem Schneetreiben in der Auftaktrunde mit dem Russen Dmitriy Karlagachev schon ein „totes“ Rennen geliefert. Als Schnellerer in der Qualifikation (Rang 4 gegenüber Platz 13 von Karlagachev) stieg Karl auf. Danach besiegte Karl in einer Neuauflage des Olympia-Finales von 2010 in Vancouver den Kanadier Jasey Jay Anderson (+0,83) sowie den Quali-Schnellsten Andrey Sobolev (RUS/+0,09), seinem härtesten Konkurrenten um den zweiten Weltcupgesamtrang im Riesentorlaufbewerb. Somit stand er im Finale, in dem es nach der Zieldurchfahrt sowohl beim vierfachen Weltmeister Karl als auch bei Felicetti Rätselraten über den Sieger gab, ehe beide jubeln durften — der Italiener überhaupt zum ersten Mal in seiner Karriere. Der ex-aequo-Sieg war ein Novum in der Weltcupgeschichte. Noch niemals zuvor hat es bei den Raceboardern zwei Sieger in einem Rennen gegeben.

„Jetzt bin ich schon so lange dabei, aber ich erlebe immer wieder etwas Neues"

„Jetzt bin ich schon so lange dabei, aber ich erlebe immer wieder etwas Neues. Heute war ich zweimal zeitgleich mit meinen Gegnern. Das zeigt, wie eng es bei uns hergeht. Bei diesen knappen Entscheidungen ist es wichtig, dass du im Kopf cool bleibst, und das ist mir sehr gut gelungen. Dass ich nach den ersten beiden Läufen im Finale vom blauen auf den roten Kurs wechseln musste, hat mir auch nichts ausgemacht. Auch deshalb, weil mir Sabine Schöffmann, die unmittelbar vor mir immer auf Rot gefahren ist, gute Tipps gegeben hat. Ich freue mich riesig, weil Siege einfach wunderschön sind“, meinte Karl zur APA.

Einen Tag nach dem Sieg von Karl hat es für Österreich aber beim zweiten Weltcup-Riesentorlauf in Blue Mountain zu keinem Podestplatz für Österreich gereicht. Bei den Herren erreichte Alexander Payer im letzten PGS-Weltcuprennen dieser Saison als einziger Österreicher das Viertelfinale, in dem sich der Kärntner dem Deutschen Stefan Baumeister beugen musste und Sechster wurde.

Karl reichte aber Platz zehn, um tatsächlich hinter dem Südtiroler Fischnaller Platz zwei in der PGS-Disziplinenwertung nach Hause zu fahren. Fischnaller ist zwei Rennen vor Saisonende auch die große Kristallkugel nicht mehr zu nehmen. Den Tagessieg holte sich der Russe Loginow.