Benni Karl erfüllt sich Traum vom Stockerl zum Auftakt. Routinier muss sich nur dem späteren Sieger Fischnaller aus Südtirol geschlagen geben. Burgstaller verpasst bei Debüt Finaleinzug.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 16. Dezember 2020 (01:47)
Mit 35 Jahren immer noch nicht Müde. Beim Weltcupauftakt in Cortina musste sich der Wilhelmsburger Benni Karl mit Südtirols Fischnaller nur einem Flachpisten-Spezialisten geschlagen geben.
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Eine Woche lang wurden Niederösterreichs Snowboardtalente von „Trendsport-Papa“ Erik Wöll vergattert, beim Auftakt in die Weltcup-Saison vor dem Bildschirm zu sitzen und die Daumen zu drücken, zumal erstmals, neben Benjamin Karl, mit Dominik Burgstaller ein zweiter Boarder aus dem Weichberger-Rennstall an den Start ging.

Und Karl hat am Samstag beim Auftaktbewerb der Raceboarder im italienischen Cortina d’Ampezzo nicht enttäuscht gleich einen Podestplatz erobert! Der 35-jährige Wilhelmsburger landete beim Parallelriesentorlauf nach einem Erfolg im kleinen Finale gegen den Italiener Mirko Felicetti (+0,15 Sekunden) auf Rang drei. Der Sieg ging an den italienischen Routinier Roland Fischnaller, der vor seinem Landsmann Aaron March triumphierte.

Fischnaller, der auch im Vorjahr in Cortina gewonnen hatte, setzte sich auf dem Weg zum Sieg zunächst im Viertelfinale gegen den Salzburger Andreas Prommegger (+0,13) und im Halbfinale eben gegen Karl (+0,28) durch. Karl hatte seine ersten beiden Duelle gegen seinen ÖSV-Teamkollegen Alexander Payer (+0,05) und den Italiener Daniele Bagozza (+0,02) jeweils nur ganz knapp für sich entscheiden können.

Stockerlplatz war das Wunschresultat

„Ich habe vor dem Rennen gesagt, dass es schön wäre, mit einem Stockerlplatz in den Weltcup zu starten, und jetzt ist es auch tatsächlich einer geworden. In den ersten beiden Runden haben ein paar Hundertstel den Ausschlag zu meinen Gunsten gegeben. Da hat mir wohl mein unbedingter Wille geholfen, solche engen Duelle auch zu gewinnen. Gegen Fisch (Roland Fischnaller, Anm.) war ich schon vorne, aber im Flachstück vor dem Zielhang ist er an mir wie ein Schnellzug vorbeigefahren. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass ihm Passagen wie diese extrem liegen. Ich bin trotzdem sehr happy, wie das heute für mich gelaufen ist.“

Prommegger, der in der Auftaktrunde dem russischen Doppelweltmeister Dmitry Loginov (+1,51) das Nachsehen gab, reihte sich im Endklassement an der siebenten Stelle ein. Payer belegte Rang 13. Lukas Mathies, der als vierter Österreicher die Entscheidung der Top 16 erreicht hatte, wurde 15. Insgesamt waren zehn Herren vom ÖSV-Team am Start. Ohne Wertung nach Out im ersten Quali-Lauf blieb noch Debütant Dominik Burgstaller.

So wie Karl besuchte Burgstaller die Sportmittelschule St. Pölten. Nach zwei Jahren, als in der Michi-Dorfmeister-Schule die Abteilung Snowboard eröffnet wurde, entschied sich Burgstaller in die Schule nach Lilienfeld zu wechseln, in der sein Lehrer und Trainer Erik Wöll die sportliche Leitung übernommen hatte. Nach einer Reihe von Erfolgen bei den Bewerben des NÖ Skiverbands und bei Schulveranstaltungen folgte die weitere Ausbildung in der Snowboard-Akademie in Schladming, aus der auch Karl hervorgegangen ist.

Nach erfreulichen Platzierungen im Europacup und einer Teilnahme bei den Junioren-Weltmeisterschaften (Alpin) mit den Rängen 24 (PGS) und 30 (PSL) qualifizierte sich Burgstaller nun als Mitglied im ÖSV-B-Kader nun für seinen ersten Weltcup-Einsatz und kurz darauf für die Juniorenweltmeisterschaften (19. bis 21. Dezember/Lachtal).

Mit Benni Karl und Gerry Ring (Alpin), Jakob Dusek, Maria Ramberger, Katharina und Kristina Neussner (alle Cross), Clemens Schattschneider und Julian Maschl (Freestyle) reiht sich Burgstaller als dritter Alpin-Boarder in die Weichberger-Riege der Weltcup-Starter ein.

Die Raceboarder setzen am Donnerstag, 17. Dezember, den Weltcup in Carezza (ITA) fort, wo ebenfalls ein Parallelriesentorlauf gefahren wird. Sehr zur Freude von Karl. Nach seineem Weltcupstart wird Burgstaller aber als nächstes die WM in Angriff nehmen.