Wilhelmsburg

Erstellt am 12. Februar 2019, 03:38

von Claus Stumpfer

Schuhbruch leitet Unglücks-WM ein. Benjamin Karl richtet nach WM-Flop seinen Fokus bereits wieder auf den möglichen Weltcup-Gesamtsieg.

Benni Karl hat die verunglückte WM bereits abgehakt, nimmt Gesamtweltcupsieg ins Visier.  |  Wöll

Die Weltmeisterschaften 2019 waren nicht die Titelkämpfe von Benjamin Karl. Der Wilhelmsburger, der im Weltcup die Gesamtwertung anführt, wollte sich seine bereits fünfte WM-Medaille sichern. Doch wie für alle rot-weiß-roten Raceboarder brachte die Piste in Park City (USA) kein Glück!

Besonders dramatisch verlief für Karl gleich der Auftaktbewerb. Denn schon nach wenigen Toren der Qualifikation war sein Parallel-Riesentorlaufbewerb auch schon wieder vorbei. Durch einen Materialbruch hatte der vierfache Weltmeister keinen Halt mehr in seinem rechten Schuh und musste seine Fahrt deshalb abbrechen. „Ich habe nicht gleich gewusst, was genau passiert ist. Es hätte auch ein Problem an der Bindung sein können. Im Ziel habe ich dann gesehen, dass es am Schuh gelegen ist. Das war für mich bisher mein kürzestes WM-Rennen und wieder etwas Neues in meiner langen Karriere“, war er aber da noch für den folgenden Tag optimistisch. Im Slalom hatte er in dieser Saison überraschenderweise ja die größeren Erfolge zu verzeichnen.

Doch nachdem das ÖSV-Team schon beim Parallelriesentorlauf ohne Edelmetall geblieben war, konnten die erfolgsverwöhnten Ösis auch im Parallelslalom nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen.

In einem Rennen, das trotz mangelnder Pistenpräparierung und extremer äußerer Bedingungen bei zum Teil dichtem Schneefall und dadurch schlechter Sicht durchgeboxt wurde, war für die heimischen Vertreter spätestens im Viertelfinale Endstation.

Bei den Herren wurde Andreas Prommegger als bester Österreicher Sechster. Der Steirer Arvid Auner lieferte als Achter eine mehr als ordentliche WM-Premiere ab. Benjamin Karl (11.) und Lukas Mathies (16.) hatten in der Auftaktrunde auf dem deutlich schwieriger zu fahrenden roten Kurs keine Chance, um in die nächste Runde einzuziehen. Sebastian Kislinger (30.) scheiterte bereits in der Qualifikation. Der Russe Dmitry Loginov, der im Viertelfinale Prommegger eliminiert hatte, holte sich nach PGS-Gold vor dem Italiener Roland Fischnaller und dem Deutschen Stefan Baumeister seinen zweiten WM-Titel binnen 24 Stunden.

Erstmals seit zehn Jahren ohne WM-Medaille

Karl, Aushängeschild vom Wöll-Klub Union Trendsport Weichberger, der seit 2009 erstmals ohne WM-Medaille blieb, haderte nicht lange mit dem Abschneiden in Park City, sondern richtete den Blick auf die kommenden Aufgaben: „Es ist zäh, wenn genau das Gegenteil von deinen Lieblingsbedingungen herrscht, so wie das hier der Fall war. Aber die WM ist abgehakt. Jetzt gilt es, im Weltcup wieder anzugreifen. Dort habe ich als Gesamtführender in dieser Saison noch einiges vor.“

Auch Christian Galler, der sportliche Leiter für Snowboard im ÖSV, hätte sich aufgrund der Weltcup-Resultate in der laufenden Saison mit zehn Podestplätzen für Österreich bei den WM-Parallelrennen natürlich mehr erwartet. „Wir konnten uns aber in beiden Rennen nicht auf die schwierigen Verhältnisse einstellen. Das ist anderen Fahrern – speziell den Medaillengewinnern, denen wir zu ihren Erfolgen auch gratulieren – besser gelungen. Wichtig ist mir aber auch festzuhalten, dass man in Zukunft ein starkes Augenmerk darauf legen muss, den weltbesten Athleten auch perfekte Bedingungen zu bieten. Das war hier zweifellos nicht der Fall“, klagt er.