Neuer Legionär schlägt in St. Pölten ein. Mit dem Kroaten Arapovic haben die St. Pöltner Falken zweiten Führungsspieler neben Feichtinger.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 16. September 2020 (02:48)
Neuzugang David Arapovic (vorn) sorgte gleich im ersten Spiel fast ganz ohne Training mit dem Team für eine gewaltige Leistungsexplosion der St. Pöltner Falken.
Stumpfer

Falken-Trainer Damir Djukic hat in unserer Saisonvorschau mit einer Ansage definitiv recht behalten. Beim ersten Heimspiel würde er auch seinen Wunschlegionär zur Verfügung haben. Und so war es am Samstag im Sportzentrum NÖ auch. Der kroatische Aufbauspieler Daniel Arapovic war nicht nur für die Falken-Fans eine Überraschung, sondern auch für die Gäste, die als Titelkandidat klar zu favorisieren waren.

Doch Arapovic machte von der ersten Minuten an klar, dass er der neue Chef im Ring ist! Und das, ohne mit seinen Mitspielern trainiert zu haben. Nur Anfang August war er für ein paar Tage in St. Pölten und dann noch beim Abschlusstraining vor dem Hollabrunn-Match dabei. Doch sein Gegenspieler Anze Kljajic wusste kein Rezept, konnte sich immer wieder nur mit Fouls helfen. „Mit ihm hätten wir auch in Leoben nicht verloren“, meinte daher Djukic nach dem Spiel mit neuem Selbstbewusstsein.

Den Kontakt zu Arapovic hat ihm Hard-Trainer Mario Bjelis vermittelt. Nach dem ersten Auftritt des Kroaten muss man sich aber fragen, warum Bjelis den Kroaten nicht selbst engagiert hat. „Er würde wohl auch jedes 1.-Liga-Team verstärken“, glaubt auch Djukic.

Finanziell sei Arapovic laut Obmann Michael Kögl gut machbar gewesen. Werner Blum, der Obmann-Stellvertreter werden soll — „Johannes Kral will künftig mehr im Hintergrund wirken“ (Kögl) — beteiligte sich „ein wenig“ und auch Hauptsponsorin Veronika Steiringer von Bachner-Bau sah wohl noch Handlungsbedarf.

Dass aber Arapovic so einschlägt, dass gleich Hollabrunn in St. Pölten die ersten Punkt liegen lässt, ist wohl für alle überraschend gekommen. „Und es wird noch besser, wenn wir mit David jetzt endlich auch richtiges Aufbautraining machen können“, sagt Djukic. Bislang fehlte ihm einfach ein solcher Spieler.

Werner Blum bringt Schwung in Vorstand

Schon der Beginn mit der Vorstellung der Heimmannschaft war anders als gewohnt. Blum, der auch darauf bestanden hatte, standesgemäß von der Prandtauerhalle ins Sportzentrum NÖ zurückzukehren — „Geschäftsführer Franz Stocher hat uns da auch sehr unterstützt“ — betätigte sich als Choreograph. Und ein Jahrzehnt im Präsidium der Kremser Handballer hat ihm auch diesbezüglich einiges gelehrt. Die Einzugsshow sorgte jedenfalls für Gänsehaut bei den Fans. Und natürlich gibt es auch eine VIP-Lounge mit Schmankerl vom „Heimspiel“-Gastronomen Alfred Neuhauser.

Beim Spiel verhinderten die Abwehrreihen beider Teams aber zunächst ein Offensivfeuerwerk. Martin Zettel hatte die Legionäre der Gäste, aber auch seinen Ex-Teamkollegen Kevin Wieninger, gut im Griff. Auf der Gegenseite warf man zunächst alles rein, um Tore zu verhindern. Der Ex-St. Pöltner Goran Vuksa bei den Gästen übertrieb es mit einem groben Foul an Jan Neumaier aber. Nach nur neun Minuten sah er beim Stand von 2:2 die Rote Karte. Eine Schwächung, die nicht wirklich kompensierbar war.

Die Offensive der Falken zeigte sich gegenüber dem Leoben-Spiel deutlich verbessert. Arapovic belebte den Angriff und verstand es auch, die Youngsters immer wieder vorbildlich in Szene zu setzen. Und im Tor lief bei Siebenmetern der Gäste Obmannsohn Jakob Kögl zur Höchstform auf. Er hielt gleich drei davon! Das Spiel blieb auch deswegen ausgeglichen. Zur Pause führen die Hausherrn 11:9.

Und die Falken kommen auch besser aus der Kabine, gehen sogar 13:9 in Führung. Doch dann versetzt Kljajic seinem Gegenspieler Arapovic einen Nasenstüber, der diesen zum Stoppen der Blutung für Minuten außer Gefecht setzt. Diese Phase nutzen die Gäste sofort zur Aufholjagd — 16:16 (45.). Djukic wechselt trotzdem die Formationen weiter munter durch, bringt auch die Jungen neben Feichtinger zum Einsatz. In der 50. Minute bedeutet dies endgültig den Führungswechsel. Nun laufen die Hausherrn einem Rückstand hinterher, kurzzeitig sogar zwei Toren!

Die Torleute auf beiden Seiten halten, was zu halten ist und es wird richtig hektisch. Pils gleicht zum 21:21 aus (52.), doch immer wieder gehen die Hollabrunner in Führung, und die Falken ziehen nach. Eine Minute vor Schluss erzielt Feichtinger das 24:24. Angriff Hollabrunn, das ein Time-out nimmt, doch die Abwehr von Zettel und Co. hält, unter dem wachsamen Auge von Krems-Sportdirektor Werner „Faxe“ Lint im Zuschauerraum, bis zum Schluss.

Nicht nur Lint war sichtlich begeistert von der jungen St. Pöltner Truppe, auch der Unparteiische Klaus Lang, der am Protokolltisch saß, hat nachher geschwärmt: „Ich war auch beim Spusu-Liga-Match in Schwaz, aber das Spiel heute hat mir besser gefallen“, meinte er. „Beide Spiele waren kampfbetont, aber heute kam noch unglaubliche Dramatik und Derbystimmung hinzu. Es war absolut nicht zu merken, welches das 1.-Liga und welches das 2.-Liga-Match gewesen ist.“ Also großes Pauschallob von einem Unparteiischen. Sowohl Hollabrunn als auch St. Pölten sieht er mit Leoben als Topteams der Liga!

Nächstes Heimspiel erst am 1. Oktober

So gut die Werbung für den Handballsport am Samstag auch war, bis 1. Oktober müssen die Fans nun wieder ohne ihre Asse in St. Pölten auskommen. In den nächsten beiden Runden geht es zuerst am Samstag zu den BT Füchsen in Trofaiach (19 Uhr), dann nach Korneuburg, ehe das Heimspiel an einem Donnerstag gegen Atzgersdorf erneut im Sportzentrum NÖ folgt (20 Uhr).