Kunstturn-Meisterschaften: Nervenflattern bei Athleten

Erstellt am 02. Juni 2021 | 02:44
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Selina Kickinger und Martin Wolf heißen die Mehrkampf-Landesmeister und kommen aus dem Stall des LLZT/SLZ/BORGL. Es gab aber nur eine fehlerfreie Übung zu sehen.
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Die NÖ Landesmeisterschaft war die erste Veranstaltung nach dem Lockdown, die von der gesamten Turnszene bereits sehnlichst erwartet wurde. Und nicht nur Niederösterreicher nahmen teil, auch Athleten aus Tirol, OÖ und Wien folgten der Einladung nach St. Pölten. Sogar Publikum war zugelassen.

Ein umfangreiches Präventionskonzept und ein Großaufgebot an Helfern von der Sportunion St. Pölten unter der Organisationsleitung von Martina Weinberger machten es möglich. So konnten auch jene teilnehmen, die ohne „Spitzensportstatus“ rund sechs Monate nicht in die Hallen durften und nur zwei Wochen Zeit hatten, um die Übungen an den Geräten einzustudieren. 140 Aktive begeisterten aber trotzdem rund 400 Zuschauer.

„Mir war wichtig, dass alle, die durchgehalten haben, unserem Sport nicht verloren gehen und unsere Leistungssportsektion endlich wieder ein Gefühl von Normalität bekommt. Die strahlenden Gesichter in allen Altersklassen waren die Mühe wert“, meinte Weinberger.

Kickinger holt erst zum ersten Mal Landestitel

Mit dem Titelgewinn hat die ÖFT-Nationalteam-Turnerin Kickinger (20, Union Böheimkirchen) zum ersten Mal in ihrer 5-jährigen Elite-Karriere die höchste Klasse gewonnen und damit ihren Abschluss des BORGL St. Pölten mit erfolgreicher Matura nun auch sportlich gekrönt. Die Entscheidung fiel allerdings erst beim letzten Gerät, war doch zur Überraschung aller mit der Gänserndorferin Klara Reisel (22) eine routinierte Athletin wieder in die Wettkampfszene zurückgekehrt.

„Sie hatte ihre Karriere eigentlich im Vorjahr für beendet erklärt“, erzählt Weinberger, dass Reisel deshalb auch nicht mehr in den Genuss des Spitzensportstatus gekommen ist. „Sie hatte gar keine Möglichkeit professionell zu trainieren“, war die LLZT-Koordinatorin von der Leistung Reisels, die zuletzt 2019 den Landestitel geholt hatte, beeindruckt. „Sie turnt stabil, nervenstark und routiniert, was gegenüber unsen jungen Elite-Mädchen der Union St. Pölten sicher ein Vorteil ist“, meint sie.

Begünstigt wurde ihr zweiter Platz hinter Kickinger auch von Patzern der anderen Athletinnen. „Unsere ‚Freshies‘ gehen voll auf Angriff, sind mutig, aber noch nicht stabil“, meinte LLZT-Trainerin Sissy Lahota, die hofft, dass dieser Wettkampf ein Lernprozess war.

Auch Kickinger turnte nach einem passablen Sprung an den nächsten beiden Geräten fehlerhaft. Vor allem von ihrer Leistung am Stufenbarren, in dem sie schwierige Elemente eingebaut hatte, war sie selbst sichtlich enttäuscht. An den Schwebebalken ging sie mit Respekt. „Ich glaub, wir sind alle froh, wenn der vorüber ist“, meinte sie zu den Kolleginnen.

Wirklich stark war dann aber ihre Bodenkür, mit der sie sich doch klar den Mehrkampftitel sichern konnte. Eine Elite-Übung, die wirklich zu begeistern vermochte. Auch Trainerin Agnes Hodi war danach zufrieden. „Wichtig war, dass Selina endlich einen Wettkampf turnen konnte. Auch der Maturastress ist seit letzter Woche vorbei“, glaubt Hodi an eine Steigerung ihrer Athletin bereits nächste Woche bei den Staatsmeisterschaften in Graz.

Auch Kickinger hofft, ihr Trainingsdefizit rasch aufzuholen. „Die letzten Woche waren hart, aber mein Ziel bleibt die WM im Herbst!“ Hodi glaubt, dass das realistisch ist: „Selina muss nur verletzungsfrei bleiben!“

Mit Sarah Jackson hat der zweite Hodi-Schützling die sensationelle Leistung von zuletzt nicht ganz wiederholen können. Mit einer soliden Leistung musste sich die Kremserin aus den USA, die in Salzburg studiert und für Böheimkirchen startet,mitRangsechsbegnügen.

Am Platz drei reihte sich mit Miriam Markovic (15) die erste der drei BORGL-Schülerinnen ein, gefolgt von Anna Panauer (15) und Marie Wolf (16). „Sie und auch Jackson haben sich mit ihren Punkten aber für die Staatsmeisterschaft qualifiziert, leider darf nur Reisel aufgrund der fehlenden Genehmigung als Spitzensportlerin nicht daran teilnehmen, was schmerzt“, meinte die Landesverantwortliche Laura Hamersak.

Mit Wolf gewinnt bei den Herren ein Junior

Bei den Jungs konnte mit dem SLZ-Athleten Martin Wolf (15, Union St. Pölten) ein Turner der Juniorenklasse den Titel holen. Damit ist erstmals seit vielen Jahren auch wieder der Landesmeistertitel in St. Pölten. Da Niederösterreichs einziger Senior, der Gänserndorfer Yannik Lehner nicht einsatzbereit war, „erbten“ diesen die Junioren. Wolf setzte sich vor Trainings- und Klubkollege Bruno Baccolini (16) knapp durch.

„Wir haben alle wirklich unmöglich gepatzt, das ist eigentlich nicht repräsentativ“, resümiert der neue Meister und ÖFT-Juniorenkaderturner seinen Wettkampf. „Vom Schwierigkeitswert her würde der Titel eher Bruno gebühren, ich bin außer am Sprung echt nicht zufrieden mit mir“, klagte er. Am Sprung konnte er dafür allerdings sogar den einzigen Elite-Turner, den Wiener Palicka, übertreffen. LLZT-Cheftrainer Zelaya sah den Wettkampf als Generalprobe für die Staatsmeisterschaft nächste Woche in Graz. „Wir haben im letzten Jahr sehr gut gearbeitet, dann punktgenau abzuliefern, ist aber eine andere Sache“, weiß er.