Dietmar Sedletzky: „Der Spaß geht langsam verloren“

Erstellt am 19. Mai 2021 | 01:00
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Dietmar Sedletzky zieht beim TC Harland die Fäden. Covid-19 sorgt aber für Probleme.
Foto: Privat
Didi Sedletzky musste als Obmann des Bundesligisten zuletzt einiges einstecken. An den Klassenerhalt glaubt er aber fix.
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Dietmar Sedletzky ist unzufrieden. Zwei Wochen vor dem Bundesliga-Start ärgert sich der Obmann des TC Harland über einige zuletzt getroffene Entscheidungen des österreichischen Tennisverbands (ÖTV). Am meisten schockt ihn, dass der Saisonstart von Pfingsten auf den 29. Mai verlegt wurde.

„Das trifft uns hart, weil dann zeitgleich auch alle unsere Landesligateams und natürlich die der Nachbarvereine spielen, und in der Kreisliga sind die Damen im Einsatz“, sieht er für das Spiel gegen Telfs die erhoffte Zuschauerkulisse außer Reichweite. Zumal jetzt auch wegen Covid-19 die „3-G-Regel“ gilt. „Das vom ÖTV eingereichte Konzept ging bei der Bundesregierung nicht durch“, nimmt Sedletzky zur Kenntnis, dass nun alle Zuschauer geimpft, getestet oder genesen sein müssen. Außerdem gilt auf der Anlage während der Spiele Maskenpflicht.

„Unter diesen Rahmenbedingungen wird alles uninteressant. Wir leben von den Einnahmen bei Bundesligamatches, derzeit geben wir nur Geld aus.“ TCH-Obmann Didi Sedletzky

„Wir müssen alles streng kontrollieren“, bittet der Obmann bei den Fans im Voraus um Verständnis. Auch Ausschank und Grill sind nicht gestattet, allerdings will man verpackte Semmeln feilbieten und Getränke. „Sonst kommen die Leute an heißen Tagenum“,ist Sedletzky besorgt.

Um ein optimales Sicherheitskonzept vorzubereiten, seien er und seine Mitarbeiter am Christi-Himmelfahrtstag sechs Stunden zusammengesessen, um den Ablauf zu beratschlagen. „Wir machen das alle ehrenamtlich, da geht langsam die Kraft aus“, wirkt Sedletzky frustriert. „Der Aufwand ist nochmals höher als im Vorjahr“, stöhnt er.

Dass der Wettspielausschuss die Verschiebung des Saisonstarts nach hinten beschlossen hat, sieht Sedletzky als Zugeständnis an ÖTV-Sportdirektor Jürgen Melzer und „dessen“ TC Irdning. „Von allen zwölf Bundesligaklubs waren nur Irdning und der WAC, bei denen Rodionov spielt, für die Verschiebung, natürlich wegen dem Grand-Slam-Turnier in Paris, bei dem sie ihre Asse im Einsatz haben. Die anderen Klubs wollten das nicht“, kann Sedletzky die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Vernünftig wäre gewesen, die Meisterschaft im Juli und August zu spielen, ein Vorschlag, den ich unterstützt habe“, wähnt er die kleinen Klubs im Entscheidungsprozess aber nicht eingebunden.

Topspieler gleich zum Saisonstart fraglich

Natürlich setzt das Turnier von Paris auch Sedletzkys Startaufstellungsplänen zu. In der Qualifikation fürs Grand-Slam-Turnier versucht sich nicht nur seine für das Telfs-Spiel fix vorgesehene Nummer eins, der Slowake Jozef Kovalik, bereits ein Dauerbrenner beim TC Harland, sondern auch Harlands deutscher Neuzugang Daniel Masur. „Wally“, wie ihn seine Freunde nach dem einstigen australischen Weltklassespieler und Namensvetter Masur nennen, hat zuletzt ein Challenger in Italien gewonnen und rangiert auf ATP-Rangliste Nummer 217. „Das Erreichen des Hauptfelds von Paris wäre für ihn aber ein sensationeller Erfolg“, sagt Sedletzky.

Falls Kovalik und Masur tatsächlich in Paris spielen, müsste Sedletzky auf sie zum Auftakt gegen Telfs verzichten. „Dann möchte ich den Tschechen Vaclav Safranek reaktivieren“, hat der Obmann noch ein weiteres Ass im Ärmel. Mit Peter Goldsteiner ist ein zweiter Neuzugang eine Option, um auf der Zweierposition zu spielen. Ricco Bellotti, langjährige Nummer eins, steht heuer nicht mehr zur Verfügung. Der in Wien lebende 29-jährige Italiener wechselte zu den Hartbergern. „Deren Angebot muss gut gewesen sein“, konnte und wollte Sedletzky nicht mitbieten.

Heimsieg zum Auftakt wäre immens wichtig

„Für den Klassenerhalt wäre ein Auftaktsieg in Telfs wichtig und in Bestbesetzung sicher auch realistisch“, meint Sedletzky. Die Nummer Eins der Tiroler ist der in Österreich lebende Niederländer Mick Veldherr. „Ein guter Spieler, aber sowohl Kovalik als auch Masur müssten gegen ihn gewinnen“, ist Sedletzky überzeugt. Auch hinter Veldherr tummeln sich im Telfser Kader Toptalente aus Österreich, wie etwa Sandro Kopp, der im Vorjahr bei Thiems Einladungsturnier mitmachen durfte.

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Neuzugang aus Deutschland auf Zwei: Daniel Masur.
Foto: privat, privat

Aber auch Harland hat mit Lukas Jastraunig einen Thiem-Intimus, der erst am Wochenende Österreichs Nummer eins in Alt Erlaa für das Turnier in Lyon eingeschlagen hat. „Er ist am Sonntagabend fix und fertig zu uns auf die Anlage gekommen“, lacht Sedletzky. „Auf den Positionen Vier bis Sechs setzen wir mit meinem Sohn Markus, Paul Holzinger und Jastraunig auf altbewährte Kräfte und sind gut aufgestellt“, rechnet der TCH-Obmann wiederstarkmitseinen „Punktelieferanten vom Dienst“.

Auf Position drei beim TCH vorgearbeitet hat sich Dominik Wirlend, auch weil Markus Sedletzky wegen einer Verletzung kaum Punkte sammeln konnte und in der Rangliste etwas abrutschte. Der Obmann sieht keinen Nachteil: „Für Dominik auf Drei wird es sicher schwer, aber dafür sollte es Markus leichter haben.“

Wirlend entpuppte sich zuletzt auch außerhalb des Courts als wichtig für den TCH. „Er spielt mit Masur in der 2. Deutschen Bundesliga beim TP Versmold und konnte ihm auch eine Nennung bei uns schmackhaft machen“, freut sich Sedletzky.

Auswärts in Irdning wird Geld gespart

Nach dem Telfs-Spiel müssen die St. Pöltner Vorstädter gleich zum großen Titelfavoriten nach Irdning. Ein Spiel, das für Sedletzky kaum interessant ist. Es wird sogar angedacht, mit Goldsteiner auf der Einser-Position aufzulaufen. „Wir wären nach Irdning in Bestbesetzung gereist, wenn das Spiel in der ersten Paris-Woche stattgefunden hätte, weil dann hätten ihnen Topspieler gefehlt. Aber nach der Verschiebung ist ein Spiel dort für uns sinnlos“, will Sedletzk bei diesem Auswärtstripp „Geld sparen“, die Niederlage gegen Novak und Co. sei fix.

Trotzdem ist Sedletzky zuversichtlich, dass der Klassenerhalt geschafft wird. „In Bestbesetzung sind wir gut genug, um die nötigen Siege zu feiern!“ Doch Sedletzky bemerkt, dass nach zwei Jahren Covid-19 der Spaß abhanden kommt. „Unter diesen Rahmenbedingungen wird alles uninteressant. Wir leben von den Einnahmen bei Bundesligamatches, derzeit geben wir aber nur Geld aus“, bedauert er, dass einer wie Melzer dafür kein Verständnis zeigt. „Ihm sind kleine Klubs wie wir egal, es gilt: The show must go on!“

Outdoor seit März und neues Landesligateam

Dabei habe man in Harland alles getan, um konkurrenzfähig zu sein. Die Plätze seien bereits Anfang März fertig gewesen, um die Chance auszunützen, im Freien spielen zu dürfen. Doch ausgerechnet heuer kam der Schnee zurück. Trotzdem konnte immer wieder seit Ende März trainiert werden.

Mit dem Team Harland II hat Sedletzky vor, sich fix in der Landesliga zu etablieren, nachdem es gelungen ist, heuer erstmals in der Landesliga C aufschlagen zu dürfen. Mit Nico Ganser und Dorian Eckel konnten zwei Nachwuchshoffnungen gewonnen werden, die auch für später Bundesliga-Potenzial haben. Favoriten in den Landesligen sind für Sedletzky aber schwer absehbar. „Nach zwei Jahren Pause gibt es zu viele Änderungen bei den Teams!“

Gedenkturnier feiert heuer Jubiläum

Sein 20-jähriges Jubiläum feiert heuer das Walter-Lirsch-Gedenkturnier des TC Harland, inklusive Damenbewerb. Aber auch da gibt es Terminärger für Sedletzky, der heuer das Preisgeld nochmals erhöht hat und den Spielern auch erstmals ein Hospitality-Package anbieten kann. Doch der ÖTV hat entschieden, die Staatsmeisterschaften am Traditionstermin der Harlander Anfang Juli zu veranstalten. „Bisher fand unser Turnier immer als Aufwärmen vor den Staatsmeisterschaften statt, doch heuer dürfen wir unser ÖTV-Turnier erst Mitte Juli veranstalten“, ärgert Sedletzky besonders, dass die Ollersbacher dann aber den früheren Termin der Harlander vom ÖTV für deren Turnier erhalten haben.

Zeitgleich mit dem Turnier der Harlander findet nun aber in Kärnten mit der 21. Stoff-Trophy ein großes ÖTV-Turnier statt. „Da gibt‘s neben Preisgeld und Hospitality auch tolle Sachpreise, sodass sogar unsere Bundesligaspieler runterfahren werden“, sieht sich Sedletzky vom Verband „verarscht“. „So wird die ganze Arbeit, die wir leisten, einfach sinnlos“, klagt er.