Walter-Lirsch-Gedenkturnier: Rekord in Harland. 90 Matches in nur vier Tagen gab’s noch nie zuvor. Dominic Thiem war Stargast.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 10. Juli 2018 (01:20)
NOEN, Stumpfer
Lokalmatador Bernie Schranz nutzte sein gutes Los und besiegte im Finale den müden Christopher Hutterer.

Das 17. Walter-Lirsch-Gedenkturnier und die 12. Harlander Ladies Open des TCH gehen wohl in die Geschichte ein. Mit Dominic Thiem war am Finaltag sogar Österreichs Nummer Eins mit Vater Wolfgang, sowie Mutter und Oma zu Gast auf der Anlage. Er gab nach seinem frühen Wimbledon-Aus dem kleinen Bruder Moritz im Semifinale zwar vergeblich Tipps, war dabei aber für die Harlander Kids ein Star zum Angreifen.

„Damit hatten wir heuer das komplette Daviscup-Team auf unserer Anlage“, lacht Obmann Dietmar Sedletzky. In der Bundesliga-Meisterschaft hatten ja bereits die Melzer-Brüder sowie Dennis Novak in Harland gespielt. Novak, der letzte Woche in Wimbledon erst im Achtelfinale aus dem Bewerb flog, hatte gegen Harlands Ricco Bellotti im Mai dabei sogar glatt verloren!

Bellotti verzichtete nun auf ein Antreten in Harland, und Vorjahressieger Markus Sedletzky schied überraschend im Viertelfinale aus, trotzdem gab es bei den Herren den Sieg eines Lokalmatadors. Mit Bernie Schranz jubelte am Ende Harlands Nummer vier, die niemand auf der Rechnung hatte, nicht einmal er selbst.

Glückliches Los für Bernie Schranz

„Mein Finalgegner Christopher Hutterer hat wohl zuvor gegen Markus und Moritz Thiem zu viele Kräfte liegen gelassen, um im Finale noch zulegen zu können“, sah er selbst einen Mitgrund seines Sieges in einer glücklichen Auslosung. „Aber ich hab auch mein bestes Tennis ausgepackt, bin derzeit so gut drauf, wie noch nie“, zeigte er sich von seinem eigenen Spiel begeistert. „Als Nummer vier in der Bundesliga habe ich zwar kaum Spiele gewinnen können, aber die Matches gegen so starke Gegner haben mir viel gebracht“, ist Schranz überzeugt.

Auch Hutterer, der im ersten Satz 5:3 geführt hatte, dann aber im Tie-Break mit 6:8 den Kürzeren zog, war vom starken Spiel seines Gegners angetan. „Bernie spielt sehr konstant, variiert zwar wenig, aber er hätte wahrscheinlich noch drei Sätze so weiterlaufen können.“

Von der Atmosphäre in Harland zeigte sich der Linzer begeistert und sicher würde er auch gut in die junge Harlander Bundesliga-Truppe passen. Angesprochen darauf, verschob er einen möglichen Wechsel aber noch. „Ich bin selbst erst heuer mit Linz in die 2. Bundesliga aufgestiegen, und der Mannschaft für kommende Saison im Wort. Aber die Harlander sind alle super drauf und ich komme nächstes Jahr bestimmt wieder zum Gedenkturnier — dann schauen wir weiter!“

Bei den Damen siegte mit Nadja Ramskogler zwar die Nummer eins, aber ihr Finale gegen Selina Pichler war wohl die längste 2-Satz-Schlacht, die in Harland je bei den Damen zu sehen war. Die Oberösterreicherin, die für Anif in der Bundesliga spielt, „rächte“ damit ihren Bruder, der im Vorjahr im Herrenfinale gegen Markus Sedletzky unterlegen war.

„Leider durfte mein Bruder heuer nicht antreten, weil er ab Herbst in die US-College-Liga wechselt, weshalb im seit 1. Juli Turniere in Österreich untersagt sind“, erklärte die „kleine“ Schwester, die derzeit Österreichs Nummer drei ist und die Harlander Ladies Open als letzten Test vor der EM gespielt hat.

Es war ein Turnier der Rekorde, das letzte Woche bei Prachtwetter der TC Harland über die Bühne gebracht hat. Obmann Dietmar Sedletzky freute sich zwar über einen neuen Nennrekord, kam dabei aber kräftig ins Schwitzen: 58 Herren und 29 Damen ließen die kleine Anlage fast aus allen Nähten platzen.

„Wir haben an vier Tagen auf nur vier Plätzen 90 Matches über die Bühne gebracht“, war er stolz auf seinen straffen Turnierplan. „Allerdings hätte schon der kleinste Regenschauer alles über den Haufen geworfen“, weiß auch Sedletzky, dass es ein Grenzgang war.

Nachdem der ÖTV heuer die Anmeldemodalitäten für Turniere geändert hatte, entschied sich Sedletzky dazu, erst am Montag mit den Qualispielen ins Turnier zu starten. „Damit hatten wir erst am Freitag Anmeldeschluss, sonst wäre der Termin durch die neuen Durchführungsbestimmungen bereits eine Woche früher gewesen und wir hätten kaum Nennungen gehabt“, weiß der Organisationsprofi, dass sich die Spieler stets erst kurz vor Turnierstart anmelden.

„Die Organisatoren des großen Turniers in Wieselburg verzichteten aufs Verschieben und hatten dann insgesamt weniger Starter als bei uns allein bei den Herren gemeldet waren, dabei sind sie um eine Kategorie höher dotiert“, gibt Sedletzky zu bedenken. „Hier sollte der Verband einlenken, und den kleinen Vereinen eine Chance geben, ihre Turniere wie bisher durchzuziehen. Der Stress für alle Helfer ist sonst enorm!“

Sein Dank galt neben den Spielern und Spielerinnen für die fairen und durchwegs hochklassigen Partien natürlich auch den Sponsoren, Oberschiedsrichter Clemens und den unermüdlichen Helfern. „Ohne die wäre es wieder einmal nicht möglich gewesen, das Turnier so reibungslos durchzuführen!“