Premiere in St. Pölten geht klar an Briten. Charlotte Worthington und Declan Brooks drückten dem BMX-Spektakel in St. Pölten eindrucksvoll den Stempel auf.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 18. Juni 2019 (01:14)
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Am Wochenende waren beim Volksfest in St. Pölten die „Thunder Days“ angesagt. Was als kleine Idee von Österreichs BMX-Legende Senad Grosic erst vor wenigen Wochen geboren wurde, materialisierte sich als allererste BMX-Freestyle-Event der Kategorie C1 (eine Stufe unter Weltcup), den es je in Österreich gab.

32 Profis aus 13 Nationen gingen bei Damen und Herren auf die Jagd nach Weltranglistenpunkten und konnten auch einen wichtigen Schritt Richtung Tokyo 2020 machen, denn der Bewerb zählte sogar als Olympia-Qualifikation. Nach der Einführung von BMX-Racing kommt es in Japan zum Premierenevent im BMX-Freestyle. Eine Chance, die sich viele weltbekannte Fahrer nicht entgehen lassen wollen.

Selbst die aktuelle Nummer Eins im BMX-Sport, Justin Dowell aus den USA, war nach St. Pölten gekommen, konnte aber letztlich nicht starten. Er hatte sich vor einer Woche in Kroatien die große Zehe gebrochen, und musste daher passen. „Ich habe es im Training probiert, aber die Schmerzen waren zu groß“, bedauerte er. Zumindest als Zuschauer war er aber an allen drei Tagen dabei und feuerte seine Kollegen begeistert an. In zwei Wochen hofft er wieder fit sein. „Dann gibt‘s die erste Qualichance für die X-Games und da muss ich dabei sein“, meinte er.

„Ein toller Event und wenn ich darf, komme ich sehr gerne nächstes Jahr wieder hierher.“ Damen-Siegerin Charlotte Worthington

In Abwesenheit des großen Stars setzte der Brite Declan Brooks mit zwei spektakulären Runs im Finale der Herren eine Duftmarke. Während bei den Damen seine Landsfrau Charlotte Worthington die Judges von sich überzeugen konnte.

Aufgrund der starken Konkurrenz wurde bei den Damen, wie auch bei den Herren von Beginn an nicht mit spektakulären und technischen Tricks gegeizt. Der Park, der von Organisator und BMX-Aushängeschild Senad Grosic errichtet wurde, bot dafür alle Möglichkeiten. Ein Wallride, zwei Fun-Boxes, eine Spine und zahlreiche Quarters lieferten eine regelrechte Spielwiese für die international renommierten Fahrer.

Bei den Damen qualifizierte sich die Favoritin Lara Lessmann (GER) zwar souverän als Erste, doch im Finale konnte sie in beiden Runs nicht an ihre Leistungen anknüpfen. Nachdem sie den ersten Run nach einem Fehler abbrechen musste, gelang der jungen Deutschen ein fehlerfreier zweiter Durchgang, doch an diesem Tag war Worthington nicht zu schlagen. Die 22-jährige Britin, die bislang einen dritten Rang im Weltcup zu buche stehen hatte, steigerte sich von Lauf zu Lauf und hatte am Ende 4,6 Punkte Vorsprung.

Von den „Thunder Days“ zeigte sie sich begeistert: „Ein toller Event und wenn ich darf, komme ich sehr gerne nächstes Jahr wieder hierher“, hofft sie auf eine Neuauflage des Events. „Ich war heute deutlich höher und weiter bei meinen Sprüngen als je zuvor und konnte so noch bessere meine Tricks zur Geltung kommen lassen!“

Bei den Männern konnte aus dem Favoritenkreis nur der FISE-Weltcupgesamtsieger des Vorjahres, der Kroate Marin Rantes, seine Leistung abrufen. Wie gewohnt zeigte er die anspruchsvollsten Tricks des Feldes, konnte aber seinen Run nicht fehlerlos absolvieren. Einmal setzte er den Fuß bei der Landung ab, und das war gegen Brooks zu viel.

Der Premierensieger absolvierte zwar nicht den schwersten Run des Tages, jedoch blieb er im Gegensatz zu seiner Konkurrenz absolut fehlerlos und zeigte einen Trick, den niemand anderer im Repertoire hatte. Mit einem Frontflip über die Spine begeisterte der die Zuschauer und seine Kollegen gleichermaßen. Schlussendlich waren es 1,06 Punkte, die die beiden Profis voneinander trennten.

Brooks begeistert nach seinem Sieg: „Dadurch, dass nur der beste Lauf zählt hatte ich die Möglichkeit beim zweiten Durchgang mehr zu riskieren und einen absoluten Traum-Run hinzulegen. Der Park war auch richtig gut, die Rampen waren super zu fahren und vor allem die Spine, über die ich meinen Frontflip gemacht habe, war top“, lobte er das Organisationsteam.

Für eine absolute Überraschung sorgte auch der nahezu unbekannte Argentinier Ismael Fries als Dritter. Lokalmatador und Organisator Grosic belegte im Finale den elften Rang und war von der Premiere der Thunder Days sichtlich begeistert: „Es war mein Traum, einen solchen Event auf die Beine zu stellen und damit BMX in Österreich zu fördern. Zu sehen, wie viele Topathleten gekommen sind und St. Pölten gerockt haben, macht mich stolz.“

NÖ-Hoffnung legt eine Talentprobe ab

Der dritte Tag der Thunder Days stand dann im Zeichen der ersten österreichischen Meisterschaft im BMX-Freestyle. Bei den Jugendlichen konnten vor allem der 15-jährige Benjamin Wolf und der erst 13-jährige Niederösterreicher Florian Kratzwald überzeugen. Letztlich setzte sich aber der Ältere knapp durch.

Auch bei den Herren kristallisierte sich ein Zweikampf heraus. Der junge Kärntner Kevin Böck forderte seinen Mentor Grosic heraus. Im Finale gelang Böck ein fehlerfreier ersten Lauf. Da nur der bessere von zwei Runs zählt, konnte der 19-Jährige beim zweiten riskieren, stürzte jedoch. Der 40-jährige Grosic zeigte im Finale seine Klasse. Mit seinen Trademark-Tricks wie dem Back-Flip-Tailwhip begeisterte er die Fans und landete nur aufgrund eines kleinen Fehlers mit 1,12 Punkten Rückstand auf Platz zwei.

Durchgeführt wurde die Siegerehrung von niemand geringeren als Justin Dowell und Marin Rantes. „Ein Finish wie im Bilderbuch“, strahlte Grosic. „Es hat mein Schüler gewonnen und das absolut verdient“, musste er einsehen, einfach auch zu müde von den vielen Strapazen gewesen zu sein. „Die letzten Wochen mit der Organisation und gleich zwei Wettkämpfen gehen bei einem alten Mann an die Substanz“, scherzte er.

Nach der gelungenen Premiere der Thunder Days, ist es das Ziel von Grosic den Event auch im nächsten Jahr nach St. Pölten zu bringen und erneut für ein Spektakel auf internationalem Niveau zu sorgen.