ÖLV-Asse trumpften beim St. Pöltner Prokop-Memorial auf

Erstellt am 01. Juni 2022 | 02:44
Lesezeit: 5 Min
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Hahn im Korb. Markus Fuchs setzte im allerletzten Bewerb, dem 100-m-Hürdensprint ein Glazlicht, verpasste den österreichischen Uraltrekord nur um zwei Hundertstel. Bei den Damen teilten sich Boglarka Takacs (HUN) und Desiree Henry (GBR), die beide auf 11,37 kamenm, den Sieg.
Foto: Claus Stumpfer
St. Pöltner Traditionsmeeting stand im Zeichen von Lukas Weißhaidinger , Markus Fuchs und Lokalmatadorin Lena Pressler.
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Trotz des Antretens zahlreicher internationaler Stars waren es die beiden Österreicher Lukas Weißhaidinger und Markus Fuchs, die dem St. Pöltner Liese-Prokop-Memorial bei dessen 14. Auflage ihren Stempel aufdrückten. Selbst der vierfache Weltmeister im Hammerwerfen, Pawel Fajdek aus Polen, geriet da zum „Pausenfüller“.

Lena Pressler verbessert fast 35 Jahre alten Rekord

Und zum Auftakt des dritten von sieben Austrian Top Meetings stellte Lokalmatadorin Lena Pressler gleich einen neuen ÖLV-Rekord über die 400 Meter Hürden auf. Eine Überraschung auch für die 21-jährige St. Veiterin selbst, die nicht damit gerechnet hatte, dass schon so früh in der Saison der Rekord von Gerda Haas fallen würde. Fast 35 Jahren hatte die 1987 in Athen gelaufene Zeit von 56,86 Sekunden bestand.

Natürlich verdankt Pressler ihre Topzeit auch den starken Gegnerinnen. Denn für einen Sieg reichte es nicht. Der ging an die Kolumbianerin Melissa Gonzales in 55,77 vor Nikoleta Jichova (CZE), die mit 55,82 ebenfalls eine persönliche Bestzeit lief. Dann kam Pressler.

Und so wie das Meeting begonnen hat, hätte es dann beinahe auch geendet. Markus Fuchs schrammte nur um zwei Hundertstel am Uralt-Rekord von Andreas Berger vorbei.

Vom ersten Meter weg lag der 26-Jährige im Finale in Front. Als die Zeit bei gerade noch gültigem Wind von 1,8 m/s bei 10,17 Sekunden stehen blieb, war der Jubel riesig, fehlten doch nur zwei Hundertstel auf den ÖLV-Rekord aus dem Jahr 1988 und gar nur eine Hundertstel aufs EM-Limit für München.

Mit dem Vorstoß auf Rang sieben in der Europa-Rangliste sollte die Qualifikation übers Ranking aber nur Formsache sein. Die Ränge zwei und drei belegten Ex-Hallen-Europameister Jan Volko (SSVK, 10,28) und Jamal Rhoden-Stevens (GBR, 10,29).

Nach seinem Zieldurchlauf schnappte sich Fuchs das Mikro: „St. Pölten ist das geilste Meeting Österreichs!“, rief er und forderte Turnierorganisator Gottfried Lammerhuber, der kurz vorher in Vertretung der Athleten von Beate Taylor in dieser Funktion verabschiedet worden war, zum Bleiben auf. „Keiner sorgt sich so um die österreichischen Athleten, das ist einmalig. Gottfried wir brauchen dich!“

Fürs St. Pöltner Turnier muss Lammerhubers Abschied (siehe das NÖN-Interview mit ihm hier) aber nicht das Ende bedeuten.

Beate Taylor, die auf Heimaturlaub weilt und derzeit als Trainerin ihres Ehemanns, dem zweifachen Olympiasieger im Dreisprung Christian Taylor fungiert, der nach seinem Patellasehnenriss heuer bei seiner Heim-WM in Eugene (USA) auf die Wettkampfbühne zurückkehren möchte, hat signalisiert, dass sie mithelfen möchte, das Turnier zu organisieren.

Weißhaidinger zeigt sich stark verbessert

Dass das 14. Prokop-Memorial ein vollends gelungener Abschluss von Lammerhubers Veranstalterlaufbahn wurde, dafür sorgte Lukas Weißhaidinger. Das Diskusass zeigte bei schwierigen äußeren Bedingungen Weltklassewürfe. Mit einer Siegerweite von 65,98 Metern überraschte er sogar Trainer Gregor Högler. Für den wären bei dem Rückenwind schon 63 Meter eine gute Weite gewesen.

Der Jamaikaner Travis Smikle, der sich hinter Weißhaidinger auf Rang zwei einreihte, schaffte „nur“ 62,67. Vor weniger Tagen hatte Weißhaidinger bei der Diamond League in Birmingham 65,14 geworfen.

Vom Wind negativ beeinträchtigt waren auch die Hammerwerfer. Der Pole Pawel Fajdek kratzte nach zwei Fehlwürfen im dritten Versuch mit 79,82 trotzdem an der 80-m-Marke. „Ohne Wind sind hier locker mehr als 80 Meter drinnen“, meinte auch er, gern Wiederkommen zu wollen, dann mit dem fünften WM-Titel in Folge in der Tasche. „Das hat noch kein Leichtathlet, keine Leichtathletin je geschafft“, nannte er sein Saisonziel.

Österreichs Olympiateilnehmerin Victoria Hudson (SVS LA) gewann mit 58,32 Metern den Speerwurf klar vor der Sechsten der U-23-EM Patricia Madl (SU IGLA long life, 49,39). St. Pöltens Mehrkampf-Ass Ivona Dadic hat mit 45,30 Metern in dieser Disziplin einen Vorbereitungswettkampf absolviert.

Kein gutes Ende nahm der 100-m-Hürdenbewerb für die Olympia-Bronzene Megan Tapper. Die Jamaikanerin kam im Finale schon bei der ersten Hürde zu Sturz. Karin Strametz (SU Leibnitz) übernahm die Führung, war aber bei den letzten drei Hürden zu knapp dran. So wurde sie noch von Joni Tomicic Prezelj (SLO, 13,30) um drei Hundertstel abgefangen.

Einen Sprung nach vorn machte Magdalena Lindner auf ihrer Heimbahn. Sie verbesserte ihre 100-m-Saisonbestleistung von 11,82 auf 11,61 (1,6). Ein Stockerlplatz blieb ihr trotzdem verwehrt. Mit 12,13 unterbot St. Pöltens Moyo Bardi die Norm für die U-18-EM in Jerusalem um 12 Hundertstel.

Fast einen Stadionrekord hätte es im Hochsprung durch Joel Clarke-Khan gegeben. Der Brite scheiterte im ersten Versuch hauchdünn an den 2,26 Metern, lag mit übersprungenen 2,23 am Ende aber vorn. Den störenden Wind sah er durch die tolle Anlage mehr als kompensiert. „Der Boden hier ist super responsiv und ich liebe es, wenn die Sonne scheint!“