St. Pöltner Niederlage mit Rumpftruppe stand im Zeichen von Corona

Derby gegen Tulln fand nach heftigem Protest der St. Pöltnerinnen auf Anordnung des ÖHB unter Ausschluss der Öffentlichkeit doch statt.

Erstellt am 24. November 2021 | 02:09
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Leere Tribünen bereits am Samstag in St. Pölten und ein Antreten beim Derby nur unter Protest. Die Gastgeberinnen waren aufgrund von Covid-19-Fällen stark ersatzgeschwächt, mussten aber spielen. Patricia Elena Buznean und Co. wehrten sich nach Kräften, liefen sich aber letztlich an Tullns Abwehrmauer fest.
Foto: NOEN

Am Freitag wurde eine Wiener Spielerin der Union St. Pölten informiert, dass der am Donnerstagfrüh routinemäßig abgenommene PCR-Test positiv war. Sie wies am Freitag trotz abgeschlossener Immunisierung bereits starke Symptome einer Covid-19-Infektion auf.

Da sie am Mittwoch mit der WHA-Challenge trainiert und mit zwei Spielerinnen im Auto zum Training gekommen war, informierte der Verein sofort den ÖHB und den gegnerischen Verein und ersuchte um Spielverschiebung, da es nicht mehr möglich war, rechtzeitig vor Spielbeginn behördliche Bescheide und Ergebnisse von PCR-Tests der Kontaktpersonen zu erhalten.

„Eine Spielverschiebung ist laut Durchführungsbestimmungen nur bei mindestens drei positiv getesteten Spielerinnen verpflichtend.“ Argumentation der ÖHB-Task-Force

Die Überraschung war groß, als in dieser insgesamt angespannten Pandemielage die Antwort kam: Tulln verschiebt nicht, die Entscheidung liegt bei der ÖHB-Task-Force (fünf Personen, davon zwei aus Tulln).

Die ÖHB-Task-Force argumentierte: „Eine Spielverschiebung ist laut Durchführungsbestimmungen nur bei mindestens drei positiv getesteten Spielerinnen verpflichtend. Da es in den letzten Wochen vermehrt bei nur einem positiv getesteten Fall blieb und die Infektion nicht weiter gegeben wurde, muss das Spiel (72 Stunden nach der Exposition, ohne PCR-Tests) durchgeführt werden.“

Union-Sektionsleiter Gerhard Halm ist verärgert: „Die Vorgehensweise, wenn eine Spielerin 24 Stunden nach dem Training symptomatisch an Covid-19 erkrankt und ein positiver PCR-Test vorliegt, ist in unserem Präventionskonzept ganz klar geregelt. Wir legen die Trainingsgruppe sofort still, erinnern die Spielerinnen an die Verhaltensregeln, informieren die vorgeschriebenen Stellen und warten auf Anweisungen der Gesundheitsbehörden. Dass diese aufgrund der hohen Fallzahlen mit dem Ausstellen der Bescheide nicht mehr nachkommen, berechtigt aus unserer Sicht niemanden, diese Entscheidung vorwegzunehmen! Gerade in so einer kritischen Situation ist es wichtig, verantwortungsbewusst zu handeln. Die Gesundheit aller Beteiligten steht an oberster Stelle. Rückblickend hätten wir nicht antreten und ein 0:12 mit Geldstrafe in Kauf nehmen müssen. Wir wurden aber von der kurzfristigen Entscheidung der ÖHB-Task-Force vier Stunden vor Spielbeginn überrascht.“

Nach Rücksprache mit dem Vereinsarzt wurden alle Spielerinnen mittels Schnelltests getestet und die Kontaktpersonen mit Hochrisiko-Exposition trotz Impfung nicht eingesetzt. Aufgrund der zahlreichen Covid-19-Fälle im Umfeld beider Vereine wurden beide Spiele (auch Future-Teams) in Absprache mit der Stadt St. Pölten ohne Zuschauer ausgetragen.

Trainerin Rita Varga-Borbás hadert mit der Entscheidung des ÖHB: „Ich verstehe, dass Tulln heuer unbedingt aufsteigen will. Sie wissen, dass zwei Führungsspielerinnen bei uns ausfallen und müssen das ausnützen. Aber die Entscheidung des ÖHB verstehe ich nicht. Alle anderen Spiele, bei denen ein Verdachtsfall auftrat, wurden verschoben.“

Aufholjagd St. Pöltens wird nicht belohnt

Das Spiel selbst startete mit einem 3:0-Lauf der Tullnerinnen. In der 4. Minute gelang Fanni Friebesz das erste Tor für St. Pölten (1:3). Die Abwehr der Gastgeberinnen stand gut, aber vorn wollte der Ball zu selten ins Tor. Auch zwei Strafwürfe wurden gleich in der Anfangsphase vergeben. In der 21. Minute stand es 13:3 für die Tullnerinnen, wenig später 14:4.

Bettina Schlögl brachte dann aber eine kleine Wende ins Spiel. Gemeinsam mit Patricia Buznean sorgte sie für eine Aufholjagd zum Halbzeitstand von 10:15. Und auch nach der Pause drückten zunächst die St. Pöltnerinnen. Buznean verkürzte auf 15:18 (38) und Lajla Alkic hatte sogar die Chance, mit einem Strafwurf auf -2 zu verkürzen – doch auch dieser wollte nicht ins Tor.

St. Pölten blieb dran, kämpfte weiter, musste sich aber schlussendlich mit 18:25 geschlagen geben.

Interims-Cotrainerin (wegen Covid 19) Waltraud Wagner war trotzdem stolz auf das Team. „Nach Anfangsproblemen fanden die Mädels noch gut ins Spiel. Bitter war aber die Trefferquote. Alleine die vier vergebenen Siebenmeter hätten schon die Wende bringen können.“ Auch positiv: „Die ganze junge Aufbaureihe hat viel Spielzeit bekommen und diese gut genutzt.“

St. Pöltens aufgrund von Covid-Verdachtsfällen und Verletzungen dezimierte U 16 siegte im Nachwuchsbewerb klar.