Wallner gewinnt Hitzeschlacht. Der 28-Jährige muss nach dem Wilhelmsburger Stadtlauf kurz von Sanitätern versorgt werden.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 28. Juli 2021 (01:35)
13. Wilhelmsburger Stadtlauf
Auch Sieger Kevin Wallner musste der Hitze Tribut zollen.
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300 Läufer und Läuferinnen aller Altersklassen gingen beim 13. Wilhelmsburger Stadtlauf an den Start. In diesem Ausnahmejahr wegen Corona war die Veranstaltung von einigen Neuerungen begleitet. Die Naturfreunde Wilhelmsburg-Göblasbruck nahmen die Herausforderung der Lauforganisation an und wurden mit positivem Feedback der Sportler belohnt. Die Kinder- und Jugendläufe wurden auf den Vorabend verlegt. „Die Stimmung unter den 124 Kids war großartig“, freut sich Dörflinger. Die Freude und Motivation der Kinder übertrug sich auf die Zuschauer, wodurch es sehr stimmungsvolle Läufe und Siegerehrungen wurden.

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Goldkontrolle. Der Nachwuchs lief bereits am Freitag um Medaillen und Pokale. Der Ehrgeiz war groß, der Spaß kam nicht zu kurz.
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Hauptlauf und Jedermannlauf am Samstag wurden zur Hitzeschlacht. Bei über dreißig Grad nahmen die 176 Aktiven die Laufstrecke über zehn beziehungsweise fünf Kilometer in Fünf-Sekunden-Intervallen in Angriff. „Durch die Intervallstarts kam es zu keinen größeren Gruppenbildungen auf der Laufstrecke“, erklärt Organisator Günther Dörflinger. Befürchtungen, dass es nicht gelingen würde, alle Sportler in der Schlange rechtzeitig zum Start zu bringen, bewahrheiteten sich nicht. Alles klappte dank der Profis von Pentek-Timing problemlos. Gelaufen wurde auf der traditionellen Runde, vom Park in die Innenstadt, entlang des Traisenufers,zurück in den Park.

Auch der Sieger muss früh Tempo rausnehmen

Den Hauptlauf (vier Runden) gewinnt mit dem St. Veiter Kevin Wallner (M 20) der aufstrebende Mittelstreckenläufer von Union St. Pölten in 33:23 Minuten. „Eigentlich wollte ich unter 33 Minuten laufen, doch schon nach einer Runde musste ich mein Tempo wegen der Hitze reduzieren, und in den letzten beiden Runden war nur mehr Ankommen das Ziel“, ist auch Wallner gezeichnet von den Strapazen und muss im Ziel von den Samaritern kurz versorgt werden. „Das ist mir erstmals passiert, was zeigt, wie hart es heute war“, meint er. Wallner bereitet sich auf die NÖ Meisterschaften über zehn Kilometer auf der Bahn Ende August vor. „Ein paar Volksläufe werde ich vorher noch bestreiten“, ist es sein Ziel, ein Wörtchen um den Titel mitzureden. „Ein Stockerlplatz soll es schon werden!“

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Roli Hinterhofer (r.) wurde Zweiter und der 53-jährige Billy Stöckl lief zum 13. Mal in Wilhelmsburg aufs Stockerl.
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Gefolgt wird Wallner von Vereinskollege Roland Hinterhofer (1. M 30) mit 36:21 Minuten und Lokalmatador Andreas „Billy“ Stöckl (1. M 50, 36:38 Minuten). „Ich habe heuer kaum trainiert, hatte aber viel Arbeit und bin seit Frühjahr jeden Tag auf Dächern herumgekraxelt“, meint der Dachdecker und Modellathlet (61 kg Körpergewicht bei 168 Zentimeter Körpergröße). Stöckl war bei jedem Stadtlauf dabei, stand immer am Stockerl und wurde zudem immer Stadtmeister. So auch heuer! „Aber keiner hat es mir bislang so schwer gemacht, wie heuer Michi Holland“, gesteht Stöckl im Ziel.

Der Lokalmatador Holland (M 20) war als Erster auf die Strecke gegangen und nicht Lauffavorit Wallner. Der Mountainbiker hatte in der Vorwoche nicht nur die Salzkammergut-Trophy gewonnen, sondern auch eine Wette mit den Veranstaltern des Stadtlaufs: „Sie haben gemeint, dass ich die Nummer Eins bekomme, falls ich im Salzkammergut gewinne. Weder die Veranstalter noch ich haben das aber ernsthaft in Erwägung gezogen“, erzählt er. Es sollte anders kommen! Holland triumphierte sensationell in seiner Klasse (die NÖN berichtete). Also gab’s die Startnummer Eins.

Radass läuft erstmals zehn Kilometer

Ohne Erfahrungswerte über diese Laufdistanz hatte Holland vor dem Rennen nur gemeint, gerne unter 40 Minuten bleiben zu wollen. Die Hitze erschwert dann die Einschätzung des richtigen Anfangstempos aber noch mehr für den 23-Jährigen. Dass er gleich vom losstürmenden Wallner „geschluckt“ wird, macht es nicht einfacher. Am Ende wird Holland aber starker Fünfter und mit der Zeit von 37:45,9 muss er sich auch nicht verstecken. „Trotzdem bestreite ich lieber dreimal hintereinander die Salzkammergut-Trophy, als zehn Kilometer unter diesen Hitzebedingungen zu laufen“, wirkt auch er im Ziel „erledigt“.

13. Wilhelmsburger Stadtlauf
Bei den Damen über zehn Kilometer siegt Sabine Pointner.
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Umso bemerkenswerter ist die Leistung des 90-jährigen Wieners Rudolf Bergen, der sich beim Jedermannlauf über fünf Kilometer in der Klasse M 70 in 40:32,8 Minuten den zweiten Platz sichert und etliche jüngere Läufer hinter sich lässt.

„Dabei sind wir 30 Minuten bei der Westausfahrt im Stau gestanden“, hatte er schon Angst, nicht rechtzeitig anzukommen. Außerdem erinnert er sich, dass er schon vor rund 60 Jahren einmal einen Lauf in Wilhelmsburg bestritten hat, seither aber nicht mehr. „So lange warte ich jetzt nicht mehr auf den nächsten Start hier“, scherzt er.

Überhaupt ist der Jedermannlauf extrem spannend. Bei den Herren kann erstmals Richard Spörer als gebürtiger Wilhelmsburger in 17:32 Minuten den Tagessieg holen. Dicht gefolgt von Joachim Wengschen (17:56) und Stefan Wegerer (18:02, ULC Transfer St. Veit). Bei den Damen gewinnt Margit Racz (ATSV OMV Auersthal, 20:26) vor Elisabeth Eber (21:48) und Verena Kaiser (22:21, ULC Transfer St. Veit).

Bei den Damen über zehn Kilometer siegt übrigens die für den LC Kapelln startende St. Pöltnerin Sabine Pointner überlegen in 45:27 Minuten. Sichtlich geschafft wegen der Hitze kommt auch sie ins Ziel, wo es anstelle einer Labe für jeden ein Finishersackerl mit verschlossenen Getränken und Stärkungen gibt.

70 Helfer sorgen für einen perfekten Event

„Eine gelungene Veranstaltungen nach einer langen wettkampfarmen Zeit“, meint Dörflinger, der den Bewerb nach der erzwungenen Absage im Vorjahr heuer unbedingt durchboxen wollte. „Wenn wir zwei Jahre pausiert hätten, wären wir nicht nur von den Sportlern vergessen worden, schlimmer wäre noch der Aderlass in unserem Organisationsteam gewesen“, befürchtete er einen Helferschwund. So aber konnte er sich wieder auf über siebzig „Blauhemden“ seines Vereins verlassen.