Andreas Frasl: „Spitzenerfolge gibt es nicht umsonst“. Diese Weisheit hat Andreas Frasl trotz Rückschlägen stets beherzigt. Nun ist er Europameister im Bankdrücken!

Von Bettina Kulmer. Erstellt am 24. Oktober 2018 (01:23)
Günter Haberfellner, Andreas Frasl und Thomas Wetzstein (v.l.) vertraten den HSV Langenlebarn mehr als würdig bei der EM.
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Es war kein leichter Weg an die Spitze. Obwohl sich Andreas Frasls Talent schon früh gezeigt hat, schrammte er bei internationalen Meisterschaften stets am Podest vorbei. Insgesamt acht vierte und fünfte Plätze legen davon Zeugnis ab.

Doch der HSV-Athlet ließ sich davon nicht beirren, denn sein oberstes Gebot lautet: „Niemals aufgeben! Spitzenerfolge gibt es nicht umsonst.“ Und so reiste er perfekt vorbereitet zu den diesjährigen Europameisterschaften im Bankdrücken nach Luxemburg. Er stieg als letzter Athlet in seiner Gewichtsklasse (bis 66 kg) mit mutigen 222,5 kg an, was gleichzeitig einen österreichischen Rekord bedeutet hätte.

Die Anspannung kostete ein paar Prozentpunkte an Konzentration und er bekam den Versuch ungültig bewertet. Stanislav Urusov, sein härtester Konkurrent, lag mit 217,5 kg voran. Also musste der Zweitversuch Frasls gelingen. Erneut ließ er also die 222,5 kg auf seine Brust herabsinken und drückte dann die Last entschlossen nach oben – diesmal für die Schiedsrichter technisch korrekt und gültig.

Der russische Gegner musste nachlegen und verlangte 225 kg. Das Vorhaben misslang. Urusov konnte die Arme nicht vollständig durchdrücken und damit stand fest: Der neue Europameister heißt Andreas Frasl. Sichtbar erleichtert machte der sich daran, den Europarekord zu knacken: 243 kg! Höchst souverän drückte er die enorme Last nach oben, doch zwei der drei Schiedsrichter meinten, Frasl habe das Gesäß leicht angehoben. Der lang gehegte Traum von Gold war aber in Erfüllung gegangen.

Dank Leopold Höller zum Spitzensportler

Der Tullner kann höchst zufrieden auf seine Karriere zurückblicken. Mit 18 ging er zum ersten Mal ins Fitnessstudio und war von der Bank „wie magisch angezogen, doch anfangs konnte ich gerade mal die leere Hantelstange drücken“. Den Weg zum Spitzensport ebnete ihm der langjährige HSV-Obmann Leopold Höller. Er erkannte Frasls großes Talent und nahm ihn unter seine Fittiche. „Für einen Außenstehenden mag es so aussehen, als käme es nur auf die Kraft an. Doch ohne die komplexe Technik ist man international im Nirgendwo.“ Nach einem Jahr „Höller-Schule“ wurde er an die Gitty-City Stockerau vermittelt, da dem HSV damals die Kraftdreikampf-Sparte fehlte.

Es begann eine Serie zahlreicher Staats- und Landesmeistertitel sowie nationaler Rekorde. Ende 2007 schaffte er dann das Limit für den österreichischen Nationalkader und wurde bereits im Jahr darauf zu den ersten Europameisterschaften geschickt — also genau zehn Jahre vor dem EM-Titel. Der Senkrechtstarter errang auf Anhieb Platz vier im Kraftdreikampf und Platz fünf im Bankdrücken. Doch ein schwerer Leistenbruch zwang ihn zur eineinhalbjährigen Zwangspause.

2013 konnte Frasl in seine sportliche Heimat, den HSV Langenlebarn, zurückkehren.