Titelverteidiger Tulln ist entthront. Stockerau krönte sich in Tulln zum neuen Landesmeister. Tulln hielt zwei Drittel lang super mit.

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 28. Februar 2018 (01:13)
Stockeraus Kapitän Schnopfhagen mit der Sektdusche.
NOEN

Es war ein offener Kampf, zumindest zwei Drittel lang. Tulln ging durch Florian Fuchs zwei Mal in Führung, kassierte aber Sekunden nach dem 2:1 den abermaligen Ausgleich. Auch das 3:4 fiel unmittelbar, nachdem Mario Schatz das Tor des Abends erzielt, ein super Solo und einem Schuss ins Kreuzeck abgeschlossen hatte. Es war ein ständiges Auf und Ab, ein Wechselbad der Gefühle.

Tor für Tulln, fast im Gegenzug das Gegentor. „Das haben wir nur schwer verkraftet, war ein Spiegelbild zur ersten Partie und in unseren Köpfen drinnen“, stöhnte Trainer Patrick Privoznik. „Das ist wie in Stockerau“, pflichtete Obmann Willi Hummel bei, der ein Auge auch auf sein Handy hatte – zum Live-Stream eines Damen-Eishockey-Spiels, das auf der anderen Seite der Erde ausgetragen wurde. Tochter Vicky bestritt zeitgleich mit Maine das Viertelfinal-Spiel gegen die Boston University.

Mit einem Gegentor in die Pause

Bitter waren zwei Dämpfer zum schlechtest-möglichen Zeitpunkt: Kurz vor dem Ende des ersten und zweiten Drittels fingen sich die Hausherren einen Gegentreffer ein. Beim 2:3 – 19 Sekunden vor der Sirene – machte Tullns etatmäßige Nummer drei Christoph Posautz unglückliche Figur. Trainer Privoznik nahm seinen Goalie aber in Schutz, „der Schuss war abgefälscht“. Und vom 4:6 (39.) konnten sich die bis dahin auf Augenhöhe gewesenen Tullner nicht mehr erholen.

Im letzten Drittel saßen bis zu vier Tullner gleichzeitig auf der Strafbank.
NOEN

Davor hatte Tulln aufopfernd gekämpft und selbst eine 3:5-Unterzahl-Situation unbeschadet überstanden. Sandro Köchl spielte in dieser Phase kurz sogar ohne Schläger, weil dieser zu Bruch gegangen war. Privoznik: „Wir haben um jeden Zentimeter gefightet.“ Tulln kam auch zu guten, teils hundertprozentigen Chancen, konnte sie aber nicht verwerten – auch das war mitentscheidend.

Im Schlussabschnitt fehlten die Kräfte, um die erhoffte Aufholjagd zu starten. Zwischenzeitlich saßen vier Tullner gleichzeitig auf der Strafbank.

Tulln-Kapitän Mario Schatz streckt den kleinen Vizemeister-Pokal in die Höhe, der Rest der Mannschaft macht die Welle.
NOEN, Wolfgang Stritzl

Stockerau ging im Duell mit dem Titelverteidiger, der bis zu den Finalspielen 16 Siege in Folge (!) gefeiert hatte – als verdienter Sieger hervor, ist ein würdiger Landesmeister. Gerald Moll, Vizepräsident des NÖ-Landesverbandes, schritt nach der Schlusssirene zur Siegerehrung. „Es war ein spannendes, hochwertiges, schnelles Spiel. Es wurde alles geboten, was diesen Sport so faszinierend macht. Tulln hat Stockerau voll gefordert.“