Erneuter Streit um Olympia-Ticket. Viktoria Wolffhardt war für Olympia 2020 fix qualifiziert. Jetzt wird die Qualfikation wieder eröffnet und Corinna Kuhnle hat zumindest eine kleine Chance.

Von Christoph Nurschinger. Erstellt am 02. Dezember 2020 (02:00)
Viktoria Wolffhardt muss sich nach der bestandenen Olympia-Quali erneut für Olympia qualifizieren.
Philip Platzer/Red Bull Content Pool

Die Nachricht muss bei den Wildwasser-Spezialistinnen Viki Wolffhardt und Corinna Kuhnle eingeschlagen haben wie eine Bombe: Die Olympia-Qualifikation wurde wieder geöffnet.

Corinna Kuhnle hat nun doch noch eine Chance auf ein Olympia-Ticket. Ihre Chancen sind allerdings äußerst gering.
Rebekka Anton

Kurz zur Vorgeschichte: Die Tullnerin Viki Wolffhardt hatte sich in der Saison 2019 in der Disziplin Kajak Einer gegen ihre Konkurrentinnen – vornehmlich gegen die Höfleinerin Corinna Kuhnle – durchgesetzt. Nachdem im März die Entscheidung gefallen war, die Olympischen Sommerspiele zu verschieben, war Wolffhardt von Seiten des Kanuverbandes (ÖKV) versichert worden, sie werde in Tokio starten.

„Eigentlich wollte ich mich nicht vor den Olympischen Spielen operieren lassen.“ Viktoria Wolffhardt

Auch das Internationale Olympischen Komitée (IOC) gab an, dass alle bereits für die Sommerspiele qualifizierten Athleten ihre Startplätze für 2021 behalten würden. Mit dieser Information entschloss sich Wolffhardt dazu, im April eine länger überfällige Schulter-Operation durchführen zu lassen. „Ich bin seit Jänner 2019 mit meiner Verletzung gepaddelt und wollte sie eigentlich nicht vor Olympia beheben lassen. Weil aber die Spiele verschoben wurden, dachte ich mir, dass sei ein super Zeitpunkt, um das richten zu lassen und dadurch eine bessere Vorbereitung für die Spiele zu haben.“

OP nur wegen vermeintlicher Quali

Jetzt ist wieder alles anders. Das Österreichische Olympische Komitée (ÖOC) forderte eine Leistungsbestätigung, da Qualifikation und Olympia zu weit auseinander liegen würden. Alle betroffenen Verbände, unter anderem auch der Pferdesport-, Triathlon- oder Segelverband, wurden gebeten, Adaptierungen an deren nationalen Selektionssystemen vorzunehmen, um der außergewöhnlichen Situation gerecht zu werden. „Mit dem Kanuverband, der sich intern uneinig war, hat sich dieser Prozess über mehrere Monate hingezogen. Das war weder im Interesse der Athleten noch des ÖOC“, so ÖOC-Sportdirektor Christoph Sieber.

So kommt Wolffhardt zu Olympia

Im Frühjahr sollen jedenfalls zwei Bewerbe für die Bestätigung der Qualifikation herangezogen werden: die Kanu-EM in Italien und ein Weltcup-Rennen in Tschechien. Schafft Wolffhardt in beiden Rennen den Einzug ins Semifinale, ist ihr das Ticket sicher. Kuhnle müsste hingegen zwei Podestplätze holen und darauf hoffen, dass Wolffhardt nur in eines der Semifinali kommt. Wolffhardt wird gegenüber also ein Vorsprung eingeräumt. Dies empfiehlt auch das ÖOC: „Athleten, die sich bereits im September 2019 qualifizierten, haben bei der Leistungsüberprüfung einen klaren Startvorteil.“

„Nur schwernachvollziehbar“

„Für mich als Trainer ist die Entscheidung schwer nachvollziehbar. Man beraubt sich dadurch selbst der Stärke, denn sonst hätte man sich gezielt nur auf die Spiele vorbereiten können und nicht auf zwei zusätzliche Wettkämpfe“, so ÖKV-Cheftrainer Helmut Oblinger. Wolffhardt: „Es war ein Schock. Ich war darauf eingestellt, dass ich keine Wettkämpfe mehr fahren muss und mich voll auf Olympia konzentrieren kann.“

Statt erst am 31. Juli 2021 fit sein zu müssen, ist jetzt bereits im Mai Topform gefragt. „Das ist für den Formaufbau für die Spiele nicht optimal. Noch dazu kann man in den Ländern, in denen die beiden Rennen stattfinden, derzeit nicht trainieren“, erklärt Oblinger. Er ist aber auch überzeugt davon, dass Wolffhardt den richtigen Zeitpunkt für ihre Operation geplant habe und dass es insgesamt im Kajak sehr gut für sie aussehe. „Ich gehe davon aus, dass sie es schaffen wird.“

„Ich sehe das ganz nüchtern. Ich bin nicht fix qualifiziert – egal wie einfach die Kriterien von außen betrachtet erscheinen sollten. Es kann immer etwas schiefgehen; das Paddel kann brechen, ich kann krank werden,“ erklärt Wolffhardt.

ÖKV-Präsident Gerhard Peinhaupt versucht zu beschwichtigen: „Eine Leistungsüberprüfung ist selbstverständlich, weil zwei Jahre dazwischen liegen. Ich verstehe die Sorge nicht. Viki ist motiviert und wir erwarten, dass sie das leicht schafft. Für uns hätte auch eine Trainerbeurteilung gereicht, aber das OÖC wollte eine Leistungsüberprüfung bei einem Wettkampf.“

Herbert Preisl, der seinen Posten als Verbandspräsident wegen der Streitigkeiten in dieser Causa abgeben musste, sieht das gänzlich anders: „Die Qualifikation 2019 hat für die Spiele 2021 keine Aussagekraft. Es wurde massiver Druck auf mich ausgeübt, um die jetzige Regelung durchzuboxen, die meiner Meinung nach äußerst einseitig ist.“

Preisl sieht Wolffhardt bevorteilt

Preisl hätte sich eine ausgeglichenere Startposition für das Rennen um das Olympiaticket gewünscht: „In 14 internationalen Rennen war Viktoria Wolffhardt nur zwei Mal schneller als Corinna Kuhnle und jetzt hat sie einen Vorsprung, der uneinholbar ist.“ Zusätzliche Brisanz erhält die Streitfrage durch den Umstand, dass es Kuhnle war, die letztes Jahr den Quotenplatz für Österreich fixierte.

Kuhnle selbst ist zurückhaltend: „Meiner Meinung nach sollte sichergestellt werden, dass die bestmögliche Mannschaft mit den besten Athleten entsendet wird. Das ist die Aufgabe des ÖOC und das schuldet man auch den Steuerzahlern.“ Glücklich scheint mit der getroffenen Entscheidung also keine Seite.