Es weht ein rauer Wind für den UHC Tulln. Der UHC Tulln bezahlt Lehrgeld. Nach der Pause konnte der Aufsteiger das hohe Tempo des Vöslauer HC nicht mehr mitgehen. Tulln verzweifelte an Ex-UHC-Goalie Mario Dubovecak.

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 11. September 2019 (01:33)
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Andras Bozso hatte Probleme, sich gegen die gut stehende Deckung der Vöslauer durchzusetzen. Mit fünf Toren war er aber der erfolgreichste Werfer Tullns. Links: Maximilian Wolffhardt.

Vöslau verzeichnete einen Blitzstart in beide Hälften (0:2, 1:3 bzw. von 16:16 auf 16:18). Jener nach der Pause war spielentscheidend. Denn Tulln konnte den Rückstand nicht mehr wettmachen.

In der ersten Halbzeit war die Aufholjagd noch gelungen. Oliver Nikic hatte Tulln mit einem Doppelschlag erstmals in Führung gebracht (13:13, 14:13), wieder Nikic (mit einer herrlichen Einzelleistung) und Maximilian Wolffhardt erhöhten sogar auf Plus-zwei (16:14).

Tulln gegen Dubovecak

Mit 16:16 ging es in die Pause. Nach gewechselten Seiten avancierte Goalie Mario Dubovecak zum Tullner Sargnagel. Reihenweise brachte der kroatische Routinier Andras Bozso & Co. zur Verzweiflung.

Dubovecak? Kenner der Tullner Handball-Materie erinnern sich noch an diesen Namen. Tatsächlich hat Mario Dubovecak zu Tullner Europacup-Zeiten in der Saison 2004/05 mit den Partien gegen Sporting Lissabon beim UHC gespielt, sich aber kurz nach seiner Verpflichtung das Kreuzband gerissen, sodass „Igor“ Moayad sein Comeback feierte. Am Samstag kam der mittlerweile 45-jährige Dubovecak als Gegner an seine alte Wirkungsstätte – und avancierte prompt zum Matchwinner seiner Mannschaft.

Unnötige Zwei-Minuten-Strafen wie jene für den übermotiviert einsteigenden Mathias Riedlmayer machten es Tulln zusätzlich schwer. Die Entscheidung: Philipp Wottawa scheiterte an Dubovecak, und statt Minus-Eins stand es im Gegenzug Minus-Drei (20:23) – und obendrein gab es eine Zeitstrafe für jenen Mann, der in der ersten Halbzeit für die Wende gesorgt hatte (Oliver Nikic).

„Das war ein absolutes Lehrspiel“

„Wir haben gebraucht, den serbischen Legionär in den Griff zu bekommen. Dann hatten wir Probleme mit dem rechten Aufbau der Vöslauer. Trotzdem sind wir in Führung gegangen und hätten das Plus-zwei sogar ausbauen können. Nach der Pause haben wir das hohe Tempo nicht mehr mitgehen können“, forschte Trainer Jörg Sibral nach Ursachen für die Niederlage.

Sein Fazit: „Das war ein absolutes Lehrspiel. Wir sind in einem Lernprozess und stellen uns als Aufsteiger hinten an. Die Mannschaft muss sich erst an das hohe Tempo in der Bundesliga gewöhnen, und das geht nicht von einem Tag auf den anderen.“

„Hinten war es zu wenig, in der zweiten Halbzeit auch vorne. Wir haben es nicht geschafft, die Vöslauer Deckung in Bewegung zu bringen, schlechte Abschlüsse genommen“, so sportlicher Leiter Georg Pferschinger.

Grund zur Sorge bestehe nicht. „Passiert ist noch nichts“, verweist Sibral darauf, dass auch die aufstiegsambitionierten Hollabrunner erst bei einem Punkt halten und es auch den früheren Aufsteigern Korneuburg und Atzgersdorf ähnlich erging. Atzgersdorf ist auch Tullns nächster Gegner. „Das wird genauso ein Kampf. Spielerisch werden wir sie nicht schlagen können. Wir müssen um jeden Ball kämpfen wie die Eseln.“ Was die Aufgabe nicht leichter macht: „Atzgersdorf ist äußerst heimstark.“