Tolle Tullner Aufholjagd gegen Fivers. Patrick Gasperov war mit zehn Toren und den letzten zwei in Folge Vater des Unentschiedens. Tulln lag schon fünf Tore zurück. „Haben bis zur letzten Sekunde gekämpft.“

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 20. Januar 2021 (01:43)
20:24 stand es 18 Minuten vor Schluss. Zehnfach-Torschütze Patrick Gasperov warf in der Schlussviertelstunde noch vier Tore und rettete dem UHC Tulln damit noch das Unentschieden.
Oliver Scholz

TULLN - FIVERS 2 27:27. Obwohl Tulln den letzten Angriff im Spiel hatte: Das Unentschieden fühlte sich wie ein Sieg an. Denn der UHC war zwischenzeitlich bereits mit fünf Toren zurück gelegen (17:22, 36.). Die Aufholjagd krönte schließlich Patrick Gasperov, der nach seiner Zwei-Minuten-Strafe, die er nach einem Siebenmeter-Foul zum vermeintlich entscheidenden 25:27 in der 53. Minute ausfasste, zwei Tore in Folge erzielte und seinen Farben den bereits verloren geglaubten Punkt rettete.

Den besseren Start hatte noch Tulln verzeichnet. Die Heimischen setzten sich mit einem 3:0-Run auf 7:4 ab. Dann kam Sand ins Getriebe. Mit vier Toren in Folge gingen die Fivers ihrerseits in Führung (aus Tullner Sicht von 9:7 auf 9:11) und gaben diese bis zum letzten Tor des Abends auch nicht mehr her.

Tulln gewann die letzten 15 Minuten mit 6:2

Eine Viertelstunde vor Schluss sahen die Gäste wie der sichere Sieger aus. In dieser Phase hagelte es Zeitstrafen der guten Schiedsrichter, für Foul und Revanchefoul gab es doppelte Zwei-Minuten-Hinausstellungen.

Tulln stellte um, forcierte in der Abwehr eine 5:1-Deckung mit Moritz Schobert als vorgezogenen „Einser“. Dies störte den Spielaufbau der Fivers empfindlich, auch Goalie Milan Cucuz steigerte sich und hielt wichtige Bälle.

Tatsächlich: Zwei Mal Gasperov, Maximilian Wolffhardt und Mislav Nenadic glichen auf 25:25 aus. Alles war wieder offen. Das Momentum sprach plötzlich für die Hausherren. Die Wiener aber schlugen zurück und gingen durch Schrattenecker und einen verwandelten Siebenmeter von Dvorak erneut mit zwei Toren in Führung.

Dann holte Patrick Gasperov mit seinem Doppelpack die Kastanien aus dem Feuer.

Er hatte im letzten Angriff sogar noch den möglichen Sieg auf der Hand, warf aber in den Block. Trainer Zeljko Gasperov machte seinem Sohn natürlich keinen Vorwurf: „Natürlich war das ärgerlich, das Unentschieden war aber gerecht und Patrick unser bester Spieler“, weiß UHC-Trainer Zeljko Gasperov. Tatsächlich stand Mislav Nenadic, mit neun Toren aus dem Spiel der erfolgreichste Tullner Werfer, etwas im Schatten von Gasperov, der dank zweier verwandelter Siebenmeter zehn Mal seine Visitenkarte abgab und in den entscheidenden Momenten Verantwortung übernahm.

Obwohl er seine Mannschaft bei erst 70 Prozent sah („wir können uns noch steigern!“), war Gasperov mit der Leistung im Grunde sehr zufrieden: „Es war ein gutes Spiel, vor allem am Anfang und am Schluss. Die Stimmung in der Mannschaft ist super. Wir haben von der ersten bis zur letzten Sekunde gekämpft und Moral gezeigt. Wir haben gesehen, dass wir jeden schlagen können – zuhause und auswärts.“

Mit Ausnahme von Felix Irlacher kam der ganze Kader zum Einsatz. „Wir haben viele Spieler und brauchen sie wegen des dichten Programms auch.“

Schon heute, Mittwoch, hätte Tulln Schlusslicht Graz empfangen sollen, die Steirer sagten allerdings ab. Das Spiel wird am 27. Jänner, 19.30 Uhr, nachgeholt. „Zuhause müssen wir gewinnen!“ Bereits am Samstag geht es mit dem Heimspiel gegen Bad Vöslau weiter. Hinter dem Einsatz von Nenadic, der einen „Eisenbahner“ abbekam, steht ein kleines Fragezeichen.

Tulln hatte die größeren Reserven

Sandra Zapletal, Trainerin der Fivers: „Wir haben in der ersten Halbzeit die Unkonzentriertheiten der Tullner gut ausgenutzt und sind verdient in Führung gegangen.“ Den Sieg habe man in der Schlussphase liegen gelassen. „Wir sind zu oft am gegnerischen Torwart gescheitert und haben unsere guten Torchancen nicht genutzt.“ Den Gästen gelangen in der Schlussviertelstunde nur zwei Tore …

„Dennoch bin ich angesichts der Verletzungssituation mit der Leistung unserer jungen Spieler zufrieden und froh, dass die Meisterschaft weitergeht. Ein Problem ist der Lockdown für unsere Jugendspieler, die derzeit nicht in der Halle trainieren können.“