UHC Tulln: „Wir wollen spielen“. Tullns sportlicher Leiter Aulenbach: „Müssen Mittel aufstellen, um zu überleben.“

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 18. November 2020 (01:14)
Mislav Nenadic wird von Erstliga-Verein Graz umworben. Der UHC Tulln möchte seinen Top-Legionär aber um jeden Preis halten.
Wolfgang Stritzl

Es laufen Bestrebungen, den Meisterschaftsbetrieb in Österreichs 2. Liga wieder aufzunehmen. Die spusu-Challenge würde dann dem Status „Spitzensport“ entsprechend strenge Auflagen zu erfüllen haben, welche in der spusu-Liga zur Anwendung gelangen. Eckpunkte sind umfangreiche Corona-Testungen und spezielle Quarantäne-Bestimmungen. Demnach dürfen behördlich abgesonderte, negativ getestete Spieler an Training und Spiel teilnehmen, im Rahmen einer verordneten Verkehrsbeschränkung aber nicht ihrem eigentlichen Beruf nachgehen („homeoffice“ ausgenommen).

„Das könnte schon ein Problem sein. In der 2. Liga sind die meisten Spieler berufstätig. Wie erklären sie dann ihrem Chef, dass sie zwar Handball spielen, aber nicht arbeiten gehen dürfen?“, weiß Tullns Ex-Trainer Jörg Sibral, im ÖHB für den Liga-Spielbetrieb zuständig.

Ohne Vorbereitung ist Verletzungsrisiko groß

Wie auch immer, Österreichs Zweitliga-Vereine verständigten sich darauf, wieder Meisterschaft spielen zu wollen. Eine gewisse Vorlaufzeit ist allerdings notwendig, wie Sibral weiß. „Die Vereine haben jetzt drei Wochen nicht trainiert. Eine zwei- bis drei-wöchige Vorbereitung wäre notwendig, weil sonst das Verletzungsrisiko viel zu groß wäre. Die wahrscheinlichste Variante ist es, dass die Meisterschaft ab Jänner wieder los geht. Das müssen sich in erster Linie aber die Vereine untereinander ausmachen.“ Von Seiten des ÖHB wäre eine Änderung der Durchführungsbestimmung notwendig.

Kosten für Corona-Testungen müssten die Vereine nicht alleine tragen, sie können zumindest bis Ende des Jahres rückvergütet werden.

„Wir haben uns nach langem Hin und Her dazu entschlossen, dass wir für die Wieder-Aufnahme der Meisterschaft votieren. Wir wissen zwar, dass es wirtschaftlich wahnsinnig schwer wird. Wir sind am Limit und hoffen, dass wir nicht nur diese Saison überleben, sondern auch in der Zukunft gut dastehen“, so sportlicher Leiter Hans Aulenbach.

Drei der vier Legionäre sind in Tulln

Mit Ausnahme von Emir Djulovic, der in seine Heimat Montenegro abgereist ist, aber auf Abruf bereit steht, halten sich die Legionäre weiter in Tulln auf. Ob, wie kolportiert, Mislav Nenadic an die HSG Graz verliehen werden könnte, falls die 2. Liga ruhend gestellt bleibt? „Graz ist seit dem ersten Spiel hinter ihm her. Offiziell haben wir noch nicht gesprochen. Wir wollen Nenadic um jeden Preis halten.“

Aber auch Milan Cuzuz und Nikola Zakula spielen neben Nenadic und Djulovic eine wichtige Rolle. „Wir möchten unsere Legionäre integrieren, auch in Hinblick auf die nächste Meisterschaft. Sie sind schon jetzt sozial versorgt. Alle drei haben geringfügige Anstellungen.“

Überhaupt sei der UHC Tulln bemüht, den ganzen Kader zu halten. „Die Entschlossenheit, das durchzuziehen, ist bewundernswert. Sportlich haben wir uns mit den vier Punkten einen kleinen Polster verschafft. Wir haben eine attraktive Mannschaft, mit der wir auch in die kommende Saison gehen möchten. Schade nur, dass wir zuletzt keine Zuschauer hatten“, so Aulenbach.

Seine Planungen sind längerfristig und nicht nur auf den Kampfmannschafts-Bereich ausgerichtet. „Ich habe jemandem im Auge, der ein Konzept für unsere gesamte Jugend erarbeiten und uns wirklich weiterhelfen kann.“

Auch die kleinste Unterstützung hilft uns

Aulenbach hofft auf Unterstützung, auf einen Schulterschluss all jener, denen der Handballsport am Herzen liegt: „Wir müssen Mittel aufstellen, um zu überleben. Auch für die Zukunft. Ich bin guter Dinge, dass wir das schaffen werden. Auch mit einer nur geringen Unterstützung von anderen ist uns wahnsinnig geholfen. Wenn wir alle Opfer bringen – und damit meine ich nicht nur uns Handballer, sondern ganz Tulln – können wir die Krise überstehen.“