Hattrick im Ärmelkanal. Nach zwei Ärmelkanaldurchquerungen in den letzten Jahren widmete sich Mäx Beer heuer der dritten Hauptstrecke. Er umrundete, mit über 1000 Quallen, die Insel Jersey.

Von Bettina Kulmer. Erstellt am 06. September 2017 (03:25)
Mäx Beer schwamm kraulend um die Kanalinsel Jersey.
NOEN, privat

Der Tullner Mäx Beer hat seinen ersten großen Schwimmhattrick erledigt. Auf die großen Drei des Ärmelkanals hatte ihm nur noch die Umrundung der Insel Jersey gefehlt.

In den Jahren zuvor hatte er bereits die Strecke Jersey-Frankreich und Dover-Frankreich absolviert. Wie bei jedem Kanalschwimmen hatte Beer ein Zeitfenster von ein paar Tagen zur Verfügung, um passendes Wetter und geeignete Strömung abzuwarten. Doch Ersteres sollte sich einfach nicht einstellen.

NOEN

Um nicht unverrichteter Dinge wieder heimfahren zu müssen, nahm er die herausfordernden Bedingungen in Kauf und stieg am letztmöglichen Tag um 7.30 Uhr Ortszeit in’s Wasser. Der Bootskapitän, der Beer bei der Umrundung begleitete, hatte schon an einen Abbruch gedacht.

Eine Engländerin, die eigentlich an diesem Tag schwimmen hätte sollen, gab ihren Platz für Beer frei. „In der Geschichte dieses Schwimmens war das der schwierigste Tag insgesamt. Noch nie ist jemand unter solchen Bedingungen geschwommen“, weiß Beer.

Harte Bedingungen für Beer

Während der Wind in die eine Richtung blies, schwamm Beer mit der Strömung in die andere. Dementsprechend gestaltete sich der Wellengang, über den der Ausnahmesportler mit zehn bis zwölf Kilometer pro Stunde — ermöglicht durch die Strömung — hinwegfegte.

„Mir ist es sehr gut gegangen, denn ich habe mich genau auf solche Situationen vorbereitet.“ Im Vorfeld war Beer bei einem Freiwassercamp in Irland gewesen, um die Bedingungen zu testen. Bei einem Wettbewerb war er Zweiter geworden.

Trotzdem warteten einige Tücken auf den Schwimmer. Abgesehen davon, dass man ohne Neopren schwimmen muss, schluckte Beer jede Menge Salzwasser und hatte bereits nach drei Minuten im Wasser die erste Begegnung mit einer fußballgroßen Qualle.

Quallen wurden zur Ablenkung

Die Nesseltiere wurden rasch Mittel zum Zweck, denn es wurden immer mehr. „Um mich abzulenken, habe ich Quallen gezählt. Nach acht Stunden war ich bei circa 800 Stück, aber dann ist es erst richtig losgegangen. Ich bin mit dem Zählen nicht mehr nachgekommen.“

Zeit zum Verschnaufen hatte Beer kaum, denn man muss zur richtigen Zeit an den richtigen Ecken der Insel angekommen sein. Sonst dreht sich die Strömung zu früh und man hat keine Chance, die Umrundung zu beenden. Die Versorgung mit Flüssigkeit und Elektrolyten erfolgte wie gewohnt über eine Flasche, die ihm regelmäßig aus dem Boot zugeworfen wurde.

Trotz der harten Bedingungen fehlten Beer am Ende nur knapp 30 Minuten auf den Streckenrekord. Nach 55 geschwommenen Kilometern und 10:01 Stunden erreichte er den Ausgangspunkt. Der nächste Hattrick, die Triple Crown of Open Water Swimming, soll nächstes Jahr vervollständigt werden. Nach der Ärmelkanaldurchquerung fehlen noch der Catalinakanal und die Umrundung Manhattans.