Wolffhardt: Mussten mit Verschiebung rechnen. Ihren Olympia-Traum muss Viktoria Wolffhardt auf 2021 vertagen. Die Tullner Kanutin hält sich indessen im eigenen Zuhause fit.

Von Wolfgang Stritzl und Wolfgang Wallner. Erstellt am 26. März 2020 (07:01)
Olympia-Hoffnung Viktoria Wolffhardt mit ihrem Bruder Maximilian, der in Tulln Handball spielt.
 
privat

Der Olympiatraum ist aufgeschoben, nicht aufgehoben. Die Verschiebung der Spiele in Tokio auf’s Jahr 2021 kam für Viktoria Wolffhardt „nicht überraschend“. Die Tullner Kanutin hatte zwar bis zuletzt auf eine Durchführung gehofft, aber: „Im Unterbewusstsein hat jeder gewusst, dass die Spiele verschoben werden.

In anderen Nationen gibt es vielfach keine Dopingkontrollen, was bei uns Kanuten nicht so ein Thema ist, aber etwa in der Leichtathletik ein ganz anderes Ausmaß hat. Außerdem stehen in anderen Staaten ja Grenzschließungen für die Dauer von sechs Monaten bevor. Es wäre auch schade, wenn die Spiele ohne Zuschauer stattfinden. Und das Wichtigste: Die Gesundheit der Athleten steht im Vordergrund.“

Alles hängt in der Luft

Wie es im Kajak-Sport weitergeht, ist völlig ungewiss. Fest steht nur, dass zumindest bis 31. Mai keine internationalen und nationalen Wettkämpfe ausgetragen werden, auch die EM fällt aus. „Alles hängt in der Luft“, seufzt Wolffhardt.

Ob die Startplätze für Olympia neu ausgefahren werden? „Solange die Quotenplätze so bleiben – und das ist Sache des internationalen Kanuverbandes – hoffe ich das nicht. Jene Athleten, die sich qualifiziert haben, könnten in einer neuerlichen Qualifikation alles verlieren. Und die anderen komplett ohne Druck in die Quali gehen. Das wäre unfair. ,Tokio 2020‘, und der Name bleibt ja so, sind unsere Spiele!“

Fit im eigenen Zuhause

Wie zahlreiche andere Athleten hält sich die 25-Jährige – so gut es geht – daheim fit. Auf der Donaulände haben sie Spaziergänger noch nicht laufen sehen. Ihr Kajak hat sie noch nicht auf der Tullner Rudolfsstraße Richtung Donau getragen, um paddeln zu gehen. „Aber auch das wird kommen, wenn es länger so bleibt. Natürlich wird es eng zuhause. Aber grundsätzlich halte ich es so: Je weniger man provoziert, umso weniger passiert. Ich selbst habe um mich keine Angst, sondern eher um die Leute um mich herum. Ich möchte nichts heraus fordern, es gibt Wichtigeres.“

Wolffhardt hat ihren Trainingsplan umgestellt. „Kraft kann ich in meinem Keller super trainieren, ich mache durchaus harte Einheiten. Ausdauer trainiere ich auf dem Rad-Ergometer bzw. -Band, Intervall-Einheiten gibt es am Kajak-Ergo.“ Im heimischen Domizil stählt auch Bruder Max, seines Zeichens Handballer beim UHC Tulln die Muskeln. Bereit sein, wenn’s wieder losgeht, lautet die Devise.

Was das IOC plant

Während dessen rotieren die Funktionäre. Eine Notfall-Gruppe des Internationalen Olympischen Comitees soll sich von nun an mit allen Folgen der Verschiebung der Olympischen Spiele befassen. "Das ist ein großes Puzzle, jedes Teil muss passen. Wenn man ein Teil rausnimmt, ist das ganze Puzzle zerstört. Deshalb beneide ich die Mitglieder dieser Task Force nicht", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Das IOC und die japanischen Gastgeber hatten am Dienstag vereinbart, die Spiele in Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie auf 2021 zu verlegen. Sie sollen dann aber "nicht später als im Sommer" stattfinden.

Die Olympia-Macher wollen nun schnell in die Abstimmung mit allen 33 internationalen Sportfachverbänden gehen. Schon am Donnerstag könnte es dazu eine gemeinsame Telefonkonferenz geben, kündigte Bach an. "Das ist der erste Schritt. Dann müssen wir schauen, welche Optionen wir haben", sagte der 66-Jährige. Dafür müsse aber auch der weitere Sportkalender rund um die Olympischen Spiele betrachtet werden. "Wir sollten zu einer Lösung sobald wie möglich kommen", sagte Bach. Die Wahl des Termins müsse aber wohlüberlegt sein.

Als eine von "vielen tausenden Fragen" werde die Task Force mit dem Namen "Here we go" (Los geht's) auch die Frage prüfen, ob die Sportler 2021 auf ein olympisches Dorf in Tokio verzichten müssen. "Diese verschobenen Olympischen Spiele werden Opfer und Kompromisse von allen Beteiligten erfordern. Wir müssen die bestmögliche Lösung finden", räumt Bach ein. "Wir tun, was wir können, damit es ein olympisches Dorf gibt. Dort schlägt normalerweise das Herz der Spiele. Aber es ist eine beispiellose Herausforderung", sagte Bach.