Andreas Gröbl: „Emotionalste in 25 Jahren Fernsehen“. Der Sieghartskirchner Andreas Gröbl, der durch die Schule von Heinz Prüller ging, kommentiert bei ServusTV die Formel 1. 1,3 Millionen TV-Zuseher!

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 31. März 2021 (03:22)
Andi Gröbl bringt ab sofort die Formel 1 in Österreichs Wohnzimmer. Zwölf der 23 Saisonrennen überträgt der Salzburger Privatsender Servus TV live.
Servus TV, Servus TV

Der ORF hat die Formel-1-Exklusivrechte verloren und teilt sich die Übertragungszeiten mit dem neuen Hauptrechte-Halter Servus TV. Sehen sich die beiden Sender, was Formel-1-Berichterstattung betrifft, mehr als Partner oder als Konkurrenten?
Ein Kampf bis aufs Messer ist es natürlich nicht (lacht). Man kann es mit zwei guten Fußballmannschaften in derselben Stadt vergleichen. Natürlich möchte jeder besser sein als der andere. Es läuft aber alles partnerschaftlich ab. Der Konkurrenzkampf ist förderlich. Es gibt 9 Millionen Gewinner bei der Geschichte, nämlich Österreichs Fernseh-Publikum. Dass Formel 1 im Free-TV übertragen wird, ist nicht selbstverständlich. In den großen Nationen Deutschland, England, Frankreich und Italien sind die Rechte schon lange im Pay-TV.

Andreas Gröbl (rechts) wird in dieser Saison zwölf Formel-1-Rennen live kommentieren. Den Auftakt machte am Sonntag das Rennen von Bahrain. Unterstützt wird der Sieghartskirchner von Nico Hülkenberg. Der Deutsche debütierte 2010 in der Formel 1, fuhr von 2017 bis 2019 für Renault und gewann 2015 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.
Servus TV, Servus TV

Was möchten Sie besser machen als der ORF, wodurch versuchen Sie sich abzuheben?
Der ORF hat ein halbes Jahrhundert Vorsprung, da müssen wir von ServusTV demütig bleiben. Wir werden mit unserem sehr bunten, internationalen Kernteam mit Kollegen aus Österreich, Deutschland, Italien, Bosnien und Christian Klien, der ja schon halber Schweizer ist, ein größeres Spektrum abdecken als der ORF. Außerdem werde ich versuchen, die Historie hochzuhalten.

Unser Servus-TV-Formel-1-Team ist auf jeder Position eine neu zusammen gewürfelte Truppe. Es ist wie beim Kicken: Keiner weiß vor dem ersten Match, wie gut die Spieler zusammenspielen können. Wir werden es aber bestimmt ordentlich hinbekommen.

Der ORF hat ein halbes Jahrhundert Vorsprung, da müssen wir von ServusTV demütig bleiben.

Wie bereiten Sie sich auf die Berichterstattung vor? Welche Hausübungen gilt es zu erledigen?
Es ist wie das Lernen vor einer Prüfung auf der Uni. Je mehr man lernt, umso mehr werden einem die Lücken bewusst.
Im April 2020 habe ich begonnen, einen Wissenspool zu verschriftlichen, eine Art Formel-1-Bibel zu schreiben, die laufend ergänzt wird. Federführend daran beteiligt war meine Gattin Gabi. Auch die Formel-1-Jahresrückblicke, die es von 1970 bis heute gibt, arbeite ich auf. Das sind weit über 100 DVD-Stunden, 60 bis 70 habe ich durch.

Extrem wichtig war auch, dass ServusTV 2020 einen Testbetrieb gestartet hat und ich sechs Rennen kommentiert habe.

Je mehr man lernt, umso mehr werden einem die Lücken bewusst.

Sind Sie vor der „Prüfung erstes Formel-1-Rennen 2021“ aufgeregt?
Für mich ist es eine besondere Geschichte. In 25 Jahren Fernsehen war ich emotional noch nie so berührt wie jetzt. Ich muss mich selbst zwicken, wenn ich mit dem Auto Richtung Salzburg fahre, wo Nico Hülkenberg auf mich wartet. Früher habe ich Zeitungsartikel über die Formel 1 gesammelt, jetzt mache ich selbst die Nachrichten. Das ist noch ein wenig unwirklich für mich.

Adrenalin gehört dazu, eine positive Anspannung ist wichtig. Mit dem Alter kommt Routine und Abgeklärtheit.

In 25 Jahren Fernsehen war ich emotional noch nie so berührt wie jetz

Routine haben Sie in 25 Jahren Fernsehen gesammelt. Bei Tele 5 haben sie auch schon Formel 1 kommentiert.
Ja, das war 2004/05, als ich in Deutschland war. Von damals weiß ich, wie es sich anfühlt. Das jetzt ist aber natürlich eine ganz andere Nummer.

Sie sind selbst ein glühender Motorsportfan und haben unter dem legendären Heinz Prüller gearbeitet. Was haben Sie von ihm mitnehmen können?
Ich war von 1998 bis 2003 sein zweiter Mann und mit ihm viel in der Welt unterwegs. Eigentlich ist der Heinz ein Einzelkämpfer, wir haben uns aber „zusammen gerieben“. Vor allem zwei Dinge habe ich von ihm gelernt. Erstens: seinen grenzenlosen Enthusiasmus. Er war schon damals über 60 und hat noch immer gebrannt dafür, war bei einigen Entscheidungen sogar persönlich beleidigt. Die Formel 1 war sein ganzes Leben. Zweitens: Der Heinz ist der größte Märchenonkel, den ich kenne. Im positiven Sinn. Er ist ein großartiger Geschichten-Erzähler und Entertainer. Wir telefonieren heute noch. Das letzte Mal war es am Sonntag vor dem Rennen.

Heinz Prüller ist der größte Märchenonkel, den ich kenne. Im positiven Sinn.

Die Einschalt-Quoten waren sehr erfreulich …
Ja, man kann da von einem Riesenerfolg sprechen und sieht, dass das Publikum von Anfang an die Formel 1 beim Sender angenommen hat. Schon das Qualifying am Samstag war mit 20 Prozent Marktanteil über allen bekannten Vergleichswerten in Österreich. Die Sonntagszahlen vom Rennen: 1,3 Millionen Zuseher, 35 Prozent Marktanteil, Durchschnittsreichweite von 640.000 Menschen.

Am Sonntag kommentierten Sie aus dem Studio. Werden Sie selbst auch zu Rennen reisen?
 In Spielberg sind wir live dabei. Das wären wir ohne Corona bei jedem Rennen. Wegen der Pandemie sind wir in dieser Saison nur mit einem Mini-Team vor Ort, das sich in einer kleinen Blase bewegen kann. Wenn es Corona wieder zulässt, werde ich aber wieder um die Welt düsen.

Andreas Gröbl, hier mit Nico Hülkenberg im TV-Studio, bringt ab sofort die Formel 1 in Österreichs Wohnzimmer. Zwölf der 23 Saisonrennen überträgt der Salzburger Privatsender Servus TV live.
ServusTV, ServusTV

Worauf Sie sich bestimmt schon sehr freuen?
Ja, natürlich. Die Kehrseite ist aber, dass ich dann leider nicht mehr so viel bei meiner Familie sein kann. Am Freitag versäume ich den neunten Geburtstag meines jüngeren Sohnes Georg. Mein älterer Sohn Anton ist 14.

Von welchem Rennfahrer würden Sie sich ein Autogramm geben lassen?
Von Jochen Rind. Sieben Wochen vor meiner Geburt ist er in Monza tödlich verunglückt (5. September 1970; Anm.). Auch 50 Jahre später ist er jedem Österreicher ein Begriff, weiß jeder, der damals schon auf der Welt war, wo er zum Zeitpunkt des Rind-Unfalls gewesen ist. Ich hätte sehr gerne gewusst, wie er als Mensch war.

Ein Autogramm möchte ich aber natürlich auch vom nächsten Österreicher, der in der Formel 1 fährt. Wer auch immer das sein wird.