Erstellt am 29. Dezember 2016, 05:10

von Wolfgang Stritzl

Jetzt kommt der Doublegewinner. Ein Landesliga-Verein führte einen HLA-Klub vor. Tulln steht nach dem Kantersieg im Viertelfinale – gegen die Fivers!

Standing Ovations für die Tullner Handballer. Die hunderten Fans hielt es nicht auf ihren Sitzen. Riesengroß war der Jubel über den sensationellen Sieg gegen HLA-Verein Leoben.  |  NOEN

Die Sensation ist perfekt! Tulln steht im Viertelfinale des ÖHB-Cups. Und hat nach einem Bundesliga-Klub jetzt auch einen HLA-Verein auf der Abschussliste!

Die Josef-Welser-Sporthalle stand Kopf. Insgeheim hatte man damit spekulieren dürfen, dass die routinierte, mit ehemaligen HLA-Spielern und Cupsiegern gespickte Tullner Mannschaft den Steirern einen großen Kampf liefern würde.

Tulln spielte Leoben an die Wand

Aber dass Leoben derart an die Wand gespielt werden würde, damit hatten nicht einmal die kühnsten Optimisten rechnen dürfen.

Es war unfassbar. Als Renato Matijevic unter tosendem Applaus der hunderten Zuschauer auf 17:11 für Tulln stellte, nahm Gäste-Coach Romas Magelinskas Time-Out (39.). Keine fünf Minuten später die zweite Auszeit von Leoben!

In 43 Minuten nur zwölf Gegentreffer

Dazwischen lagen fünf Tullner und nur ein Leobener Treffer: Der Landesliga-Verein führte gegen den HLA-Klub mit unglaublichen zehn Toren (22:12). Sensationell: Tulln hatte in den 43 Minuten zuvor nur zwölf (!) Gegentore kassiert, und das gegen einen Erstligisten!

Die entfesselten Tullner spielten sich in einen Rausch. Schlüssel zum Sieg war die großartige Abwehr um den großen Mittelblock Kristof Vizvary und Maximilian Wolffhardt. Und gab es einmal ein Durchkommen, wurden die meisten Bälle ein gefundenes Fressen für Tullns Tormänner, die ein Riesen-Spiel machten. Mario Vizvary begann mit zwei gehaltenen Bällen, Andreas Schwarz kam bei Siebenmetern – und parierte gleich die beiden ersten (bei 5:3, 8. bzw. bei 9:6, 29.).

Torhüter als Matchwinner

Eine Zwei-Minuten-Strafe für Mario Vizvary brachte Schwarz in die „Pole-Position“. Schwarz avancierte mit zahlreichen Paraden prompt zu einem der Tullner Matchwinner.

Leoben-Trainer Magelinskas konnte machen, was er wollte: Manndeckung von Spielmacher Johann Schmölz durch Thomas Kuhn, den Tormann aus dem Spiel nehmen, um mit sieben Mann anzugreifen … nichts half, um Tulln in Verlegenheit zu bringen.

Zuschauerrekod in neuer Sporthalle

Im Finish gab es Standing-Ovations des zurecht begeisterten Publikums – knapp 600 Zuschauer sorgten für einen Zuschauerrekord bei einem Tullner Heimspiel in der neuen Halle.

„In der Deckung und im Angriff haben wir perfekt gespielt. Wir hatten keine Schwächephase. Uns ist bewusst, dass Leoben nicht komplett war. Aber die beiden, die gefehlt haben, machen auch nicht sieben Tore aus“, war Trainer Jörg Sibral stolz auf seine Mannschaft.

Tulln ist neben Atzgersdorf der einzige Landesligist im Cup-Viertelfinale und trifft dort – wie die Auslosung am Donnerstag ergab – auf den Titelverteidiger und regierenden Meister Fivers Margareten. Sibral war zunächst „geschockt“, freut sich aber mittlerweile auf den Gegner, der attraktiver nicht sein könnte.

Tulln fordert Meister und Cupsieger

„Die Fivers kommen mit 150 Fans, die Halle wird also noch voller sein, als sie gegen Leoben war. Es wäre realitätsfremd zu sagen, dass wir eine Chance hätten. Wir glauben aber trotzdem daran“, erinnert Sibral an den knappen Plus-eins-Sieg der Fivers in Leoben – jene Mannschaft, die gegen Tulln keine Chance hatte.

Wichtig wird sein; Vitas Ziura in den Griff zu bekommen, „nötigenfalls mit Manndeckung. Er ist der Super-Chef am Platz, einer der besten Spieler in Österreich. Alles steht und fällt mit seiner Leistung. Wir haben jedenfalls nicht vor, uns aus der Halle schießen zu lassen …“

Wahrscheinlicher Spieltermin ist der 5. Februar.