Erstellt am 20. Januar 2015, 08:30

von Wolfgang Stritzl

"Sturkopf" Wolffhardt. Viki Wolffhardt setzte beim Verband durch, dass sie auch Kanadier fahren darf. „Ich war stur.“

Viktoria Wolffhardt  |  NOEN, privat

Nach dem Trainingslager ist vor dem Trainingslager. Derzeit befindet sich Viktoria Wolffhardt in Augsburg, schon Ende Jänner geht es nach Dubai. Insgesamt vier Wochen – mit einer einwöchigen Pause dazwischen – holt sich die Tullnerin in den Vereinigten Arabischen Emiraten den Feinschliff für die kommende Saison. Genauer nicht in Dubai, „Zeit die Hauptstadt zu besichtigen, werden wir keine haben“, sondern mitten in der Wüste. „Dort hat ein Scheich in seinem Garten eine Wildwasserstrecke gebaut“. Diese spielt alle „Stückerl“ mit Flutlicht, entsalztem Meerwasser und einer künstlichen Surfwelle.

Vorsicht vor Krokodilen

Erster Saisonhöhepunkt ist die U-23-WM in Brasilien. „Im Nationalpark soll es Krokodile geben“, hat Wolffhardt gehört, „die Vorsichtsmaßnahmen sind jedenfalls extrem.“

Viki wird – anders als 2014 – in beiden Disziplinen ins Rennen gehen. Also neben dem Kajak Einer auch im Kanadier. Zur Erinnerung: Der Verband hatte einen Start im Kanadier ursprünglich untersagt, war nämlich der Meinung, dass ein gleichzeitiges Antreten in beiden Bewerben nicht förderlich sei. Der Frust war groß: „Mir ist die Chance auf eine Medaille genommen worden.“

Viki meldete sich selbst zum Kanadier an

Wie es Wolffhardt schließlich doch gelungen ist, sich gegen den Verband durchzusetzen? „Ich war stur.“ So meldete sich Sturkopf Wolffhardt beim Weltranglistenrennen in Bratislava kurzerhand selbst im Kanadier an, wohl wissend, „dass das eigentlich nur der Verband hätte machen dürfen“. Als dieser davon erfuhr, war es für einen Rückzieher zu spät. Wolffhardt bewies, dass es sehr wohl möglich ist, in beiden Disziplinen erfolgreich zu sein. „Zum Glück habe ich sowohl im Kajak, als auch Kanadier gewonnen.“ Der Verband revidierte seine Entscheidung und lässt Wolffhardt in Zukunft beides fahren.

Sie ist freilich die einzige Österreichische Top-Kanutin, die sich die Doppelbelastung zutraut. Und die interne Quali ist beinhart. In Wien werden im April die Startplätze für die Weltcuprennen heraus gefahren. Jede Nation hat bei WM (London, zugleich Olympia-Quali) und EM (Leipzig) nur drei Startplätze. „Es gibt kein Taktieren. Ich werde alles versuchen, mich zu qualifizieren.“

 

Hintergrund

Name: Viktoria Wolffhardt.
Geboren am: 26. 6. 1994.
Wohnort: Tulln.
Neben dem Sport – Wolffhardt ist HSZ-Soldatin – studiert sie Biologie/Englisch auf Lehramt.

Saisonhöhepunkte 2015:
U-23-WM in Brasilien (April), WM in London, EM in Leipzig.
2016 finden die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt. Die Disziplin Kanadier ist erst bei den Spielen 2020 in Tokio olympisch.
Bei Olympia gibt es im Paddeln pro Nation nur einen Startplatz.