Rot für Nenadic war Fehlentscheidung. Tulln ärgerte sich in Trofaiach über den „Heimpfiff“ der Schiedsrichterinnen. „Rot für unseren Superstar war ein Witz!“

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 21. Oktober 2020 (01:31)
Hannah Ginsthofer trug sich in St. Pölten vier Mal in die Schützenliste ein.
Claus Stumpfer

Spusu Challenge: BT FÜCHSE AUTO PICHLER - TULLN 29:26. Es war die 22. Minute, der Tabellenerste lag mit 11:8 in Führung. Tullns wichtigster Spieler Mislav Nenadic sah, nachdem sich ein Brucker theatralisch fallen gelassen hatte, die rote Karte. Für Trainer Zeljko Gasperov eine glatte Fehlentscheidung. „Mislav hat den Gegner nicht im Gesicht getroffen. Die beiden Schiedsrichterinnen haben ihre Entscheidung nur aufgrund einer Vermutung getroffen. Das war ein Schock für die ganze Mannschaft.“ „Das war sehr bitter. In 55 Jahren Handball habe ich so etwas noch nicht erlebt. Sogar der Gegner hat sich nach dem Spiel über die rote Karte gewundert. Der Ausschluss hat den Ausgang des Spieles wesentlich beeinfluss“, pflichtete sportlicher Leiter Johann Aulenbach dem UHC-Trainer bei.

Nenadic hatte in seiner ganzen Profikarriere, unter anderem in der 1. kroatischen Liga, noch nie eine rote Karte bekommen, „war daher völlig konsterniert“.

Die junge Tullner Mannschaft bäumte sich auf und konnte die Partie ab der 20. Minute ausgeglichen halten. Die Umstellung in der Verteidigung auf eine 5:1-Abwehr – Moritz Schobert spielte einen souveränen Einser – machte sich bezahlt. „Er hat eine super Leistung geboten“, gratulierte Trainer Gasperov. Die 5:1-Deckung sei eine Variante für die Zukunft, „weil unser Tormann vom Flügel sehr gut gehalten hat“.

Im Angriff empfahl sich der 2,02-Meter-Mann Emir Djulovic mit sechs Toren. Gasperov: „Er hat gezeigt, was er kann!“ Auch die Torhüter Milan Cucuz und Andreas Schwarz boten eine starke Leistung. „Wir haben ohne unseren Superstar eine großartige Leistung geboten“, so Aulenbach.

Am Samstag empfängt Tulln St. Pölten. Das Derby ist aufgrund der orangen Corona-Ampel ein „Geisterspiel“. „In einem Derby gibt es keine Regeln. St. Pölten hat keine schlechte Mannschaft, aber wir spielen zuhause.“

Bundesliga Damen: ST. PÖLTEN - TULLN 25:27. Das knappe Ergebnis täuscht. Das Spiel war eindeutiger, als es das Resultat vermuten lässt.

Trainer Patrick Salfinger hatte seine Mannschaft sehr gut auf seinen Ex-Verein eingestellt. „Die Spielerinnen haben alles, was ich verlangt habe, toll umgesetzt. Wir haben das ganze Spiel von Beginn an dominiert“ Die Mannschafts-Leistung sei „extrem super“, gewesen, die Bank machte im Geisterspiel viel Stimmung, „was viel zu unserem Sieg beigetragen hat“.

Die Tullner Deckung stand stabil, Torfrau Kathi Weber bot gegen ihren Ex-Klub eine starke Leistung, und im Angriff agierte Tulln diszipliniert. Die Gäste zogen schnell auf 10:2 davon. St. Pölten stellte auf eine offensive 4:2-Deckung um und kam im Finish der ersten Halbzeit auf drei, vier Tore heran.

Nach der Pause hielt der UHC die Landeshauptstädterinnen auf Distanz. Beim Stand von Minus-sechs stellte St. Pölten auf Manndeckung um, der Tullner Sieg war aber freilich nicht in Gefahr.