Lucas Miedler: „Es gab auch Positives“. Lucas Miedler nutzte die ungewisse Zeit im vergangenen Jahr, um sich einem neuen Trainerteam anzuschließen. Für die kommende Saison hat er trotz aller Umstände klare Ziele.

Von Bernhard Kapeller. Erstellt am 03. Februar 2021 (01:32)
Unsere Tennis-Hoffnung Lucas Miedler hat sich für das heurige Jahr ehrgeizige Ziele gesteckt.
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Das Sportjahr 2020 war eine große Herausforderung für alle Athleten. Besonders gravierend waren die Umstände für Profisportler. Auch die heimischen Tennisprofis waren mit noch nie dagewesenen Situationen konfrontiert. Die österreichische Nummer fünf, Lucas Miedler, blickt auf ein turbulentes Tennisjahr zurück und spricht über seine Ziele für die anstehende Saison.

Das Turniergeschehen auf der ATP-Tour wurde Anfang März vergangenen Jahres zunächst komplett eingestellt. „Das war für uns alle eine völlig neue Situation“, erinnert sich der 24-Jährige Muckendorfer. „Mitten unter dem Jahr die Tour für einige Monate unterbrechen – das hat es so noch nie gegeben.“ Doch Miedler versuchte das Beste aus den schwierigen Umständen zu machen. Die Matchpause nutzte er vor allem, um an Details zu feilen. „Das waren Monate, in denen man an gewissen Dingen arbeiten konnte, die sonst eher zu kurz kommen – technisch als auch spielerisch“, so Miedler.

Training im Team von Thiem

Doch vor allem betreuungstechnisch änderte sich für die aktuelle Nummer 307 der Tennis-Weltrangliste während der Spielbetriebspause einiges. Seit Anfang Mai trainiert Lucas Miedler unter der Obhut von Wolfgang Thiem. „Kurz bevor das Training für Profisportler in Österreich wieder möglich war, habe ich bei Wolfgang wegen einer Zusammenarbeit angefragt.“ Der Vater von Dominic Thiem gründetet vergangenes Jahr eine eigene Akademie im niederösterreichischen Traiskirchen. Unter dem Namen „Austrian Tennis Committee“, kurz ATC, betreut Thiem dort neben Sohn Dominic auch Dennis Novak, Jurij Rodionov, Sebastian Ofner und eben auch Lucas Miedler. „Das Umfeld mit den Trainingspartnern in der Akademie ist ideal“, schwärmt der 24-Jährige.

Nicht zuletzt auch wegen der neuerlichen Zusammenarbeit mit Dr. Michael Reinprecht. Der steirer Sportwissenschaftler ist unter anderem Fitnesscoach und Leistungsdiagnostiker von Dominic Thiem. „Wenn man sieht, wie er mit Dominic trainiert, kann man sich davon einiges abschauen. Davon profitiere ich natürlich enorm!“, weiß Miedler genau. „Wenn ich etwas positives aus 2020 mitnehme, dann auf jeden Fall mein neues Trainingsumfeld. Wenigstens dahingehend hat sich einiges zum Guten verändert“, so die Bilanz des Muckendorfers zur vergangenen Saison.

„Wenn ich etwas positives aus 2020 mitnehme, dann auf jeden Fall mein neues Trainingsumfeld. Wenigstens dahingehend hat sich einiges zum Guten verändert“

Momenten bereitet sich die Tenniselite schon wieder auf die anstehende Saison vor. Über den Jahreswechsel stand für Miedler zunächst Erholung auf dem Programm, ehe es dann in der zweiten Jännerwoche mit intensivem Aufbau- und Fitnesstraining los ging.

„Ich arbeite nach einem auf mich zurechtgeschnittenem Fitnessplan“, schildert Österreichs Nummer fünf. „Meistens starte ich den Tag mit einer Konditionseinheit, gefolgt von ca. drei Stunden Tennis und einer erneuten Fitnesseinheit zum Ausklang.“

Den Start ins Turniergeschehen plant der 24-Jährige aller Voraussicht nach für die zweite oder dritte Februarwoche. Überstürzten will Miedler jedoch nichts. „Wenn ich noch eine Woche mehr Training brauche, werde ich mir die Zeit nehmen. Momentan muss man sowieso von Woche zu Woche planen, da immer wieder Turniere verschoben werden oder in andere Regionen verlegt werden.“ Wenn es die Umstände zulassen, wird der Muckendorfer seine Turniersaison entweder in Südafrika (Potchefstroom) oder Italien (Biella) eröffnen. „Es wird noch davon abhängen, in welches der beiden Challenger-Turniere ich reinkomme.“ Potchefstroom war im Vorjahr das letzte Turnier, welches Miedler vor der Zwangspause bestreiten konnte.

„Möchte unter die Top-200“

Für die Saison 2021 hat Lucas Miedler trotz allem ein klares Ziel. „Kurzfristig muss mein Ziel sein, im Ranking wieder an die Top-200-Marke heranzukommen.“ Wichtig wäre dies für die aktuelle Nummer 307 vor allem in Hinblick auf die vier Grand Slam Turniere. Denn mit einer Top-200-Platzierung kann man sicher sein, bei den Major-Qualifikationen dabei zu sein. 2019 spielte Miedler eine eher durchschnittliche Saison mit einigen Up und Downs, wodurch er im Ranking etwas zurückgerutscht ist. 2020 bot danach kaum Chancen sich wieder vorzuspielen. „Da wären schon wirklich außergewöhnlich gute Ergebnisse notwendig gewesen“, so der 24-Jährige. Mittelfristig soll es für den Ex-Spieler des TK Big Point Muckendorf Richtung Top 150 gehen. „Das wäre ein sehr wichtiger Schritt für die Zukunft!“