Top-Zeiten bei Laufspektakel. 30-jähriger Asylwerber Jakob Mehamad gewann den siebenten Rosenarcadelauf. Es war sein erst drittes Rennen.

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 05. Juli 2017 (02:43)

Er wird immer größer, in der Laufszene immer beliebter. Die Starterzahlen steigen jährlich um 20 Prozent, so auch heuer. „Wir hatten um 100 Teilnehmer mehr als im Vorjahr, haben an der 900er-Marke gekratzt“, freute sich Hannes Blauensteiner vom Veranstalter „Die Sportpraxis“. Die Streckenführung ist einzigartig, begeistert Läufer und Zuschauer gleichermaßen.

Die Rede ist vom Tullner Rosenarcadelauf, der seine siebente Auflage erlebte und sich längst zu einem Fixpunkt im Sportjahr entwickelt hat.

Das Ziel sind mehr als 1000 Starter

Noch ist der Lauf nicht an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. „Der Hauptplatz gibt noch einiges her“, hofft Blauensteiner auf eine Fortsetzung des Trends. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis – so das ehrgeizige Ziel – die 1000-er-Schallmauer fällt.

50 freiwillige Helfer, eingesetzt bei Auf- und Abbauarbeiten, bei Labstationen oder zur Absicherung der Strecke, hatten ganze Arbeit geleistet.

Die Sicherheit hatte Priorität

Der Wasserbedarf war enorm. Großen Wert legte der Veranstalter darauf, die Kinder und Jugendlichen mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. „Wir haben auf die hohen Temperaturen reagiert und die Versorgungsstelle extra in den Zielbereich verlegt.“

Bewährt hat sich auch, dass es bei der Jugend keinen Massen-, sondern einen neutralisierten Start gab, dass das Starterfeld, angeführt von einem Fahrrad, in die Länge gezogen wurde. Das Risiko zu stürzen wurde dadurch minimiert, „und es kam auch niemand zu Sturz“, freute sich Blauen-steiner.

Sportstadtrat Wolfgang Mayrhofer, der selbst gerne am Hobbylauf teilgenommen hätte, wegen einer Verletzung absagen musste, und Harald Schinnerl sprachen die Begrüßungsworte und schritten zur Siegerehrung der Kinder- und Jugendläufe. In Summe wurden 200 Pokale und Medaillen übergeben.

Top-Stimmung am Hauptplatz

Zahlreiche Zuschauer sorgten am Hauptplatz für eine tolle Kulisse. Die Stimmung heizten die Moderatoren Markus Floth und Michael Pimiskern an. „Die Action auf der Start-Ziel-Geraden war fast vergleichbar mit dem New-York-Marathon“, lachte Blauensteiner.

Wolfgang Stritzl

Ein Lob gab es nicht nur für die Fans, sondern auch die Athleten: „Die Läufer haben fantastische Leistungen geboten, speziell die Siegerzeit war top.“ Der Rekord von 2014 wurde zwar nicht geknackt, die Siegerzeit vom Vorjahr aber um eine Minute unterboten. Strahlender Gewinner des Hauptlaufs über 9,6 km war Jakob Mehamad. Mit dem Tempo des 30-jährigen Asylwerbers aus dem Sudan konnte keiner mitgehen, auch nicht Titelverteidiger Andreas Grubmüller, der sich völlig verausgabte, seine Zeit vom Vorjahr um 30 Sekunden verbesserte und sich im Kampf um Platz drei nur um eineinhalb Sekunden geschlagen geben musste.

Mehamad lebt seit eineinhalb Jahren in Österreich und ist Mitglied eines 15-köpfigen Flüchtlingslaufteams aus Langenlebarn. In Tulln bestritt er seinen dritten offiziellen Bewerb. „Den ersten, den Straßenlauf über 10 km am Vortag des Vienna City-Marathons, ist er in Freizeitschuhen gelaufen“, schmunzelte Hemma Niedel, die mit Franziska Dzugan das Team „Grenzenlos“ betreut. In Wien wurde er unter Profi-Läufern Gesamt-Zehnter und Dritter in seiner Altersklasse. Das zweite Rennen, den Hoflauf in Langenschönbichl, hat Mehamad ebenso gewonnen wie sein drittes, den Rosenarcadelauf. Und das, obwohl der Ramadan, an den er sich strikt gehalten hatte, erst vier Tage vor dem Rosenarcadelauf zu Ende gegangen war.

„Jakob ist ein Strahlemann“

„Jakob ist ein Strahlemann, er lächelt immer“, beschreibt Niedel das sonnige Gemüt ihres Schützlings. Er ist Vater eines kleinen Jungen, seine Frau erwartet ein zweites Baby. „Das Leben in Österreich ist sehr schön“, sagt Jakob Mehamad. Woher er sich seine Fitness holt? „Jeden Tag laufe ich in der Früh von Langenlebarn ins Aubad und zurück.“ Im Flüchtlingslaufteam sind acht Nationen vertreten. „Das Miteinander funktioniert super.“

Unter den begeisterten Zuschauern waren auch Schülerinnen des BG/BRG Tulln, die ihren Klassenvorstand anfeuerten. Deutsch- und Russisch-Professor Johannes Poyntner kam mit starken 38:05 Minuten prompt unter die Top-Ten.

Schnellste Dame im Feld war Anna Holzmann (Zwettl). Den Hobbylauf über 6,4 km gewannen Roland Hinterhofer (Mank) und bei den Damen Titelverteidigerin Anita Miedl (lauffrau.at), die ihre Vorjahreszeit praktisch einstellte (27:49). Beim Rosenarcadelauf waren 70 Staffeln am Start (darunter vier vom Tischtennisverein Tulln) – eine logistische Herausforderung, die aber wie in den Vorjahren bestens bewerkstelligt wurde. In Summe gab es sieben verschiedene Bewerbe (Hauptlauf, Hobbylauf, Staffellauf, Walking, Jugend-, Schüler-, Inklusionslauf) mit den Staffel-Sonderwertungen „Tullns schnellste Firma“ und „Tullns schnellster Verein“.