Tränenreiche WM. Wegen eines umstrittenen Torrichter-Entscheids verpasste Viki Wolffhardt bei der WM das Finale. "Habe viele Tränen geweint."

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 30. September 2014 (05:04)
Viktoria Wolffhardt hat heuer zehn Länder bereist. »Ich liebe es, so viel herum zu kommen, andere Kulturen kennen zu lernen, neue Leute zu treffen. Oft sehen wir aber nicht viel außer die Wildwasserstrecke.« Trotzdem freut sie sich mich immer, wieder nach Hause zu kommen. »Es ist schwer, wenn man die Familie länger nicht sieht. Denn die Familie steht immer hinter mir, egal ob ich gut paddle oder nicht. Aber auch wenn ich auf einem anderen Kontinent bin, spüre ich den Rückhalt meiner Eltern und meines Bruders, der mir immer hilft, Abstand zum verbissenen Wettkampf zu bekommen und mich zum Lachen bringt«, so Viki, die nebenbei Biologie und Englisch studiert. »Das hilft mir, abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen.«
NOEN, Peter Brichta

Viele Tränen hat Viki Wolffhardt nach ihrem bitteren WM-Aus im Kajak Einer vergossen. „Ich habe von einem Fehler nichts mitbekommen und im Ziel schon gejubelt, als plötzlich die 50-Sekunden-Strafe auf dem Bildschirm im Ziel erschienen ist.“ Nicht einmal bei einer Video-Analyse habe man einen Fehler erkennen können. „Wir waren uns einig, dass es eine unfaire Entscheidung war. Auch Trainer anderer Nationen, die direkt an dem Tor standen, meinten, dass es korrekt befahren war.“ Eine schiefe Optik bekommt der Entscheid der beiden britischen Torrichter auch deshalb, weil deren Landsfrau an zehnter Stelle lag.

Viki weinte Tränen der Enttäuschung. „Mein Papa hat mir in einem Telefongespräch die Energie und das Selbstvertrauen für den Teambewerb wieder gegeben. Auch meine Trainer vor Ort haben mir Trost gespendet.“ Trotzdem folgten schlaflose Nächte, „weil mir mein Lauf, das gesamte Wochenende und speziell das Tor 23 im Kopf herumgeschwirrt sind“. Silber im Team war ein schwacher Trost. „Ich bin aber glücklich, dass wir es runter gebracht haben.“

U-23-Start vom Verband verboten

Viki Wolffhardt durfte dieses Jahr keine U-23-Bewerbe bestreiten, der Verband wollte keine Doppelbelastung zur allgemeinen Klasse. „Ich finde diese Entscheidung des Verbandes persönlich sehr traurig.“ Weiters durfte Wolffhardt auch nicht im Kanadier Einer (C1) am Start stehen, obwohl sie in dieser Disziplin letztes Jahr U23-WM-Silber geholt hat. „Deswegen sieht meine Saison am Papier nicht so erfolgreich aus, wie meine vergangenen. Dennoch hab ich mich verbessert, meine Rückstände sind kleiner geworden, und ich habe gute Läufe ins Ziel gebracht. Ich konnte mein erstes ICF-World Ranking Race gewinnen.“ Natürlich wäre mehr drinnen gewesen. „Ich werde versuchen, Konstanz in meine Wettkämpfe zu bringen. Es gibt definitiv noch einiges zu verbessern, und ich freue mich, diese Challenge auf mich zu nehmen und weiter an mir zu arbeiten.“

Mittlerweile sind die Tränen getrocknet. Viki Wollfahrt befindet sich derzeit im Urlaub, um den verpassten Sommer nachzuholen. „Ich genieße es, im Meer zu plantschen. Ganz ohne Sport geht es aber auch im Urlaub nicht.“
 

Hintergrund

WM der Wildwasser-Kanuten in Deep Creek (USA). Frauen-Team (K1): 1. Frankreich 132,47 Sek., 2. Österreich (Corinna Kuhnle, Lisa Leitner, Viktoria Wolffhardt) 139,46, 3. Slowakei 140,31. Frauen Kajak-Einer: 1. Jessica Fox (AUS) 114,01 … 8. Corinna Kuhnle (AUT) 176,71, … 27. Viktoria Wolffhardt 170,59, … 29. (beide AUT/beide im Halbfinale ausgeschieden) Lisa Leitner 187,23.

Im nächsten Jahr findet die WM in London statt. Dabei werden für alle Nationen die Olympia-Tickets herausgefahren, wobei es nur um das Ticket selbst und nicht die Person geht. Die nationalen Qualifikationsrichtlinien stehen noch nicht fest. Wolffhardt: „Im Moment sind vier sehr starke Frauen in Österreich, die alle die Chance auf Olympia haben. Ich werde mein Bestes geben, hart trainieren und mich so gut wie möglich auf mein großes Ziel konzentrieren. Es möge die Beste von uns zu den Spielen fahren.“