Benny Wizani verpasst um Hundertstel das EM-Finale . Erfolgreiches Comeback nach mehrmonatiger Verletzungspause: Benny Wizani bei seiner ersten Elite-EM Zehnter!

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 05. Mai 2021 (01:25)
Sechs bis neun Meter ist Benny Wizani bei seinen spektakulären Sprüngen in der Luft.
ÖFT – Austrian Gymnastics, ÖFT – Austrian Gymnastics

Schöner Erfolg für Benny Wizani! Der Elite-EM-Debütant belegte bei der Europameisterschaft im Trampolinspringen in Sotschi/Russland den starken zehnten Platz. Und im Synchron-Bewerb sorgte der Absdorfer gemeinsam mit Niklas Fröschl mit Platz vier für das historisch beste österreichische Ergebnis bei einer EM!

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Knappe 29 Hundertstel-Punkte fehlten im Einzel letztlich auf den Finaleinzug der besten Acht. Im Halbfinale ließ der 19-Jährige etwas an jener Perfektion vermissen, die ihn in der Qualifikation noch ausgezeichnet hatte. Bei seinen zehn schwierigen Sprüngen mit geschraubten Dreifach- und Doppelsalti versetzte es Wizani mehrfach leicht auf dem Federtuch. In der Endwertung standen 57.040 Punkte zu Buche – und damit um 1,34 weniger als noch im Vorkampf, den er an verheißungsvoller achter Stelle liegend beendet hatte.

„Konnte zeigen, dass ich vorne dabei bin“

Trotz der Enttäuschung über den knapp verpassten Finaleinzug zog der 19-jährige Jugend-Olympia-Dritte aus 2018 ein positives Fazit: „Ich bin super zufrieden mit meiner Performance. Ich konnte zeigen, dass ich ganz vorne mitspringen kann.“

Tatsächlich ist Wizanis Leistung besonders hoch einzuschätzen. Im Herbst hatte er sich einen Bruch des rechten Ellbogengelenks zugezogen. Bei der notwendig gewordenen Operation mussten Gelenksstücke entfernt werden. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen war in weite Ferne gerückt. Wizani überwand die langwierige Verletzung aber deutlich schneller als gedacht. „Ich habe vor der EM aber nur drei Monate trainieren können. Deshalb ist für mich ein guter Wettkampf im Vordergrund gestanden“, versuchte sich der Tullnerfelder nicht zu sehr unter Druck zu setzen und Gedanken an die Olympia-Chance, die bei einem Finaleinzug gewunken hätte, hintanzustellen. „Ich werde bei der EM eine etwas leichtere Übung zeigen, dafür mehr auf die Haltung schauen“, hatte sich der von Wilfried Wöber trainierte Wizani für die EM vorgenommen.

Nach der Qualiauf Final-Kurs

Wizani war im Vorkampf mit einer starken Vorstellung ins Halbfinale der besten 24 eingezogen. Er sprang zum Auftakt seiner ersten Elite-EM sowohl in der Pflicht-, als auch in der Kürübung sehr konzentriert und souverän. Als Achter lag er klar auf Finalkurs. Vor Wizani rangierten in der Qualifikation neben einem Portugiesen, einem Russen und einem Franzosen gleich vier Belarussen. Und maximal zwei Athleten pro Nation war der Einzug ins Finale vorbehalten.

Benny Wizani lässt die Muskeln spielen. Links: Trainer Wilfried Wöber.
NOEN

Angeführt von Benny Wizani, belegte das österreichische Männerteam mit Wizany, Niklas Fröschl und Martin Spatt (schieden im Einzel in der Qualifikation aus) in der Mannschaftswertung den siebenten Platz. Damit jubelte der Österreichischer Fachverband für Turnen über das beste EM-Ergebnis überhaupt.

Ein Wechselbad der Gefühle durchlebte Benny Wizani im Synchron-Bewerb der Männer gemeinsam mit Niklas Fröschl. Nach der Pflichtübung lag das österreichische Duo auf Top-Acht-Finalkurs. Doch Fröschl, dessen Sprünge etwas außer Kontrolle gerieten, musste die Kür vorzeitig abbrechen. Wegen des Fehlers blieb nur der elfte Rang – an der Spitze jener neun Paare, die im nervös geführten Wettkampf das Schicksal der beiden Österreicher geteilt und ihr Programm abbrechen hatten müssen.

Historischer Erfolg:Synchron-Vierter

Wizani und Fröschl hatten Glück des Tüchtigen. Sie profitierten vom kurzfristigen, verletzungsbedingten Ausfall eines russischen Paares und rückten von der Ersatzposition aus ins Finale auf. Dort nutzten sie die Gunst der Stunde und sorgten am Finaltag für das historisch beste österreichische Ergebnis. Wizani/Fröschl jubelten mit einer ausgezeichneten Synchronkür über den vierten Rang. Auf einen Podestplatz fehlte lediglich ein Punkt in der Schwierigkeit. Wizani: „Das Ergebnis ist vollkommen berechtigt, denn wir haben eine Topleistung gezeigt.“

Benny Wizani gehörte bei den Titelkämpfen im Iceberg-Palast des Olympiaparks von Sotschi mit erst 19 Jahren zu den jüngsten Teilnehmern. Die weltweit besten Springer sind zwischen 23 und 26 Jahre alt.

Wizanis Programm war mit zwei Dreifachsalti und acht Doppelsalti gespickt. Das oberste internationale Level sind drei bis vier Dreifachsalti in der Kür und sechs bis sieben Doppelsalti mit mehreren Schauben. Insgesamt zehn Sprünge am Stück sind zu absolvieren.

Gezeigt werden müssen ein Pflicht- und Kürprogramm. Bewertet werden Haltung, Schwierigkeit und Höhe sowie das Wanderverhalten am Trampolin. Druckplatten nehmen die Messungen vor, im Optimalfall kommt der Athlet immer in der Mitte auf. Abweichungen haben Punkteabzug zur Folge. Was den HSZ-Sportsoldaten beim Springen auszeichnet, ist, dass er bei seinen Sechs- bis Neun-Meter-Sprüngen die Salti früh öffnet. „Das fließt nicht in die Bewertung ein, sieht aber spektakulärer aus.“ In Österreich trainiert Wizani bei seinem Verein Brigittenau sehr hart. 16 Stunden pro Woche wird am Trampolin gearbeitet, hinzu kommen Ausdauer- und Krafttraining.

2018 sprang Benny Wizani bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires zur Bronzemedaille.
NOEN

Benny Wizani begann mit dem seit 2000 olympischen Trampolinspringen schon im Kleinkindalter, „kurz nachdem ich Gehen gelernt hatte“, und zwar auf der Trampolin-Anlage an der Donaulände. Stundenlang habe er geübt. „Ich war sehr ehrgeizig. Als ich fünfeinhalb war, haben meine Eltern einen Verein gesucht, und ich bin in Wien bei WAT Brigittenau gelandet.“

Der große Trainingsfleiß machte sich bezahlt. Benny Wizani gewann bei der Jugend-Olympiade 2018 die Bronzemedaille, wurde bei der Junioren-EM 2016 Sechster, ist mehrfacher Staatsmeister (Einzel 2019, Synchron …). Und jetzt führte er das österreichische Nationalteam zum besten Ergebnis bei einer EM überhaupt.