Tullner Gym jubelte mit. Das BG/BRG Tulln freut sich mit dem frisch gebackenen Grand-Slam-Sieger Lucas Miedler. Gymnasiasten und Lehrer drückten ihrem ehemaligen Mitschüler die Daumen.

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 28. Januar 2014 (23:59)
Am Sonntag noch im heißen Australien, am Montag zu Besuch an seiner ehemaligen Schule: Lucas Miedler mit seiner Freundin Christina Radlherr, Schülerin der 7 B des BG/BRG Tulln.
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Von Wolfgang Stritzl

Freitag Vormittag, Tullner Gymnasium: Schüler der 7. und 8. Klasse sind brennend an den Ereignissen in Australien interessiert.

Gymasiasten gebannt vor dem Live-Ticker

Es ist aber nicht etwa die RTL-Dschungel-Ekel-Show „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, über die sie sich mit ihren Smartphones am Laufenden halten. Nein, sie verfolgen den Live-Ticker des Australien-Open-Finales. In diesem nämlich steht ein junger Mann, der noch vor drei Jahren ihr Mitschüler war.

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NOEN, Wolfgang Stritzl
Lucas Miedler gewann am Freitag im Junioren-Doppel sein erstes Grand-Slam-Turnier (siehe Tullner NÖN, Seite 67). Ein unglaublicher Erfolg, sein bisher größter, der den erst kürzlichen Sieg bei der Orange-Bowl noch toppt.

Freundin Christina: „Unterstütze ihn in seiner Karriere, so gut ich kann“

Eine Schülerin fieberte ganz besonders mit. Christina Radlherr – sie und Luci sind seit Sommer ein Paar – strahlte, als sie auf den Triumph ihres Freundes angesprochen wurde.

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„Ich freue mich riesig für ihn. Natürlich finde ich es nicht so schön, dass er so viel unterwegs ist. Aber ich akzeptiere das und unterstütze ihn in seiner Karriere, so gut ich kann.“

Mitschüler Bernhard Kapeller kennt Lucas Miedler fast schon sein ganzes Leben. Er ist in Muckendorf sein Klubkollege und Trainingspartner. „Mit zwei Jahren hat er zum Tennis spielen begonnen, damals war ich eins. Körperlich war er schon immer weiter als wir – und viel talentierter. Es ist auf jeden Fall sehr schön, wenn jemand, den man schon so lange und gut kennt, einen so großen Erfolg hat. Es ist schön, seine Entwicklung mitansehen zu können.“

Karten für Federer gegen Nadal verfielen durch eigenes Endspiel

Den Sieg bei den Australien-Open hat er ihm im Vorfeld auf jeden Fall zugetraut: „Es ist ja schon sein vierter Doppeltitel in Folge.“ Was Berni Kapeller ebenso aus erster Hand weiß: „Luci hätte Karten für das Spiel Federer gegen Nadal gehabt. Er ärgert sich, dass er das Spiel nicht hat sehen können.“ Nämlich deshalb nicht, weil er zeitgleich sein eigenes Finale bestritten hat …

Auch Kristof Ehringer, früherer Klassenkamerad und sehr guter Freund von Lucas Miedler, war via Internet einer der ersten Gratulanten. „Jetzt werde ich ihn leider zum Essen einladen müssen“, scherzte der 8.-Klässler.

Er beschreibt Miedler als „extrovertierten, selbstbewussten, lustigen, vernünftigen und bodenständigen“ jungen Mann. Er traut ihm den Durchbruch im Herren-Tennis zu: „Auf Luci wartet noch ein langer Weg, aber er wird es schaffen.“

Ex-Lehrerin freut sich mit ihrem „angenehmen“ Ex-Schützling

Lucas Miedler ging nach fünf Jahren BG/BRG Tulln von der Schule ab. Er war ein blitzgescheiter Schüler, der die Matura locker geschafft hätte. Die Tennis-Karriere ging aber vor. Dr. Edeltraud Schwaiger war in der Unterstufe Miedlers Klassenvorstand und auch in der 5. Klasse seine Mathematik-Lehrerin.

Sie erinnert sich: „Er war ein angenehmer und leistungsbereiter Schüler, sehr beliebt in der Klasse und auch gegenüber uns Lehrern immer sehr nett. Ich freue mich sehr mit ihm.“ Stolz war auch Direktorin Ingrid Balka: „Ich wünsche es ihm, dass er weiter seinen Weg macht. Er hat die Chance ergriffen, sein Talent zu nützen.“

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Hintergrund:

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Wie die Erfolgsgeschichte von Lucas Miedler und seinem australischen Doppelpartner begonnen hat.

Bereits im Vorjahr kam Lucas Miedler bei den Australien Open ins Doppel-Finale, damals noch an der Seite von Max Marterer (GER). 2013 zog er im Endspiel noch den Kürzeren – ausgerechnet gegen seinen jetzigen Doppel-Partner Bradley Mousley und dessen australischen Landsmann Jay Andrijic.

Marterer und Andrijic sind für die Junioren mittlerweile zu alt, bei Mousley geht es sich ganz knapp aus (Geburtstag: 3. Jänner 1996).

Im August 2010 lernten sich Miedler und Mousley bei einem Turnier in Eching, Nähe München, kennen. Damals spielten sie noch U 14.

Der Australische Verband war damals mit sieben Spielern vertreten – und Miedler ohne Doppelpartner angereist. Miedlers damaligem Trainer Norbert Richter fiel die ungerade Anzahl an Australischen Spielern auf, und so hat es sich ergeben, dass Miedler und Mousley miteinander spielten.

Sie kamen bei ihrer Premiere auf Anhieb bis ins Finale, wo sie verloren. Bis heute ist dies ihre einzige gemeinsame Niederlage!

Im März 2013 traten Miedler/Mousley bei einem ITF-Grade 1 Turnier an und gewannen es.

Vor ein paar Monaten fragte Mousley bei Miedler an, ob sie nicht bei den Australian Open und beim eine Woche vorher stattfindenden ITF-Grade-1-Vorbereitungsturnier in Traralgon spielen wollen. Das Turnier in Traralgon gewannen sie ebenso wie die Australien Open.

Die weiteren Grand-Slams 2014. Roland Garros und Wimbledon mit jeweils einem Vorbereitungsturnier sind fix eingeplant. Ob Lucas Miedler an den US Open teilnehmen wird, steht noch nicht fest.

Sein Doppelpartner in Paris und Wimbledon dürfte wieder Bradley Mousley sein.

Mathias Wagner


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