Tullnerin holt in Seattle Vizeweltmeistertitel. Die Tullnerinnen Kathrin und Sabine Ortlieb ritterten in Seattle um den WM-Titel im Wasserski-Racing. Kathrin holte souverän Silber, Sabine musste verletzungsbedingt aufgeben.

Von Bettina Kulmer. Erstellt am 30. August 2017 (01:16)
Kathrin Ortlieb wurde Vizemeisterin, Schwester Sabine (v.l.) zur Fahrerin des Jahres 2016 gekürt.
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Freud und Leid liegen bei den Schwestern Kathrin und Sabine Ortlieb eng beieinander. Kathrin jubelt einerseits über ihren jüngsten Vizeweltmeistertitel, andererseits hatte sie bei ihrer vierten WM-Teilnahme stark auf Gold gehofft.

Mit Handicap am Start

Ihre jüngere Schwester und direkte Konkurrentin Sabine (beide fahren in derselben Klasse Open Women, vormals Formel 1; Anm.) verletzte sich wenige Wochen vor der WM und startete unter Schmerzen lediglich bei zwei von vier Rennen. Mit geschwollenem Knöchel stieg sie an zwei Tagen auf die Ski, musste aber vorzeitig abbrechen und fiel damit aus der Wertung.

„Ich habe intensiv im Ausland trainiert und war natürlich sehr enttäuscht. Hoffentlich gibt es nächstes Jahr eine EM“, versucht sich die 28-Jährige zu trösten. Ein Trostpflaster hatte der IWWF (International Waterski and Wakeboard Federation) parat. Sabine wurde zur Racing Skier of the Year 2016 gekürt.

Gründliche Vorbereitung für Weltmeisterschaft

Kathrin Ortlieb hatte sich auf die diesjährige WM in Seattle besonders gründlich vorbereitet. Sechseinhalb Monate lang lebte sie in Australien, wo man ganzjährig gute Trainingsbedingungen vorfindet. Ermöglicht wurde ihr dies von ihrem Bootsteam „Superbad“. Der australische Fahrer Brian Farrell und sein Beifahrer Justin Pick stellten ihre Gastfreundschaft unter Beweis und ihr 1350-PS-Boot zur Verfügung.

„Wir sind in Australien alle Rennen mitgefahren, die es in meiner Kategorie gab. Ansonsten schafft man es nicht, mit der internationalen Konkurrenz mitzuhalten“, so Kathrin, die darauf hinweist, dass es in Europa bei Open Women nur noch sie und ihre Schwester gibt.

Von Australien ging es dann direkt zur WM, wo vier Rennen in einer Woche anstanden. Insgesamt traten sieben Frauen in der Klasse an, neben Kathrin ausschließlich Australierinnen und US-Amerikanerinnen.

Hohe Geschwindigkeit des Wasser als Herausforderung

„Von den Wasserbedingungen her war es sehr schnell. Ich hätte mir gewünscht, dass es welliger ist.“ Die Geschwindigkeit machte ihrem Team auch gleich beim ersten Rennen zu schaffen. Zu flott ging es los, und nach 20 Minuten war die Kraft weg. Besser verliefen die Rennen zwei und drei, wo die Tullnerin jedes Mal Zweite wurde. Danach stand der Vizemeistertitel bereits fest. Favoritin Chelsea Blight hatte bis zum Schluss die Nase vorne, gewann alle Rennen. „Als Australierin kann sie halt das ganze Jahr trainieren“, weiß Kathrin enttäuscht, denn „Platz eins wäre natürlich der Traum und das Ziel gewesen“.

Kapitel "Wasserski" ist abgeschlossen

Das Kapitel ist für die 30-Jährige nun für‘s Erste abgeschlossen. „Ich habe jetzt schon ein bisschen die Nase voll und will auch einmal an Familie denken. Das ist unmöglich, so lange man den Sport auf diesem Niveau macht. Ich werde nicht aktiv nach einem Team für nächstes Jahr suchen. Wenn mich jemand fragt, werde ich es mir überlegen.“