Corona: Legende Harry Simon bangt um seine Saison. Pandemie hält Eisspeedway- Urgestein (54) in Atem. Kein Trainingslager, keine Superliga, wohl keine EM, auch WM wackelt.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 25. November 2020 (02:16)
Schafft es Harald Simon in diesem Winter noch ins Eis-Oval? Nachdem er bereits das Trainingslager absagen musste, stehen die Chancen auf Rennen eher schlecht.
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In einem normalen Jahr hätte Harald Simon dieser Tage seine Zelte in Russland aufgeschlagen, wo er sich im Trainingslager in Kamensk-Uralsky im Mittleren Ural auf die kommende Eisspeedway-Saison vorbereitet hätte.

Doch heuer ist kein normales Jahr. Die Corona-Pandemie hat auch den Eisspeedway-Sport fest im Griff, Rennen gibt es kaum. Dazu kommen die Einreise-Beschränkungen in fast allen Ländern. So sitzt Simon Ende November in Pfaffenschlag.

Reisen als Amateur schwierig

„Es ist grauslich“, sagt der 54-Jährige. „Alles wäre hergerichtet, ich könnte in zwei Tagen wegfahren, aber es geht derzeit einfach nicht. Die Russen lassen niemanden einreisen, auch Polen ist ein Risikogebiet.“

Dort würde am 13. Dezember die Europameisterschaft nachgetragen werden – das Großevent war ursprünglich für März angesetzt, musste wegen des Ausbruchs von Covid-19 aber verschoben werden. Wieviele Fahrer sich den Weg nach Tomaszow Mazowiecki antun, ist aber offen.

„Alles wäre hergerichtet, ich könnte in zwei Tagen wegfahren, aber es geht derzeit einfach nicht.“ Harald Simon droht die zweite „Null-Saison“ in drei Jahren

Aus österreichischer Sicht wäre nur Franz Zorn dabei. „Er ist Profi, so viele gibt es da im Eisspeedway außerhalb von Russland nicht“, sagt Simon, der als Maschinenschlosser bei der ÖBB arbeitet, sich die Saison Jahr für Jahr mit Urlaub, Zeitausgleich und unbezahltem Urlaub freischaufelt – mit Auslandsreisen hat sein Arbeitgeber in der jetzigen Situation aber freilich wenig Freude. „Aktuell geht das bis 6. Dezember eh nicht. Und ob es danach wieder geht, weiß man ja auch nicht. Als Amateur hast du es bei den Reise-Beschränkungen nicht so leicht.“

Eigenes Superliga-Team darf doch nicht starten

Russland machte überhaupt die Schotten dicht – lässt auch seine Profi-Piloten nicht ausreisen. Harry Simon wollte dort in der Superliga mit einem eigenen Team antreten – gemeinsam mit Markus Jell, Josef Kreuzberger, Jasper Iwema, Bart Schaap und einigen anderen Fahrern.

„Bei den russischen Teams kommst du als Europäer kaum mehr unter, weil sie die Plätze für ihre Nachwuchsfahrer brauchen“, erklärt Simon. „Wir hatten schon alle Planungen abgeschlossen, auch das OK vom Russischen Verband. Nachdem sich die Situation verschlechtert hat, haben die Russen aber die Genehmigung zurückgezogen. Die Botschaft würde uns auch kein Visum geben.“ Die russische Königsklasse wird heuer überhaupt ohne Auslandsbeteiligung ausgetragen.

Einzel-Weltmeisterschaft als letzte Hoffnung

Die wohl letzte Hoffnung für Simon, in diesem Winter noch auf den Bock zu kommen, wäre die Einzel-WM. Doch auch diese ist nur mit einem Mini-Rennkalender geplant. Am 13. & 14. Februar soll im russischen Togliatti gefahren werden, am 6. & 7. März in Berlin. D

as Rennen in der deutschen Hauptstadt steht aufgrund der Corona-Situation aber noch auf wackligen Beinen. Die Qualifikation soll am 16. Jänner in Örnsköldsvik in Schweden über die Bühne gehen.

„Ich fürchte, das wird schwer werden. Da kommen 24 Fahrer zusammen, dazu ihre Teams. So streng wie seit kurzer Zeit die Corona-Regeln in Schweden sind, könnte das problematisch werden“, meint Simon. „Du kannst Eisspeedway nicht mit Sportarten wie der Formel 1, Skifahren oder Profi-Fußball vergleichen, die auch weiterhin stattfinden können. Eisspeedway gilt in vielen Ländern nicht als Profisport. Der Bekanntheitsgrad ist natürlich ein ganz anderer.“

Zweite Pause in drei Jahren?

Aufgrund des ausgefallenen Trainingslagers beginnt Simon aber ohnehin zu grübeln, wie sinnvoll eine Teilnahme wäre: „Wenn ich fahre, will ich ja auch konkurrenzfähig sein. Das wird ganz ohne Training schwierig. Wenn man es nüchtern betrachtet, müsste ich die Saison wegen Corona ohnehin sinnvollerweise auslassen.“

Es wäre bereits die zweite Saison in den vergangenen drei Jahren, die das Waldviertler Eisspeedway-Urgestein komplett auslassen muss. 2018/19 zwang ihn eine Hand-Operation zur Pause.