Mario Bauer lief auf Rang fünf!. Vitiser verpasste die Bronze-Medaille im Marathon nur um 8:37 Minuten, war nach dem Rennen hochzufrieden: „Mit dieser Platzierung hätte ich nicht gerechnet.“

Von Christopher Eckl. Erstellt am 21. September 2016 (08:18)
NOEN, Franz Baldauf
Kühlen Kopf bewahrt. Mario Bauer biss sich beim Paralympics-Marathon trotz großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit bis ins Ziel durch und landete auf dem sensationellen fünften Platz.

Hätte man Mario Bauer noch vor rund einem Monat nach seinem Vorhaben für den Schlusstag der Paralympics in Rio de Janeiro gefragt, hätte er vermutlich geantwortet, dass er den Marathon vom eigenen Wohnzimmer aus mitverfolgen wird.

Nun kam aber alles anders, Bauer war am Zuckerhut mitten im Geschehen dabei. Weil die russische Mannschaft kollektiv von den Spielen ausgeschlossen wurde, bekam der Vitiser das lang erträumte Rio-Ticket (die NÖN berichtete). Dass einfach nur mitlaufen nicht die Sache des 34-jährigen ist, zeigte er am Tag X – dem vergangenen Sonntag.

Bei Hitze und extrem hoher Luftfeuchtigkeit ging Bauer an seine Leistungsgrenzen. Am Ende der 42,185 Kilometer hatte der Waldviertler eine Zeit von 2:58:34 auf der Stoppuhr stehen. Die war gleichbedeutend mit dem fünften Rang.

„Wahnsinn! Damit hätte ich im Vorfeld nie gerechnet“, freute sich der Top-Athlet Tags darauf im NÖN-Telefonat. „Von den Zeiten her hätte ich mit einem zehnten oder elften Platz spekuliert. Im Rennen sind aufgrund der großen Hitze aber einige ausgestiegen, das habe ich so nicht erwartet.“ Selbst der Hitze Tribut zu zollen und das Rennen vorzeitig zu beenden war nie eine Option für Bauer – obwohl er vor dem Wettkampf durchaus angespannt war: „Ich hatte großen Respekt vor der Hitze und vor allem, was da kommt.“

„Ich war zwar ziemlich fertig, die Feier war aber total spektakulär.“

Mario Bauer nahm nach dem Marathon auch an der Abschlussfeier teil

Gekommen ist ein Spitzen-Rennen, in dem es für Bauer bis zu Kilometer 30 nahezu ideal lief. „Danach bin ich ein bisschen eingebrochen. Zum Schluss habe ich aber gemerkt, dass sich eine Zeit unter drei Stunden ausgehen kann. Das ist mir ja letztlich gelungen.“ Getragen wurde er beim furiosen Finale auch von der tollen Stimmung rund um die Laufstrecke. „Es ist schon gewaltig, was sich da abgespielt hat. Die Copacabana bei einem Marathon entlang zu laufen, das wird man wohl nicht mehr so oft erleben.“

Tägliches Training, kurzes Sightseeing

Stichwort einmalige Erlebnisse: Bauer zeigte am Schlusstag der Paralympics gleich doppelt seine Steherqualitäten. Nach einigen Erfrischungsgetränken im Ziel und einer kleinen Regenerationspause ließ es sich der Vitiser nicht nehmen, auch an der Abschlussfeier im legendären Maracana-Stadion teilzunehmen. „Ich war zwar ziemlich fertig, die Feier war aber total spektakulär.“

Spektakulär ist wohl auch die richtige Überschrift über die insgesamt zwei Wochen, die Bauer in Rio verbrachte. An jedem Tag trainierte er für seinen Einsatz. Neben Besuchen bei Wettkämpfen seiner österreichischen Teamkollegen, die insgesamt neun Medaillen eroberten, stand auch Sightseeing auf dem Programm: Die 30 Meter hohe Christusstatue am Berg Corcovado zu besuchen ließ sich der Waldviertler nicht entgehen. Logiert hat Bauer im Olympischen Dorf. „Dort hat die ganze Zeit eine ruhige Anspannung geherrscht. In den letzten zwei Tagen war aber Party angesagt“, schmunzelte der Waldviertler. Nicht zuletzt deshalb gab er für die Nacht vor dem eigenen Wettkampf einem Hotel an der Copacabana, also in der Nähe des Marathon-Starts, den Vorzug.

Der Marathon bei den Paralympics war für Bauer, der am heutigen Mittwoch in Wien landen wird, gleichzeitig das letzte Rennen des heurigen Laufjahres. „Ich lasse die Saison jetzt ausklingen, weil ich Probleme mit der Achillessehne habe, die mich schon ziemlich lange beschäftigen.“ Ob er nun Blut geleckt hat und die Paralympics in vier Jahren in Tokio zumindest schon im Hinterkopf sind? „Das ist für mich noch zu weit weg. Ich habe noch nicht einmal das jetzt Erlebte realisiert. Aber das kommt sicher dann, wenn ich wieder daheim bin.“