Eisspeedway: Harry Simon startet mit EM in die Saison

Nach langer Unsicherheit legt Harry Simon aus Pfaffenschlag bei der EM in Polen am Samstag praktisch einen Kaltstart hin. Weitere Saison unsicher.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 02:15
Lesezeit: 2 Min
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Rauf auf den Bock. Der Pfaffenschlager Harry Simon startet am Samstag im polnischen Tomaszów Mazowiecki bei der Europameisterschaft in die neue Saison – mit dabei sein treuer Begleiter und Mechaniker Josef „Weinstein“ Böhm.
Foto: privat

Noch vor wenigen Wochen wusste Harald Simon nicht, wie seine heurige Saison im Eisspeedway-Zirkus aussehen wird, jetzt ging alles ganz schnell. Kurzfristig wurde nämlich für Samstag die Europameisterschaft in Polen anberaumt. Kurzerhand packte der Pfaffenschlager seine Sieben Sachen und fuhr nach Schweden für zumindest ein paar Tage Training. Am Mittwoch geht‘s weiter nach Polen.

„Jede Trainingsrunde tut mir gut“, berichtete Simon am Montagabend aus Nordmaling (50km südlich von Umeå). Und jede Runde muss sich das Eisspeedway-Urgestein am Bottnischen Meerbusen im Norden Schwedens hart erkämpfen. Er trainiert auf einem See. „Das Eis ist nur 15cm dick, da kannst du mit keinem schweren Gerät drauf. Über Nacht auf gestern hat‘s 20cm geschneit…“ Also musste er mit der Schneefräse ausrücken und ein Eisoval freilegen. „Eine Knochenarbeit“, muss er lachen. Nach einigen ersten Trainingsrunden ging‘s am Montag mit einer Tauchpumpe auf den See. Wasser auf das Eis spritzen, um die von den Spikes geschundene Oberfläche wieder zu glätten.

Am Nachmittag war die Bahn soweit, um wieder ein paar Runden abspulen zu können. „Es wird laufend besser, aber wie gut du drauf bist, siehst du erst im direkten Vergleich“, betont der 55-Jährige.

Den bekommt er am Samstag in Tomaszów Mazowiecki (etwa 100km südlich von Warschau) erstmals in dieser Saison. Am Mittwoch macht er sich mit seinem Mechaniker Josef Böhm von Schweden nach Polen auf.

Die EM wird wie 2020 sehr spät ausgetragen. Die Chancen auf Medaillen sind für Westeuropäer heuer so groß wie schon lange nicht. Im Line-up stehen mit Nikita Bogdanov und Titelverteidiger Dmitrij Solyannikov nur zwei Russen. „Es gibt genug Medaillenanwärter. Die Schweden sind heuer sehr stark drauf zum Beispiel“, sagt Simon, der nach einer Silbernen und dreimal Bronze seine fünfte EM-Medaille holen könnte.

Neben Simon stehen mit Frankie Zorn, der 2008 als bisher einziger Westeuropäer Europameister wurde, und dem Bayern Luca Bauer (1x Bronze) zwei weitere Medaillengewinner im Teilnehmerfeld.

Wie es dann weitergeht, ist indes noch nicht geklärt. Die Einzel-WM soll wieder in stark abgespeckter Version ausgetragen werden – geplant sind sechs Rennen an drei Austragungsorten (Togliatti/RUS, Heerenveen/NED und Inzell/GER). Die Qualifikation steigt am 15. Jänner in Örnsköldsvik in Schweden – nur 20km südlich von Simons Trainings-Location.

„Für ein Rennen werde ich sicher nicht nach Russland fahren“, sagt Simon. „Das ist die Strapazen nicht wert.“ Blieben die beiden Rennen in Westeuropa. „Durch Corona ist alles fraglich. Wenn du logisch denkst, ist es derzeit sehr unwahrscheinlich, dass in Inzell und Heerenveen gefahren werden kann“, gibt Simon zu bedenken. „Aber warten wir mal den Dezember ab.“