Wiener Neustädter ist bereit für den Schlussakt. Gesamtsieger, Weltmeister: Der Neustädter Michael Stocker (34) hat in seiner Sportart alles gewonnen. Bei der Heim-WM in Kaprun steigt er zum letzten Mal in die Bindung.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 05. September 2017 (02:42)
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2005 Bronze im Slalom, 2009 Silber im Slalom daheim in Rettenbach, 2011 Bronze im Slalom, 2013 Silber im Super-G, Bronze in der Kombi und Bronze im Riesenslalom, 2015 Gold im Slalom, Silber in der Kombi und im Riesenslalom sowie Bronze im Super-G.

Michael Stockers Liste an Medaillen bei Weltmeisterschaften ist beeindruckend. Der 34-jährige Wiener Neustädter – er startet für den Skiclub Neudörfl – hat im Grasski alles gewonnen, auch den Gesamtweltcup holte sich Stocker im Jahr 2015.

Wenn morgen, Mittwoch, die Weltmeisterschaft in Kaprun startet, dann ist das auch gleichbedeutend mit der letzten sportlichen Herausforderung für den Sportpool-Athleten. Nach der Heim-WM beendet er seine Karriere. Davor will er aber noch einmal nach Möglichkeit jubeln: „Das Minimalziel ist eine Medaille.“ Warum Stockers Erwartungshaltung so defensiv ist? Immerhin holte er in den letzten acht WM-Rennen (2015 und 2013) sieben Medaillen. „In dieser Saison ist die Dichte besonders groß. Da haben in jeder Disziplin acht Fahrer Medaillenchancen.“ Druck verspürt Österreichs Aushängeschild trotzdem nur wenig, denn: „Ich habe schon einen Titel und viele Medaillen, die kann mir ohnehin keiner mehr nehmen.“ Rein sportlich steht der Zweite des diesjährigen Gesamtweltcups bei gefühlt „99 Prozent. Ich kann mir nichts vorwerfen, habe mich sehr gut vorbereitet.“ Auch wenn Stocker das Alter eines Routiniers mittlerweile spürt.

Jede Menge Erfahrung

„Wenn ich jetzt in die Kraftkammer reingehe, bin ich nicht mehr der Killer, der ich einmal war.“ Dafür hat der Technik-Spezialist jede Menge Erfahrung, die er in die Waagschale werfen wird, bevor seine Karriere nach der WM offiziell zu Ende sein wird. „Für mich war das dann ein Lebensabschnitt von 20 Jahren, in dem ich Grasski sehr intensiv betrieben habe, viel Zeit und viel Geld in diesen Sport investiert habe.“ Reich wurde der Slalom-Weltmeister davon jedenfalls nicht: „Ich kann mir davon kein Haus bauen, sondern habe das alles für mein persönliches Ego getan. Ich freue mich jetzt auf einen hoffentlich tollen Karriere-Abschluss, aber auch schon auf ein Leben nach dem Wettkampfsport.“