Wr. Neustädterinnen betreten europäisches Parkett. Wiener Neustadts WHA-Match gegen Graz wurde abgesagt.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 18. November 2020 (02:22)
Marianne Jambor-Mazak (in schwarz) und Wiener Neustadt werden gegen Malaga versuchen aus jeder Körperlage zum Torerfolg zu kommen. Die Gäste aus Spanien sind in den beiden Spielen in der Allzeit Getreuen aber der klare Favorit.
Malcolm Zottl

Erneut liegt ein spielfreies Wochenende hinter Wiener Neustadt. Die Coronafälle in den eigenen Reihen waren auskuriert, nicht so bei Gegner Graz. Die CT-Werte der infizierten Steirerinnen lagen allesamt nur knapp über dem magischen CT-Wert von 30, damit wären sie eigentlich nicht mehr ansteckend gewesen. Allerdings handelt es sich hierbei eher um einen Richtwert.

„Die Grazerinnen wollten mit ihnen nicht mit Abstand in einem Bus sitzen, um anzureisen. Dann werde ich auch nicht gegen sie spielen wollen“, schildert WHA-Präsident und Wiener Neustadts Obmann Stephen Gibson. Der CT-Wert ist seit Längerem ein wichtiger Richtwert für die Vereine im Umgang mit Corona. Seit dem jüngsten bundesweiten Maßnahmenpaket ist dieser Wert auch erstmals im Verordnungstext niedergeschrieben.

Das ändert aber nichts an der aktuell schwierigen Gesamtsituation der WHA. Von den letzten zwölf Spielen konnten nur vier planmäßig vonstatten gehen. Das Coronavirus ist vielerorts ein unliebsamer Begleiter. Die Mehrheit entschied sich nach dem Motto „The show must go on“ aber gegen eine Unterbrechung der Liga. „Hätten wir im November ausgesetzt, hätten sich alle auskurieren können und dann gibt es diesmal halt nur Hin- und Rückrunde und keine Finalspiele“, wäre das ein gangbarer Weg für Gibson gewesen. Doch noch wird am Modus mit 22 Grunddurchgangsspiele und anschließendem Halbfinal- und Final-Serien festgehalten. Die Frage ist, wie lange: Denn die höchste heimische Damen-Liga fällt zwar unter die Spitzensportregelung (Qualichance für den Europapokal). Aber die Spielerinnen gehen nahezu alle auch einem Beruf oder einem Studium nach. Doppelrunden werden also nur begrenzt absolviert werden können.

Rückkehr in den Europacup

Die Sorgen der WHA schieben die Wiener Neustädterinnen nun aber ohnehin mal zur Seite. Nach zehnjähriger Abstinenz steht am Wochenende die Rückkehr in den Europacup an. Am Samstag (17 Uhr) und Sonntag (19 Uhr) ist der frischgebackene spanische Serienmeister Malaga zu Gast in der Anemonenseehalle.

„Wie sich herausgestellt hat, ist es ein sehr schwerer Gegner. Es hätte definitiv einfachere gegeben, aber wir werden versuchen, unsere Haut so teuer wie möglich zu verkaufen“, fasst Gibson zusammen. Beide Mannschaften müssen vor dem ersten Spiel einen Corona-Test ablegen, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Malaga wird die Tests bereits vor dem Abflug in Spanien absolvieren, einquartiert werden die Gäste im Roomz Hotel im Wiener Prater. Die Unterkunft werden sie nur für die Spiele verlassen. „Ich habe ihnen geschrieben, was auf sie in Österreich zukommt, dass sie zum Beispiel keine Sightseeing-Tour machen können“, schildert Gibson. Der Verinsboss hätte sich das Europacup-Comeback seiner Wiener Neustädterinnen natürlich auch anders vorgestellt: „Es wird kein Dinner der beiden Mannschaften geben, wie es im Europacup eigentlich üblich ist. Und natürlich fehlt auch das Auswärtsmatch in Spanien.“

Ebenfalls abgehen wird die Stimmung auf den Rängen. Die beiden Matches finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wie die Fans die Europacupspiele verfolgen können, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Angedacht wird ein Livestream auf Laola1. Das Okay seitens des europäischen Handballverbands war aber noch ausständig.