Thiem macht sich nun selbst mehr Druck für restliches Jahr

Aktualisiert am 17. Juni 2022 | 15:09
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Dominic Thiem
Dominic Thiem
Foto: APA/dpa/Andreas Gora
Nach zweieinhalb Wochen intensiven Trainings in Traiskirchen mit vier bis fünf Stunden pro Tag ist bei Dominic Thiem die Zuversicht zurückgekehrt.
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Während vor seinen ersten Comeback-Versuchen bei insgesamt sieben Turnieren (sechs auf der ATP Tour) seine Erwartungen sehr niedrig angesetzt waren, sieht es nun anders aus. Thiem trifft die Vorhand wieder weit besser, der letzte "Schnapper" bei der Vorhand und der damit verbundene, gefährliche Spin kommt wieder konstanter.

Darum macht sich der US-Open-Sieger 2020 für das restliche Jahr auch mehr Druck. Die Diskussionen rund um sein im Juni des Vorjahres verletztes rechtes Handgelenk waren nach seinen schwachen Performances in Genf und bei den French Open wieder aufgeflammt. Alexander Zverev hatte in Erinnerung an seinen Bruder Mischa, der eine ähnliche Verletzung wie Thiem gehabt hatte, geäußert, dass vielleicht doch eine Operation angebracht gewesen sein könnte.

Doch diesbezüglich war Thiem keinesfalls verunsichert, stellt er auf Nachfrage der APA - Austria Presse Agentur bei einem Termin in Traiskirchen klar. "Nein, da habe ich dem Arzt hundertprozentig vertraut, weil der hat auch gesagt, dass es gut verheilt ist." Dieser Arzt habe schon viele Spieler mit ähnlichen Verletzungen betreut. "Das Einzige war, dass die Vorhandtechnik komplett anders war, auch durch die Schmerzen in der Hand, die dann gekommen sind."

Dass das Wettkampf-Comeback dann vielleicht zu früh gekommen ist, lässt sich im Rückblick leichter sagen. "Ich habe es eh im Training gesehen, aber ich wollte einfach auf die Tour zurück. Es war zu lang, ich war zehn Monate weg. Ich wollte wieder in den Wettkampf rein", schilderte Thiem und gab zu. "Wahrscheinlich wäre es gescheiter gewesen, ich hätte genau das gemacht, was ich jetzt mache, nur ein bisserl früher. Aber ich bereue die Entscheidung nicht."

Nun hat sich Thiem den verloren gegangenen Spaß endlich wieder zurückgeholt und will ab Montag in Barcelona rund zehn Tage mit Topleuten wie den Russen Andrej Rublew und Karen Chatschanow trainieren. "Ich habe auch in Marbella oder Belgrad mit Topleuten trainiert. Ich war einfach zu schwach dafür, das hat nicht gereicht." Nun habe er aber seine Form langsam wieder aufgebaut. Thiem erstaunte im Rückblick auf das bisher misslungene Comeback auch mit folgender Einsicht: "Ich habe nicht einmal hier in Traiskirchen den Jugendspielern wehtun können mit meinen Schlägen." Das sei jetzt endlich wieder anders. "Jetzt verursache ich sozusagen wieder Schaden mit meinen Schlägen."

Im Gegensatz zu gebetsmühlenartigen Statements in den vergangenen Monaten, er sei auf dem richtigen Weg, stimme dies nun wirklich. "Jetzt kann ich zum ersten Mal ehrlich sagen, wo ich weder mich selber noch jemand anderen belüge, dass ich mich auf einem guten Weg befinde und bald wieder Topleistungen abrufen kann." Die Konstanz auf seiner zuletzt extrem fehleranfälligen Vorhand, habe er sich "zu einem großen Teil" wieder zurückgeholt. "Jetzt bin ich so weit, dass ich in der zweiten Jahreshälfte wieder Topleistungen bringen kann."

Von ursprünglich neun Turnieren sind noch sieben Turniere mit "geschütztem Ranking", also als Nummer sechs der Welt zum Zeitpunkt der Verletzung, möglich. Am Freitag fiel die Entscheidung, wo Thiem sein nächstes Match um ATP-Zähler bestreiten wird. Er tritt noch vor Baastad beim Salzburg-Challenger (ab 4.7.) an und will dort endlich den ersten Sieg seit rund 400 Tagen feiern. Danach stehen das Turnier in Schweden (11.7.), Gstaad und Kitzbühel fix auf dem Programm. "Dann werde ich sehen wie ich dort gespielt habe. Entweder spiele ich Montreal und Cincinnati oder nur Cincinnati (beides Masters-1000-Turniere, Anm.) und dann klarerweise die US Open. Dann habe ich eh nur noch ein oder zwei Turniere (mit dem Verletztenstatus)."

Noch wisse er nicht wie es mit Asien ausschaue. "Dann werden sicher einige Turniere in Europa indoor sein, wo ich bei manchen hoffentlich eine Wildcard bekomme. Es ist das Ziel, dass das Ranking bis zum Ende vom Jahr okay ist, und ich in Australien ohne Hilfe im Hauptbewerb bin." Die Latte liegt nun deutlich höher. "Ich will mir jetzt auch selber wieder ein bisserl Druck auferlegen, weil die Erwartungen waren bei den letzten Turnieren extrem niedrig. Weil ich gesehen habe, wie ich spiele im Training, und quasi keinen Trainingssatz gegen Topleute gewonnen habe, aber das ist jetzt anders. Sobald ich zurückkomme, will ich auch liefern, das ist der Anspruch an mich selber."

Weitere Pläne wie etwa der Heim-Davis-Cup in Tulln gegen Pakistan (16./17.9.) hängen von seiner Entwicklung ab. "Sollte alles gut laufen... natürlich spiele ich Davis Cup immer gern." Allerdings kann es auch sein, dass er schauen muss, dass er ATP-Punkte macht. Denn aktuell ist er auf Platz 352 zurückgefallen, und sein Verletztenstatus hält nur noch bis zum Herbst.

Neben dem ersten Ziel, endlich den ersten Matchsieg einzufahren, hat sich Thiem als Zwischenziel Kitzbühel gesetzt. "Da will ich wieder richtig gut spielen und auch das Publikum begeistern", sagte Thiem und fügte hinzu: "weil so wie in Paris oder Genf war es eher ein Trauerspiel."