Wr. Neustadt vor der Krönung. Tomas Konecny und Co. können sich am Donnerstag den Meistertitel schnappen. Die Favoritenrolle bestehe nur am Papier.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 19. Mai 2021 (01:29)
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Routinier Tomas Konecny will sich mit seinen Teamkameraden Andy Pereira und Felix Wetzel einen Platz in den Wiener Neustädter Sport-Geschichtsbüchern sichern, in dem die Meistertrophäe in die Allzeit Getreue kommt.
Franz Krestan, Franz Krestan

Die Saison der Wiener Neustädter Tischtennis-Cracks ist jetzt schon die beste der Vereinsgeschichte. Als Krönung soll am morgigen Donnerstag der Meistertitel folgen. In Wels geht es gegen Überraschungsfinalisten Salzburg (live in ORF Sport+, ab 20.15 Uhr). „Die Chancen stehen 50:50“, interessiert Wiener Neustadts Mastermind Franz Gernjak die Favoritenrolle auf dem Papier wenig. „Man darf nicht vergessen, wir waren im Herbst noch Sechster, stehen jetzt im Finale“, weist Gernjak auf die Entwicklung seiner Mannschaft hin.

Diese war nicht nur in dieser Spielzeit beeindruckend. Vor fünf Jahren spielte Wiener Neustadt noch in der Landesliga, könnte nun den steilen Aufstieg endgültig krönen. Fast Ironie des Schicksals, dass der Gegner dabei Salzburg heißt. Schon 2017 beim Aufstiegs-Play-off in die erste Liga waren die Mozart-städter der Herausforderer. Spieler von damals werden in Wels nicht mehr an der Platte stehen. Die Historie ist vor so einem wichtigen Spiel ohnehin nebensächlich, meint Gernjak: „Wels hat in der Saison Salzburg zweimal 4:0 weggeschossen, hat dann im Halbfinale verloren“, gibt der Wiener Neustädter Vereinschef zu bedenken: „Salzburg kommt mit breit geschwellter Brust. Sie haben sich vor dem Halbfinale selbst den Druck genommen, in dem sie gesagt haben, dass der Klassenerhalt das Ziel war“, berichtet Gernjak. Die Salzburger können also befreit aufspielen. Ein Modus, in dem die Schlüsselspieler Koyo Kanamitsu und Carlo Rossi besonders gefährlich sind, wenn Wiener Neustadt die beiden unter Kontrolle bekommt, gibt es keinen Zweifel, dass der Weg zum Titel frei ist.

„Man darf nicht vergessen, wir waren im Herbst Sechster, stehen jetzt im Finale.“ Obmann Franz Gernjak relativiert vor dem Endspiel gegen Salzburg die Favoritenrolle seiner Wiener Neustädter.

Das Selbstvertrauen dafür sollten die Cracks aus der Allzeit Getreuen jedenfalls haben. 16 Spiele bestritten Tomas Konecny und Co. in diesem Kalenderjahr, feierten dabei 14 Siege, holten ein Unentschieden und mussten sich nur einmal geschlagen geben. Die Pleite datiert vom vergangenen Freitag, dem Europe Cup-Viertelfinale gegen das italienische Team Messina.

Zuvor hatte Wiener Neustadt in der Gruppenphase des Finalturniers alle drei Gegner mit 3:0-Sätzen besiegt, darunter war auch Champions League-Umsteiger Ostrava. „Deshalb ist das Viertelfinale auch mehr wert, als jenes aus dem Vorjahr“, stellt Gernjak klar, dass der geänderte Modus „den Kleinen“ nicht unbedingt zugute kam.

Das Ausscheiden gegen Messina war dennoch bitter. Wiener Neustadt gewann kein einziges der drei Einzel, hatte aber in zwei Begegnungen Matchbälle, alle drei Spiele gingen im entscheidenden fünften Satz verloren. „Das, was sie gezeigt haben, war doch noch einmal ein bisschen etwas anders. Dort wollen wir auch hinkommen“, sieht Gernjak das Projekt in Wiener Neustadt noch nicht abgeschlossen, auch nicht bei einem möglichen Meistertitel.