Tennis: „Es ist 10 nach 12“. Eine hochkarätige Expertenrunde diskutierte im Rahmen der Spring Bowl über die Zukunft des österreichischen Tennissports.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 18. Mai 2015 (09:30)
NOEN, Ingrid Vogl
Der einzige Lichtblick. Alexander Erler war der einzige Österreicher, der aus eigener Kraft fix im Hauptbewerb der Spring Bowl in Amstetten stand und der einzige, der spielerisch überzeugen konnte. Er musste sich im Semifinale dem späteren Sieger geschlagen geben. Foto: Vogl
Die Bilanz der österreichischen Vertreter bei der Spring Bowl ist besorgniserregend. In der Qualifikation überstand von zwölf Burschen und zehn Mädchen niemand die zweite Runde.

Im Hauptbewerb gelang den vier Mädchen in der ersten Runde kein einziger Satzgewinn und zusammengezählt nur 15 Games. Bei den Burschen überstand mit Alexander Erler nur einer von dreien die erste Runde.

Expertenrunde mit ÖTV-Boss, Spielervater und Ex-Profi

Für die von Spring Bowl-Turnierdirektor Raimund Stefanits initiierte Podiumsdiskussion über die Zukunft des österreichischen Tennissports gab es daher keinen besser passenden Rahmen als das Turnier in Amstetten.

ÖTV-Präsident Robert Groß, ÖTV-Headcoach Michiel Schapers, Spielervater Wolfgang Thiem, Ex-Profi Alexander Antonitsch, Trainer Michael Oberleitner und Tennisjournalist Harald Ottawa bildeten die Expertenrunde.

Tenor: Die Besten fördern – egal, wo sie trainieren

Vor allem Antonitsch und Thiem geizten nicht mit deutlichen Worten und heftiger Kritik an der Arbeit des Verbandes. „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern zehn nach zwölf“, machte Antonitsch deutlich, wie es seiner Meinung nach um das österreichische Nachwuchstennis steht. Auch der herrschende Förderdschungel lag einigen der Diskutanten schwer im Magen.

„Es muss nach Leistung gefördert werden. Südstadt-Spieler werden derzeit gegenüber besseren externen Spielern bevorzugt. Das ist eine Schweinerei“, nahm sich Wolfgang Thiem kein Blatt vor den Mund. Dem konnte Alexander Antonitsch nur beipflichten: „Die Aufgabe des Verbandes ist es, die Besten zu fördern. Egal, wo sie trainieren.“

Um genügend förderungswürdige Spieler hervorzubringen, müsse bei den 10- bis 14-Jährigen angesetzt werden, war man sich einig. Vor allem bei der koordinativen Ausbildung der Youngsters sei großer Handlungsbedarf gegeben. Das erfolgreiche Sportkonzept von Michael Ebert könnte hier Abhilfe schaffen.