Hintergrund. Fußball / Selbst die besten Fußballer des Waldviertels können davon nicht leben. Doch wie bestreiten sie ihren Lebensunterhalt?

Von Michael Salzer. Erstellt am 28. Oktober 2014 (11:09)
Das erste Tor geschossen, drei weitere vorbereitet: Zwettl-Trainer Jaromir Plocek, in seiner aktiven Karriere bei beiden Vereinen engagiert, gratulierte dem 17jährigen Stürmer Lorenz Grabovac zur überragenden Leistung beim 5:0-Kantersieg im Waldviertel-Derby gegen den SV Waidhofen/Thaya
NOEN, Michael Salzer

Der SV Waidhofen/Thaya war zuletzt aufgrund von beruflichen Verpflichtungen seiner Kicker geschwächt: Just zum Waldviertel-Derby konnte Einser-Goalie Michael Harrauer, abseits des Spielfeldes Angestellter der MA48 (Abfallwirtschaft) in Wien, laut Obmann Andreas Hanisch wegen einer „beruflichen Pflichtveranstaltung“, nicht antreten. Vor zwei Wochen musste Außenverteidiger Michael Meixner in Ober-Grafendorf zur Halbzeit raus, um seinen Polizeidienst rechtzeitig antreten zu können.

Welche Jobs haben die anderen Waldviertler Landesliga-Kicker? Und wie lassen sich diese mit dem großen zeitlichen Aufwand in der vierthöchsten Spielklasse Österreichs verbinden? Beim SV Waidhofen sind zurzeit vier, beim SC Zwettl gleich neun Schüler bzw. Studenten aktiv.

„Zwettler trainieren drei Mal, wir nur zwei Mal“

Dementsprechend unterschiedlich sieht auch die Trainingsbeteiligung aus: „Wir müssen schon froh sein, dass es sich bei den Spielen immer halbwegs ausgeht“, erklärte Hanisch. „Aber wir schaffen es leider nicht so gut wie die Zwettler, die Burschen für mehr als zwei Trainingseinheiten pro Woche zu motivieren.“

Den Unterschied zwischen Studium und Vollzeit-Job spürt derzeit Günter Schrenk am eigenen Leib: Der SCZ-Kapitän studiert Management und absolviert aktuell ein Vollzeit-Praktikum bei einer Großbank in Wien. „Das ist schon hart“, sagt der SCZ-Kapitän zu seinem dicht gedrängten Tagesplan: „Ich stehe um 7.30 Uhr auf, gehe in die Arbeit, fahre danach zum Training in Zwettl, bin gegen 23 Uhr wieder zurück in Wien. Das werde ich mir nach Abschluss des Studiums wahrscheinlich nicht mehr antun.“

Der einzige echte Handwerker beim SC Zwettl ist Rechtsverteidiger Christian Brunner. „Was er leistet, ist schon zu bewundern“, sagte Sektionsleiter Harald Resch: „Er hackelt tagsüber, im Sommer bei der größten Hitze, liefert danach beim Kicken immer seine Leistung ab, dreimal die Woche beim Training und einmal beim Spiel.“
 


 

Hintergrund

Die beruflichen Tätigkeiten der Waldviertler Landesliga-Kicker:

SC Zwettl

Schüler: Lorenz und Valentin Grabovac, David Hagmann;

Studenten: Florian Metz, Philipp Preiss, Gregor Schmidt, Thomas Müllner, Jiri Havelka; Angestellte: Lukas Klamert, Mario Brunner, Markus Brunner, Markus Wimmer; Maurer: Christian Brunner;

Selbstständig: Martin Schlögl, Michael Malek.

SV Waidhofen/Thaya

Schüler: Michael Past, Philip Rössler; Studenten: Manuel Eichler, Michael Pischinger, Daniel Meyer; Angestellte: Christian Rössler, Peter Balta, Lukas Nechvatal, Milan Jankovic, Mario Pranjic, Matthias Hauer, Klemens Lukas; Arzt: Stefan Schimmel; Dipl. Physiotherapeut: Felix Werle;

Polizist: Michael Meixner; Schichtarbeiter: Matthias Wimmer, Thomas Meyer; Installateur: Andreas Schleinzer.